Medienkompetenz erforschen
Präsentation der Forschungsergebnisse zur Studie "Heranwachsen mit dem Social Web"
© Uwe Völkner / Fox

Die Welt der Medien und die Welt der Kommunikation sind wichtige Felder der sozialwissenschaftlichen Forschung. Die Medienwissenschaft befasst sich vor allem mit den Massenmedien – die Kommunikationswissenschaft richtet den Blick zudem auch auf die zwischenmenschliche Verständigung.

Innerhalb dieser großen Felder hat sich die medienpädagogische Forschung als spezielle Ausrichtung etabliert. Hier geht es beispielsweise um die Mediennutzung und die Medienkompetenz vor allem von Kindern und Jugendlichen oder um Prozesse der Mediensozialisation.

Viele medienpädagogische Forschungsprojekte werden von Landesmedienanstalten wie der LfM in Auftrag gegeben. Neben einmaligen Untersuchungen zu speziellen Fragestellungen bieten verschiedene regelmäßige Studien die Möglichkeit, langfristige Entwicklungen auszumachen.

Ist Medienkompetenz messbar?

Diese Frage ist auch von Wissenschaftler/innen nur schwer zu beantworten. Denn um die Medienkompetenz eines Menschen zu untersuchen, kann man nicht einfach ein bestimmtes Wissen über Medien abfragen. Es geht vielmehr um die Funktionen der Medien in der jeweiligen Lebenswelt und die Reflektion der eigenen Mediennutzung. Und so hat die medienpädagogische Forschung die Medienkompetenz in allen Facetten im Blick.

Vom Sinn der Forschung

Medienpädagogische Forschungsprojekte bieten Einblicke in die Medienwelten von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Sie geben Aufschluss darüber, welche Themen, Chancen und Problemlagen für verschiedene Zielgruppen aktuell eine wichtige Rolle spielen. So ergeben sich auch mögliche Handlungsfelder und Bedarfe für neue Projekte.

Das LfM-Projekt Medienkompetenz-Kitas NRW wurde beispielsweise u.a. deshalb ins Leben gerufen, weil bei der zuvor durchgeführten Untersuchung mit dem Titel Die Förderung von Medienkompetenz im Kindergarten ein entsprechender Handlungsbedarf festgestellt wurde.

Aber auch bei der alltäglichen Arbeit im medienpädagogischen Feld können Forschungsergebnisse sehr nützlich sein. Wer z.B. Elternabende zu Medienthemen durchführt, kann durch einige Zahlen aus der JIM- oder KIM-Studie anschaulich demonstrieren, wie intensiv Kinder und Jugendliche bestimmte Medien nutzen.

Vielfältige Forschungsfelder

Die medienpädagogische Forschung befasst sich mit vielfältigen Fragestellungen. Diese spiegeln sich in den verschiedenen Forschungsfeldern wider:

Mediennutzungsforschung

Die Nutzungsforschung hat den Empfänger bzw. Nutzer von Medien im Visier. Dabei bieten vor allem die Neuen Medien immer mehr Möglichkeiten zur aktiven Nutzung.

Wer schaut wie lange welches TV-Programm? Gibt es Unterschiede bei der Nutzung aufgrund von Alter, Geschlecht, Herkunft oder anderen Faktoren? Warum ist das Einloggen in Soziale Netwerke wie SchülerVZ und Co. für Kinder und Jugendliche so reizvoll?

Fragestellungen wie diese sind häufig Ausgangspunkt von Untersuchungen zur Mediennutzung.

 

Medienwirkungsforschung

Die Wirkungsforschung untersucht, ob die Nutzung von Medien bestimmte Folgen haben kann auf die Meinungsbildung, die Gefühle oder auch das Verhalten der Rezipienten.

In der öffentlichen Debatte wird von Untersuchungen in diesem Bereich oft eine Erklärung durch ein einfaches Reiz-Reaktions-Muster gewünscht. Zumeist ergeben die Ergebnisse der Wirkungsforschung jedoch ein differenzierteres Bild.

Mögliche Fragestellungen wären z.B. "Machen gewalthaltige Computerspiele aggressiv?" oder "Welchen Einfluss haben Werbebotschaften auf unser Kaufverhalten?".

 

Inhaltsanalyse

Die Inhalte von Medien können ebenfalls genauer untersucht werden. Anhand zuvor definierter Kriterien können Filme, Texte oder andere Medienprodukte beurteilt und ausgewertet werden.

Eine medienpädagogische Studie könnte z.B. der Frage auf den Grund gehen, ob die Artikel in verschiedenen Jugendzeitschriften stereotype Rollenbilder vermitteln.

 

Medienforschung

Auch die Medien selbst werden unter die Lupe genommen. Die Medienforschung richtet den Blick auf die traditionellen Massenmedien wie auch auf Individualmedien, Online-Angebote und andere Entwicklungen der neuen Medien.

Untersucht werden beispielsweise Organisationsformen von Sendern und Online-Anbietern und ihre politischen und wirtschaftlichen Bedingungen. Auch die technischen Verbreitungskanäle der Medien können analysiert werden.