Flüchtlingsarbeit

Eisenbahnschiene

Aufgrund von Gewalt und Krieg in ihrem Heimatland flüchten Menschen in andere Länder – auf der Suche nach einer neuen Perspektive. Das Jahr 2015 war von dieser Entwicklung in besonderer Weise geprägt, als über eine Million Menschen nach Deutschland eingereist sind. Eine große Herausforderung besteht in der Versorgung der Menschen mit dem Nötigsten wie Nahrung, Unterkunft und Kleidung. Doch in mindestens gleichem Maße wird die Integration dieser Menschen das Land und die Gesellschaft herausfordern. Die Medienpädagogik kann hier ein wichtiger Schlüssel zur Überwindung von Barrieren und zur Integration sein.

Die interkulturelle Medienarbeit ist ein etablierter Baustein der medienpädagogischen Arbeit. Doch interkulturelle Ansätze reichen in dieser besonderen Situation vielfach nicht aus. Flüchtlingsarbeit muss explizit auch durch medienpädagogische Arbeit unterstützt und begleitet werden. Ein großes Potential dieser Kombination liegt im Spracherwerb sowie in der politischen und kulturellen Bildung.

Bedeutung digitaler Medien

Insbesondere mobile Medien wie Smartphones sind für Flüchtlinge sehr wichtig, da sie wichtige Organisationsfunktionen während der Reise und im neuen Alltag übernehmen können. Die Geräte unterstützen den langen Weg durch Landkarten-Apps, ermöglichen eine Vernetzung und Austausch mit anderen Flüchtlingen und überbrücken Sprachbarrieren. In der neuen Umgebung bieten die Apps Orientierung in einer neuen, unbekannten Gesellschaft und Kultur. Unterstützung bei den ersten Schritten im neuen Land gibt es beispielsweise von der App "Ankommen" oder der Welcome App Germany. Die Refugees Welcome Map bildet die verschiedenen Hilfsangebote für Geflüchtete ab, befindet sich aber derzeit noch im Aufbau. 

Gleichzeitig stehen die Flüchtlinge über mobile Medien und Smartphones mit ihren Familien in der Heimat oder in anderen Regionen in Kontakt, was insbesondere auch für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge eine wichtige Konstanz darstellt.

Der Bedeutung digitaler Medien für die Organisation und Kommunikation sollte deshalb auch in Flüchtlingsunterkünften und -einrichtungen Rechnung getragen werden, beispielsweise durch die Bereitstellung von Computern oder Tablets samt Internetzugang in Kombination mit qualifizierten Fachkräften vor Ort. Gerade das Internet trägt entscheidend dazu bei, dass die Flüchtlinge die Geräte sinnvoll nutzen können. Dennoch steht in vielen Flüchtlingsheimen aufgrund offener Fragen zur Störerhaftung derzeit noch kein Internetzugang zur Verfügung. Weitere Informationen zu digitalen Helfern für neu Angekommene liefert das Grimme Lab.

Medienarbeit als Schlüssel zur Integration

Schon mit einfachen Mitteln können medienpraktische Aktivitäten für Flüchtlinge angeboten werden. Zur Überbrückung der Sprachbarrieren bieten sich visuelle Projekte besonders an:

  • Fotografieren während einer Umgebungserkundung
  • Aktive Erkundung einer Stadt mit Augmented Reality-App "Aurasma" bietet die Möglichkeit, eigene Botschaften im öffentlichen Raum zu hinterlassen, die von anderen Nutzern aufgerufen werden können. Bei einem solchen Projekt in München hinterließen jugendliche Flüchtlinge selbstgemalte Bilder, Textbotschaften in verschiedenen Sprachen oder auch Videos ihrer Ankunft.
  • Produktion von kurzen Erklärfilmen oder (Lege-) Trickfilmen
  • Kino für Flüchtlinge mit Stummfilmen
  • Medienbiographische Methoden, etwa zur Thematisierung von Unterschieden und Gemeinsamkeiten der Kulturen

Entstehen bei der Medienarbeit auch mediale Erzeugnisse wie Fotografien oder kurze Videos, können diese in Form von Ausstellungen präsentiert und den Flüchtlingen so ein Gesicht gegeben werden. Dennoch ist es wichtig auf Datenschutz und Urheberrecht zu achten, um besonders den Schutz der Persönlichkeit der minderjährigen Geflüchteten zu gewährleisten.

Handlungsempfehlungen für die Arbeit mit Geflüchteten

Im Rahmen des 33. GMK-Forums sind Handlungsempfehlungen zur Arbeit mit Geflüchteten entstanden, die sich auf folgende fünf Bereiche beziehen:

Vielfalt an kultursensiblen Themen und Methoden integrieren

Qualitätsentwicklung und Nachhaltigkeit stärken

Vernetzung und Transfer fördern

Zusätzliche Aufgaben lösen

Sichtbarkeit der Arbeit erhöhen

Daneben sind auch Projekte von Flüchtlingen für Flüchtlinge ein guter Ansatz. Die Webseite B.I.G. WELCOME liefert beispielsweise Antworten auf essentielle Fragen wie „Was mach ich wenn ich krank bin?“ oder „Wie kaufe ich ein Rheinland-Pfalz-Ticket?“ – und dies in drei Sprachen (Deutsch, Englisch, Arabisch). Die Seite wurde von zwei jungen Syrern in einem sechswöchigen Praktikum bei medien+bildung.com erstellt. Der Blog "Medienpraxis mit Geflüchteten" stellt Medienprojekte zum Thema Medienpädagogik mit Geflüchteten mit ihren Schwerpunkten, Zielgruppen und Methoden vor. 

Viele Maßnahmen ergänzen die bereits bestehende interkulturelle Medienarbeit von Einrichtungen. Neben Ehrenamtlichen sind Muttersprachler oder ggf. Dolmetscher hilfreich, um die Verständigung zu erleichtern. Für einen Einstieg in die Medienarbeit mit Flüchtlingen empfiehlt es sich, die Mediennutzung von Flüchtlingen selbst kennenzulernen. In Gesprächen oder Begegnungen kann man erfahren, wie sie sich informieren und kommunizieren und daran anknüpfen. Auch eine Vernetzung unter bestehenden Angeboten und Austausch von Good Practice fördert das Verständnis für wichtige medienpädagogische Angebote.

Einige Materialien von klicksafe liegen bereits in verschiedenen Sprachen vor, darunter in türkischer und arabischer Sprache. Sie bieten sich für erste Projekte zur Förderung der Medienkompetenz bei Flüchtlingen an, die wiederum dabei helfen, dass die Möglichkeiten der digitalen Medien sinnvoller und effektiver genutzt werden können.

Für die Finanzierung von medienpädagogischen Projekten mit Flüchtlingen stellen auch immer mehr Stiftungen und Organisationen Fördermittel oder Materialien zur Verfügung. Unter anderem fördert das Projekt „Lesen macht stark“ des Deutschen Bibliotheksverbands  inzwischen auch Angebote für junge Flüchtlinge, um diese beim Erlernen der deutschen Sprache zu unterstützen.