Dossier Jugendmedienschutz

Kinder an Laptops in der Schule
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Alterskennzeichen auf Filmen und Videospielen, späte TV-Sendezeiten für Programme ab 16, Beschwerdestellen für problematische Online-Inhalte – viele Instrumente des Jugendmedienschutzes sind im Alltag sichtbar. Aber wie gehen wir damit um?

Ob Eltern sich an Altersfreigaben von Spielen halten, liegt in ihrer Verantwortung. Oder ob eine Sozialarbeiterin ein unzulässiges Video auf einem Handy der Polizei meldet, muss sie in Absprache mit ihrem Team entscheiden. So klar der gesetzliche Jugendmedienschutz in seinen Regelungen ist – so groß ist die Bandbreite des medienpädagogischen Handelns

Wer als Pädagog/in mit Kindern und Jugendlichen arbeitet, sollte die Grundlagen des gesetzlichen Jugendmedienschutzes kennen – ob im Internet, in Filmen und Spielen oder im Fernsehen

Aufklärung nötig

Kinder und Jugendliche sollen vor schädlichen Einflüssen durch Medien geschützt werden. Das ist im Jugendschutzgesetz und vor allem im Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) geregelt. Dort steht zum Beispiel, dass Filme und Computerspiele, die in Deutschland auf den Markt kommen, eine Alterskennzeichnung haben müssen oder dass im freien Fernsehen keine Pornografie zu sehen sein darf.

Problematische Inhalte

Der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag unterscheidet zwischen unzulässigen Inhalten und entwicklungsbeeinträchtigenden Angeboten. Absolut unzulässig – und damit unabhängig vom Alter der Nutzer/innen grundsätzlich verboten – sind z. B. Angebote, welche die Menschenwürde verletzen, Kinderpornografie oder Posendarstellungen enthalten. Diese Inhalte dürfen weder im Netz noch im Fernsehen verbreitet werden.

Einfach pornografische, schwer jugendgefährdende und indizierte Angebote dürfen in Telemedien verbreitet werden, sofern von Seiten des Anbieters sichergestellt ist, dass sie nur Erwachsenen zugänglich gemacht werden (geschlossene Benutzergruppe). Unterhalb der Schwelle zur Pornografie oder Jugendgefährdung gibt es Angebote, die aufgrund ihres möglicherweise gewalthaltigen oder sexuellen Inhalts als entwicklungsbeeinträchtigend bezeichnet werden, da sie einen negativen Einfluss auf die gesunde Entwicklung von Kindern und Jugendlichen haben können. Aufgrund dessen müssen Anbieter dafür Sorge tragen, dass derartige Inhalte von den entsprechend gefährdeten Altersgruppen üblicherweise nicht wahrgenommen werden können. Dies kann über eine Sendezeitbeschränkung oder ein sonstiges technisches Mittel erfolgen.

Aufgaben für Pädagog/innen

Trotzdem sind all diese Angebote in der Welt. Und wer als Pädagog/in mit Jugendlichen arbeitet, ist immer wieder gefordert, Stellung zu beziehen. Heranwachsende müssen heute lernen, eine Haltung zu solchen problematischen Inhalten zu entwickeln, die im Internetzeitalter rasend schnell verbreitet werden. Sie benötigen dafür die Möglichkeit zur Auseinandersetzung und klare inhaltliche Positionen von Erwachsenen. Denn Jugendliche fragen zu Recht, warum etwas verboten ist oder bestimmten Beschränkungen unterliegt.

Pädagog/innen haben Kindern und Jugendlichen gegenüber zudem oftmals eine Aufsichtspflicht. Dies ist beispielsweise auch in Computerräumen an einer Schule der Fall oder bei Medienprojekten in einem Jugendzentrum. Vor allem beim Surfen im Netz können Jugendliche mit rechtswidrigen Inhalten konfrontiert werden, auch wenn sie gar nicht gezielt danach suchen, sondern eher zufällig Verlinkungen folgen.

Aufsicht und Beschwerde

Wer entwicklungsbeeinträchtigende, jugendgefährdende oder gar absolut unzulässige Inhalte im Netz findet, kann dies einer Beschwerdestelle melden.

Logo der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM)

Die zentrale Aufsichtsstelle für den Jugendschutz im privaten Rundfunk und im Internet ist die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM). Die KJM ist ein gemeinsames Organ aller Landesmedienanstalten und arbeitet mit allen Einrichtungen zusammen, die in Deutschland mit dem Jugendmedienschutz befasst sind.

Die Anbieter von Filmen, Rundfunkprogrammen, elektronischen Spielen und Internetseiten werden in die Verantwortung genommen, um ihre Angebote zu prüfen. So wurden verschiedene Einrichtungen der Freiwilligen Selbstkontrolle gegründet, die Medien ein Mindestalter zuordnen, ab dem sie zugänglich gemacht werden dürfen.

Informieren und diskutieren

Cover eines Prüfreports der LfM

Wer auf der Suche nach konkreten Beispielen ist, findet im Prüfreport eine Auswahl an Rundfunk- und Internetbeschwerden, die bei der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) eingegangen sind. Nicht jede Beschwerde führt auch zu einem juristischen Verfahren. Dennoch fördern Anfragen und Beschwerden nicht selten eine weiterführende Auseinandersetzung mit Thematiken und erzielen auch ohne Paragrafen und Sanktionen ihre Wirkung.

Als Plattform für Fragen und Diskussionen zur Einhaltung der Regelungen im privaten Rundfunk bietet sich auch die Facebook-Seite "Die Programmbeobachter" an – ebenfalls ein Service der LfM.