November 2016: Podknast

In einem Modellprojekt erstellen Strafgefangene Kurzfilme und Audios. Ziel ist es, ihnen Medienkompetenz zu vermitteln und der Öffentlichkeit, insbesondere haftgefährdeten Jugendlichen, Einblicke in den Alltag einer Justizvollzug- oder Jugendarrestanstalt zu ermöglichen.

Was ist "Podknast"?

Der Projektname "Podknast" setzt sich aus den Begriffen "Podcast" und "Knast" zusammen. In Eigenregie erstellen Inhaftierte kurze Video- und Audiosequenzen. In diesen Podcasts werden Themen behandelt, die sie bewegen, wie zum Beispiel die Haftsituation oder eigene Gefühle und Gedanken. In etwa fünf Minuten langen Beiträgen bekommen die Zuschauer einen hautnahen Eindruck direkt aus der Haftanstalt. Alles ist echt, die Gebäude, die Inhaftierten, die Umgebung und die Mitarbeiter. Diese Authentizität ist bisher einmalig und spannend.

Das 2010 mit dem Dieter-Baacke-Preis ausgezeichnete Projekt existiert seit 2008. Inzwischen beteiligen sich an "Podknast" zehn Haftanstalten des Jugend- und Erwachsenenvollzuges in Nordrhein-Westfalen: Die Justizvollzugsanstalten Aachen, Detmold, Heinsberg, Herford, Iserlohn, Köln (Frauenvollzug), Siegburg und Wuppertal-Ronsdorf. Technisch wird das Projekt unterstützt vom Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen.

Geschulte Mitarbeiter aus den Justizvollzugsanstalten des Landes NRW stehen den Inhaftierten als Multiplikatoren zur Verfügung. Wichtig ist nicht, dass die Filme hochprofessionell und fehlerfrei hergestellt sind, vielmehr soll die Medienkompetenz der Inhaftierten geschult und deren Interesse geweckt werden.

Team beim Dreh.

Primäre Zielgruppen

Das Projekt verfolgt verschiedene Ziele und wendet sich an unterschiedliche Zielgruppen. Eine Zielgruppe davon sind die in das Projekt involvierten Strafgefangenen. Neben der Vermittlung von Medienkompetenz werden Inhaftierte dazu bewegt, sich mit ihrer momentanen Situation, ihrem bisherigen und zukünftigen Leben auseinanderzusetzen und die Konsequenzen ihres kriminellen Verhaltens zu reflektieren. So verbinden sich sinnvolle Freizeitgestaltungen mit der Sensibilisierung für den kritischen Umgang mit Medien.

Potentiell gefährdete Jugendliche und Erwachsene sind eine weitere Zielgruppe. Sie sollen durch mehr Transparenz und Information über den Strafvollzug von möglichen Straftaten abgehalten werden. Es ist nicht erstrebenswert, eine Haftstrafe "absitzen" zu müssen – eine eher unvorstellbare Situation wird durch die Podcasts greifbar und real gemacht. Gezeigt werden die Konsequenzen im Falle einer Inhaftierung.

Oft gleichaltrige Inhaftierte sprechen über ihre Gefühle, Ängste und Sorgen in der Sprache der Zuschauer und erreichen sie voraussichtlich eher als jeder nachgestellte Lehrfilm. Gerade das ist auch der Grund, weshalb die Podknast-Filme mittlerweile häufig unter anderem als Präventionsmaterial in Schulen, der Bewährungshilfe, Jugendhilfe, bei Drogenberatern und Pädagogen eingesetzt werden. Ein realeres Bild vom Vollzugsalltag kann – ohne eine Vollzugsanstalt zu betreten – nicht vermittelt werden.

Außenansicht JVA.

Information der Öffentlichkeit

Bei "Podknast" werden alltägliche Szenen aus dem Haftalltag nachgestellt, um Außenstehenden einen realistischen Einblick in den Bereich des Justizvollzuges zu vermitteln.

Zudem besteht für die Zuschauer die Möglichkeit, ein Feedback zu jedem Film abzugeben, Fragen zu stellen und Anregungen zu geben. Dies lässt eine Kommunikation zwischen "drinnen und draußen" entstehen, an der die Inhaftierten sehr interessiert sind, da es eine Wertschätzung ihrer Arbeit darstellt.

Durch die visuelle Darstellung, die schnelle Abfolge von ausgesuchten Bildern und gezielte Informationen zum Thema soll das Interesse des Zuschauers geweckt werden. Die Videos sind dabei nicht nur auf der Internetseite www.podknast.de zu sehen, sondern auch über einen eigenen Youtube-Channel.

Am 28. November 2016 präsentiert sich "Podknast" im Landtag Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf auf dem Tag der Medienkompetenz. Ausgewählte Filme werden dort vorgestellt.