Inklusion

Gemeinsam sind wir stark!

Jugendliche mit und ohne Behinderung machen gemeinsam ein Spiel

Inklusion (lateinisch „Enthaltensein“) bedeutet, dass alle Menschen selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Unabhängig von Geschlecht, ihren Fähigkeiten, Einstellungen, Vorlieben oder Einschränkungen. In Deutschland verdichtet sich die Inklusions-Debatte auf die Teilhabechancen von Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen. Anlass ist die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Von Deutschland im Jahre 2009 ratifiziert, konkretisiert sie die allgemeinen Menschenrechte aus der Perspektive der Menschen mit Behinderungen und vor dem Hintergrund ihrer spezifischen Lebenslagen. Als erstes internationales, rechtlich verbindliches Dokument bildet sie den Rahmen für die vollständige und gleichberechtigte Teilhabe und ihre Einbeziehung in alle gesellschaftlichen Bereiche.

Medien und Menschen mit Behinderungen

Medien sind im Wortsinn „(Ver-)Mittler“ und erfüllen gerade für Menschen mit Behinderungen vielfältige Funktionen bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung. Sie können das „Fenster zur Welt“ sein, vorhandene Einschränkungen kompensieren, Bildung und Informationen erfahrbar machen sowie individuelle Erfahrungs- und Handlungsräume erweitern. Daher ist es eine zentrale Aufgabe der inklusiven Gesellschaft, allen Menschen Zugang wie auch Nutzungsmöglichkeiten digitaler Medien zu gewährleisten.

Die Online-Datenbank barrierefrei-kommunizieren enthält eine herstellerunabhängige Sammlung behinderungskompensierender Techniken und Technologien für Computer und Internet.

Für Webseiten gibt es Kriterien wie die Richtlinien für barrierefreie Webinhalte (WCAG), um diese leicht zugänglich zu gestalten. 

Medienbildung und Inklusion

Insbesondere die Schulen stehen durch die Ratifizierung der UN-Konvention (Artikel 24) vor weitreichenden Herausforderungen. Gemeinsames Lernen ist hier das Schlüsselwort. Die Heterogenität in Schulklassen des Landes NRW soll nicht nur ausgebaut, sondern allmählich zum Regelfall werden. Die Förderung von Medienkompetenz an Schulen bzw. im Unterricht wird ohnehin immer wichtiger, um Kinder und Jugendliche auf das Leben in unserer dynamischen Informationsgesellschaft vorzubereiten. Das Lernen mit Unterstützung durch den Computer oder mobile Endgeräte kann Lehr- und Lernformen ermöglichen, die Lehrkräfte entlasten und die sowohl individuell als auch gemeinschaftlich genutzt werden können. Ein inklusives Bildungssystem erfordert daher spezielle Konzepte, die Unterschiede akzeptieren, Individualität unterstützen und für alle fruchtbar machen.

Logo des Medienpass NRW

Der Medienpass NRW hat zum Ziel, Kindern und Jugendlichen systematisch  Medienkompetenz zu vermitteln. Individuelle Lernwege der Kinder in unterschiedlicher Geschwindigkeit und Themensetzung werden hier explizit unterstützt, was der Umsetzung eines inklusiven Bildungssystems entgegenkommt.

Nicht nur in der Schule müssen sich Lernformen im Zuge der Inklusion verändern. Auch die Berufsausbildung und das Studium brauchen veränderte Konzepte, die dieser Herausforderung gerecht werden. Eine Chance kann das mediengestützte Lernen (E-Learning) sein. Gerade für Menschen mit eingeschränkter Mobilität kann diese Form des Lernens unabhängig von bestimmten Präsenzorten eine Bereicherung darstellen. 

Die Bundeszentrale für politische Bildung bietet die Leitfaden-Serie "einfach Internet" an. Die in einfacher Sprache geschriebenen Leitfäden richten sich an Menschen, die bisher noch wenig Erfahrung mit dem Internet und Sozialen Medien gemacht haben. In kleinen Schritten können interessierte Menschen die digitale Welt erkunden und ihr Lerntempo frei wählen. Von Anfang an haben Experten aus dem PIKSL-Labor in Düsseldorf mitgearbeitet und die Leitfäden geprüft.

Medieneinsatz in inklusiven Projekten

Die Kompensation der Behinderung durch den rein technischen Einsatz von medialen Hilfsmitteln muss in der (medien-)pädagogischen Praxis nicht ausschließlich im Vordergrund stehen. Egal ob Filme, Fotos, Videos, Podcasts, Blogs oder Computerspiele – Medienthemen sind faszinierend und eignen sich daher als Aufhänger für Projekte mit inklusiver Ausrichtung. Hierbei ist wichtig, dass sich jeder mit seinen individuellen Fähigkeiten einbringen kann.

Medieneinsatz wie z. B. in dem Ferienprojekt des Bürgerhauses Bennohaus in Münster bietet die Möglichkeit, abseits der defizitorientierten Sichtweise Gemeinsamkeiten zu verdeutlichen und unterschiedliche Menschen mit gleichen Vorlieben langfristig in barrierefreien pädagogischen Begegnungsstätten zusammenzuführen. Dies ist ein gewinnbringender Lernprozess hinsichtlich des sozialen Miteinanders, von dem alle profitieren können.

Viele praktische Tipps zur Umsetzung von inklusiven Medienprojekten bietet das Netzwerk Inklusion mit Medien (NIMM) – ein Projekt der Landesarbeitsgemeinschaft LAG Lokale Medienarbeit NRW e. V. in Kooperation mit der Technischen Jugendfreizeit- und Bildungsgesellschaft (tjfbg) gGmbH. Hier bloggen Inklusions-Scouts regelmäßig über ihre praxisnahen Erfahrungen und dienen zudem Ratsuchenden als Ansprechpartner. Weiterhin werden das Arbeitsheft „Materialien für eine inklusive Medienpädagogik“ sowie eine berufsbegleitenden Weiterbildung zur inklusiven Medienpädagogik angeboten.

Aktive Medienarbeit bietet durchaus auch therapeutische Möglichkeiten zur Rehabilitation von Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen bzw. Erkrankungen. Dieses Handlungsfeld ist momentan noch wenig erprobt, weshalb es für zukünftige Forschungen und der Entwicklung von Best Practice-Konzepten auch für die Medienpädagogik interessant und spannend ist.

Planung von inklusiven Projekten

Ist der Veranstaltungsort barrierefrei? Verfügen die Computer über einen Screenreader? Benötigen Kinder und Jugendliche assistive Technologien? Ist ein Gebärdensprachdolmetscher notwendig? Sind die Begleitmaterialien oder die Präsentation in Leichter Sprache verfasst?

Gerade bei der inklusiven Umsetzung medienpädagogischer Projekte gilt es Strukturen so anzubieten oder zu verändern, dass Menschen mit Behinderungen von Anfang an einbezogen sind und auf ihre Teilhaberechte geachtet wird. Ein standardisiertes Herangehen wird der Vielfalt und Individualität von Menschen und den unterschiedlichen Leistungseinschränkungen nicht gerecht.

Daher sollten bereits vor der Projektplanung und -Durchführung spezialisierte Kooperationspartner/innen gesucht und (wenn möglich) die Art der Behinderung, der Betreuungsbedarf sowie medizinische Interventionsmaßnahmen mit den Teilnehmer/innen (und ggf. den Eltern) abgesprochen werden. Auch sollten Menschen mit Behinderungen Hinweise darauf finden können, ob eine Veranstaltung barrierefrei ist und/oder welche Hilfestellungen zur Kompensation angeboten werden.

Inklusive Medienprojekte sind besonders kostspielig und personalintensiv. Aufgrund des dringenden Handlungsbedarfs bieten zahlreiche Stiftungen spezielle Fördermöglichkeiten. Zwar sind nur wenige auf Medienprojekte für Menschen mit und ohne Behinderungen spezialisiert – hier geben oftmals Satzungen Auskunft darüber, ob eine Idee in das jeweilige Konzept passt.