
- © Katharina Bahl / LWL-Medienzentrum für Westfalen
Für (medien-)pädagogisch Tätige, die ihr Arbeitsfeld im Bereich der Medien sowie ihre Vermittlungskompetenz erweitern möchten, gibt es eine Reihe von Fortbildungsangeboten für den beruflichen Einsatz als Multiplikator/in. Der Fokus liegt dabei auf dem Zugewinn von Qualifikationen, die sich – z.B. für Freiberufler/innen, Lehrer/innen oder Bildungsreferent/innen – für die eigene Arbeit nutzen lassen. Diese Qualifikationen werden zumeist durch ein Zertifikat bescheinigt und können Bausteine dafür sein, die eigene berufliche Medienkompetenz und damit das eigene Berufsfeld schrittweise zu erweitern.
Keine Angst vor Medien
Startpunkte für die Suche nach Zusatzqualifikation können die folgenden Überlegungen sein:
- Welche Anknüpfungspunkte gibt es zu meiner bisherigen Arbeit?
- Wie kann die künftige Qualifikation in mein berufliches Repertoire integriert werden?
- Welche Medien oder Themen interessieren mich persönlich besonders?
Niemand sollte von sich selbst eine alle Medien umfassende Kompetenz erwarten oder sich von dem großen und thematisch vielfältigen Angebot an medienpädagogischen Fortbildungen abschrecken lassen. Durch kleine Schritte, die auf der eigenen Neugierde aufbauen und Anknüpfungspunkte zur bisherigen Arbeit bieten, findet jede/r Interessierte eine Nische, in der medienpädagogische Angebote sinnvoll und spannend umgesetzt werden können.
Aktive Medienarbeit anbieten
Eine dieser Nischen kann darin bestehen, sich kreativ mit Medien zu beschäftigen und andere darin anzuleiten. Aktive Medienarbeit bietet Raum dafür, selbst gewählte Themen mit Hilfe der Medien aus einer neuen Perspektive (z.B. in Form eines Radiobeitrags) zu betrachten und sie so aufzubereiten, dass am Ende ein fertiges Medienprodukt entsteht, das veröffentlicht werden kann.
Nahezu alle Medien können auf diese Art und Weise aktiv im Unterricht oder in der Projektarbeit genutzt werden:
Mit dem Handy oder mit der Digitalkamera können unkompliziert Fotos für Bildbände, Collagen oder Foto-Storys hergestellt und anschließend am Computer bearbeitet werden. Anregungen zum Einsatz von digitalen Medien im Bildungsbereich bieten regelmäßig Veranstaltungen wie z.B. der Kongress „Medien.Nutzen“ der Medienberatung NRW und der Landesanstalt für Medien NRW.
Mit den meisten Handys lassen sich auch kleine Filme erstellen. Anleitungen für die ersten Schritte zu einem Handyfilm finden sich z.B. auf dem Portal netzcheckers.de der Initiative „Jugend Online“. Workshops zu diesem Thema, aber auch zur Filmarbeit mit der Videokamera und zum Erstellen von Trickfilmen bietet u.a. die filmothek der jugend nrw an. Dem Thema Film und Schule in NRW widmet sich die gleichnamige Initiative des Ministeriums für Schule und Weiterbildung NRW und des LWL-Medienzentrums für Westfalen.
Auch Computerspiele können ein Medium für die aktive Medienarbeit sein. Dazu bietet z.B. das Institut Spielraum der Fachhochschule Köln unterschiedliche Formen für die Schulung und Ausbildung von Multiplikatoren der schulischen und außerschulischen Kinder- und Jugendarbeit an und veranstaltet Tagungen.
Zusatzqualifikationen im Bereich der „alten“ Medien Radio und Fernsehen bieten die Bürgermedien in NRW an. Die Landesanstalt für Medien NRW bildet für die Radioarbeit Medientrainer/innen aus, die Zertifizierungskurse für Bürgerfunker/innen und Radioprojekte in Schulen oder in der freien Jugendarbeit durchführen können. Interessierte können sich für die Ausbildung bei der LfM bewerben.
Auch das Bürgerfernsehen bietet Möglichkeiten zur Fortbildung. Der TV-Lernsender.NRW (nrwision) ist Bestandteil des Pilotprojekts „Ausbildungs- und Erprobungsfernsehen in NRW“, das von der LfM gefördert wird. Der Lernsender wird vom Institut für Journalistik der TU Dortmund betrieben. Das Projekt bietet interessierten Einrichtungen wie Vereinen, Volkshochschulen oder anderen Weiterbildungsstätten die Möglichkeit, Fernsehkurse für Bürgergruppen anzubieten. Weitere Informationen finden sich in dem Flyer "FernsehLernLand NRW - Kostenfreie Fernsehkurse für Bürgergruppen".
Viele Zusatzqualifikationen richten sich gezielt an bestimmte Berufsgruppen, z.B. an Lehrer/innen oder Erzieher/innen. Im Mittelpunkt steht hier nicht so sehr ein einzelnes Medium, sondern vielmehr die Frage, wie sich multimediale Angebote in einer bestimmten Einrichtung umsetzen lassen. So spricht z.B. der Verein Schulen ans Netz mit dem Projekt "Medienqualifizierung für Erzieherinnen und Erzieher" all jene an, die mit Kindern zwischen 0 und 6 Jahren arbeiten und die keine oder nur geringe Kenntnisse in der berufsbezogenen Nutzung digitaler Medien haben. Die Teilnehmer/innen sollen in die Lage versetzt werden, das Internet für die eigene Weiterbildung zu nutzen und den Computer in ihren Einrichtungen einzusetzen – für medienpädagogische Projekte und zur Förderung von Medienkompetenz. Darüber hinaus erfahren die Teilnehmenden, wie sie Kolleg/innen beim Einsatz von Computer und Internet unterstützen können.
Beratungsangebote als Referent/in durchführen
Mit dem Einzug der neuen Medien in den (Erziehungs-)Alltag stehen pädagogisch Tätige vor der Aufgabe, sich mit den Chancen und Risiken von Handys, Computerspielen, Chatrooms oder Social Networks zu befassen und entsprechend reflektiert zu handeln. Eltern, Lehrer/innen, Erzieher/innen oder Mitarbeiter/innen der Kinder- und Jugendarbeit fehlen oft die Erfahrungen, die heutige Kinder und Jugendliche fast beiläufig beim Aufwachsen mit digitalen Medien sammeln. Entsprechend groß ist der Bedarf an Beratungsangeboten für Eltern und Pädagog/innen.
Um diesen Bedarf zu decken, bieten verschiedene Einrichtungen und Initiativen in NRW Fortbildungsveranstaltungen an, für die sich Interessierte bewerben können. In diesen Fortbildungen geht es nicht allein darum, sich Wissen über die Neuen Medien anzueignen. Vielmehr steht die Frage im Mittelpunkt, wie sich dieses Wissen in den Veranstaltungen, die man zukünftig als Referent/in durchführt, vermitteln lässt. Die Schulungen umfassen daher auch Methoden für die Arbeit mit verschiedenen Zielgruppen und fördern die Auseinandersetzung mit der eigenen Haltung, die man als Multiplikator/in zu Medienfragen vertreten will.
Bereits seit 2007 gibt es das Angebot der „Initiative Eltern+Medien“ der Landesanstalt für Medien NRW. Sie unterstützt Kindergärten und Kitas, Schulen und Familienzentren, aber auch Elternvereine und andere Initiativen bei der Planung und Organisation von medienpädagogischen Elternabenden. Das Angebot der Initiative Eltern+Medien umfasst u.a. die Ausbildung und Vermittlung qualifizierter Referent/innen in die Einrichtungen vor Ort und die Übernahme der anfallenden Honorarkosten. Mit der Durchführung der Initiative Eltern+Medien ist das Grimme-Institut beauftragt. Von hier aus erfolgen öffentliche Ausschreibungen, auf die sich Interessierte für eine Ausbildung als Referent/in für Elternabende bewerben können.
Unter dem Titel „Eltern Medien Jugendschutz“ führt die Landesstelle Nordrhein-Westfalen der Arbeitsgemeinschaft Kinder und Jugendschutz e.V. Weiterbildungen zur Fachreferentin / zum Fachreferenten für die medienpädagogische Elternarbeit durch. Das Ziel der Weiterbildung ist die Qualifizierung von Multiplikator/innen für die Konzeption und Durchführung medienpädagogischer Elternbildungsveranstaltungen in Schulen, Kindergärten, Familienzentren und bei anderen Bildungsträgern. Nach Abschluss der Maßnahme werden die Teilnehmer/innen über das landesweite NRW-Netzwerk unterstützt, informiert und weiterqualifiziert. Die Qualifizierungsmaßnahme richtet sich an Mitarbeiter/innen aus der Kinder- und Jugendhilfe, Familienbildungsstätten, Familienzentren, Familienverbänden, Schulen und sonstigen Einrichtungen der Elternbildung. Wer sich für die Weiterbildung bewerben möchte, findet ein Anmeldungsformular auf den Internetseiten des Projekts.
Auch der Deutsche Kinderschutzbund e.V. bietet interessierten Pädagog/innen eine Ausbildung zur Medienkursleitung an. Die medienpädagogische Zusatzqualifikation kann in einer viertägigen Schulung erworben werden. Die Teilnehmer/innen erhalten dort umfassende Informationen und Materialien über Fernsehen, Internet, Handy, PC- und Onlinespiele. Nach erfolgreicher Schulung erhalten die Fachkräfte ein Zertifikat, das sie befähigt, im Rahmen des Projekts des Kinderschutzbundes in Kooperation mit einem weiteren Träger selbst Medienkurse für Eltern und andere Erziehende anzubieten. Nach einer Pilotphase in Bayern wird das Angebot seit 2010 auch in NRW umgesetzt. Mehr Informationen und die Möglichkeit zur Bewerbung finden Interessierte auf der Homepage des Projekts „Wege durch den Mediendschungel“.
Mit dem medien- und kommunikationspädagogischen Zertifikatskurs „Medientutor/Medientutorin“ bietet das Katholisch-Soziale Institut der Erzdiözese Köln (KSI) Interessierten eine weitere Qualifikationsmöglichkeit. Die Fortbildung wird in 8 Monaten realisiert und richtet sich an haupt- und nebenamtliche Mitarbeiter/innen im Medien-, Schul- und Bildungsbereich, in Medienstellen, in sozialen und kirchlichen Tätigkeitsfelder und darüber hinaus an interessierte Quereinsteiger/innen. Die ausgebildeten Medientutoren/innen sollen dazu beitragen, dass das Leben in und mit den Medienströmungen und -netzen menschendienlich gelingen kann. Sie werden als "Navigator/innen im Mediendschungel" dazu ausgebildet, z.B. Elternabende zur Medienerziehung durchzuführen, medienpädagogische Veranstaltungen für und mit Kindern und anderen Altersgruppen anzubieten, praktische Medienarbeit mit Video und Social Media anzuleiten oder Multiplikator/innen medienpädagogisch zu qualifizieren. Weitere Informationen finden sich auf dem Flyer des Projekts und auf der Homepage des KSI.






