Juli 2006: Volkshochschule Dortmund

Die Volkshochschule Dortmund, eine der größten im Lande, setzt technische Medien als selbstverständliche und unverzichtbare Hilfsmittel bei ihrem alltäglichen Geschäft der Weiterbildung ein. Würde man einmal alle Videorecorder, Videobeamer, DVD-Player, Diaprojektoren, Fernseher, Cassettenrecorder, Aktivboxen und ähnliche Geräte zusammenstellen, ergäbe sich ein anschauliches Bild von den Dimensionen des Medieneinsatzes in Kursen und Seminaren - von den vielen voll ausgestatteten Computerräumen der VHS ganz zu schweigen. Ohne technische Medien wäre ein zeitgemäßer Unterricht in vielen Fällen gar nicht mehr durchzuführen.

Zur praktischen Medienarbeit

Darüber hinaus sind Volkshochschulen, und gerade die in Nordrhein-Westfalen, schon seit den sechziger Jahren Orte der Auseinandersetzung mit Medien gewesen. Institutionen wie die Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen und das Adolf-Grimme-Institut sind aus dem Engagement von Volkshochschulen heraus entstanden. Für die Dortmunder Volkshochschule begann Mitte der achtziger Jahre mit dem Dortmunder Kabelpilotprojekt der Einstieg in eine intensive medienpädagogische Begleitarbeit. Voraussetzung dafür war die Anschaffung eines umfangreichen Video-Equipments (U-Matic low band), das es ermöglichte, in enger Zusammenarbeit mit dem im Zuge des Pilotprojekts eingerichteten Offenen Kanal Dortmund Bürgerfernsehen zu erproben. Unter dem Label "Medienwerkstatt der VHS" wurden bis weit in die neunziger Jahre hinein Videoschulungen, Seminare, Projekte und Wettbewerbe durchgeführt, die die VHS Dortmund zu einem intensiv genutzten Ort des Umgangs mit einem damals noch sehr neuartigen und aufwändig zu handhabenden Medium machten.

Die technische Entwicklung im Videobereich hin zu Miniaturisierung und einfacher Bedienung sowie zur Digitalisierung hat dazu geführt, dass der privilegierte Zugang zur Videotechnik nicht mehr länger an speziell ausgestattete Medienzentren gebunden ist. Camcorder und Schnitt am PC sind an Stelle aufwändigen Kamera-Equipments und stationärer Schnittplätze getreten. Was sich allerdings nicht geändert hat, ist der Bedarf an dramaturgischer Beratung. Ging es früher vor allem darum, Video-Laien für ihre vielfältigen Projekte vom Urlaubsfilm bis zur lokalen Reportage im Offenen Kanal die Grundregeln des Mediums zu vermitteln, so geht es heute sehr viel stärker auch um berufliche Perspektiven im Medienbereich. Die Seminarangebote im neuen Programmheft der VHS für das 2. Halbjahr 2006 (einzusehen unter www.dortmund.de/vhs) spiegeln diese Entwicklung deutlich wider. Da gibt es Wochenend-Workshops über "Professionelle Kameraarbeit in Film und Fernsehen" und "Grundlagen des Videojournalismus" oder eine "Einführung in die Technik des Drehbuchschreibens" - alles im eigenen Programmbereich "Video". Für die Kontinuität, aber auch die Akzeptanz der medienpädagogischen Arbeit spricht ein Angebot wie der Videotreff der VHS, der immerhin schon seit 1985 einmal im Monat Amateure, Praktiker und Neugierige am runden Tisch versammelt, um technische Informationen auszutauschen und Eigenproduktionen zu begutachten.

In Sachen Film

Das Porträt wäre unvollständig, wenn nicht ein weiterer wichtiger Bereich vorgestellt würde, der gerade an der Dortmunder VHS seit langem einen besonderen Stellenwert hat: Die Beschäftigung mit dem Film. Das Kino der VHS, das vhskino.plus, bietet ein- bis zweimal pro Woche im Kinosaal der VHS einen Film (16mm und Videoprojektion). Das Programm, das dreimal im Jahr ausführlich in einem Programmprospekt vorgestellt wird, hat in Form von Filmeinführungen und filmkundlichen Angeboten einen ausgeprägten medienpädagogischen Akzent. Das unterscheidet ein solches Programm inhaltlich vom Angebot eines gewerblichen Kinos, sei das ein Multiplex oder ein Programmkino.

Eine medienpädagogische Erfolgsgeschichte stellen in diesem Rahmen vor allem die Angebote zur Lehrerfortbildung für Film und Medien dar, die seit Jahren in Zusammenarbeit mit dem Städtischen Medienzentrum (der ehemaligen Stadtbildstelle) etwa sechsmal im Jahr angeboten werden und auf ungewöhnlich große Nachfrage stoßen. In diesem Zusammenhang wurde das Modellprojekt "Crashkurs Filmdramaturgie" entwickelt, mit dessen Hilfe sich bisher weit mehr als 500 Lehrer in Dortmund und über Dortmund hinaus praktisches Rüstzeug für die Film- und Medienanalyse im Schulunterricht aneignen konnten.