Oktober 2006: ProMädchen - Mädchenhaus Düsseldorf e.V. "Leyla – Kompetenzzentrum für Mädchen"

Die PISA-Studie und ganz aktuell die Shell-Studie 2006 belegen, dass Jugendliche aus sozial benachteiligen Elternhäusern geringere Bildungschancen in Deutschland haben. Gerade Jugendliche mit Migrationshintergrund besuchen häufiger eine Haupt- oder Sonderschule.

Im Mittelpunkt der Arbeit von ProMädchen - Mädchenhaus Düsseldorf e.V. steht der Wunsch, die Lebensbedingungen von Mädchen und jungen Frauen zu verbessern. Seit 1995 entwickelt ProMädchen offene Freizeit- und Bildungsangebote. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf medienpädagogischer Arbeit mit Mädchen und jungen Frauen. Im zweiten Halbjahr 2004 begannen die Vorbereitungen für das aktuelle Projekt "Leyla - Kompetenzzentrum für Mädchen". Als besondere Zielgruppe gelten Mädchen mit Migrationshintergrund aus sozial schwachen Familien. Die Vermittlung von Medien- und Sozialkompetenz steht im Fokus der Arbeit. Das Kompetenzzentrum bietet einen geschützten Raum – für Begegnung, Kreativität und für die Aneignung moderner Kommunikationsmittel.

Medienkompetenz wird bei Leyla als Schlüsselqualifikation in der von neuen Medien bestimmten Welt begriffen, und Erfahrungen zeigen, dass sich medienpädagogische Angebote an der Lebenswelt der Mädchen orientieren müssen. Außerdem ist es sinnvoll, niedrigschwellige Zugänge anzubieten. Ein regelmäßiges Angebot von Leyla ist z.B. Bildbearbeitung am Computer. Einmal wöchentlich für eineinhalb Stunden werden Bilder verfremdet, neue Schriften erstellt oder eigene Objekte und Hintergründe kreiert. Eine konkrete Vorstellung der umzusetzenden Aufgabe wird anhand von "Vorher-Nachher-Bildern" vermittelt. In der Bilderauswahl sind die Mädchen frei.

Beliebt ist, Bilder von persönlichen Lieblingsstars zu verändern. Außerdem finden regelmäßig Photoprojekte statt - 2006 wurde beispielsweise ein Kalender gegen Rassismus gestaltet. Zurzeit gibt es einen Photowettbewerb, bei dem "Miss HipHop", "Miss Shoes", "Miss Hair" und "Miss Natural" gewählt wird. Im Rahmen des offenen Internetcafés, das einstündig im täglichen Programm verankert ist, wurde das besondere Bedürfnis der Mädchen zu chatten aufgegriffen. Chatten macht Spaß. Leider finden auch immer wieder Übergriffe im Chat statt. Hier sieht Leyla permanenten Handlungsbedarf. Eine besondere Aktion im Rahmen der Herbstferien ist das Angebot: "Was geht ab im Chat?". Während eines zweistündigen Experiments sollen die Mädchen unter Verwendung von unterschiedlichen Nicknames chatten und die Gesprächsverläufe mit Screenshots dokumentieren. Außerdem soll ein Austausch über die persönlichen Chat-Erfahrungen der Mädchen stattfinden.

Das Projekt Leyla – Kompetenzzentrum für Mädchen konnte im Zeitraum von Oktober 2004 bis September 2006 über die Finanzierung durch die Stiftung Aktion Mensch und durch Spendengelder aufgebaut werden. Die Förderung kann noch bis zum Dezember 2006 verlängert werden. Zurzeit bemühen die Organisatorinnen sich um Möglichkeiten und Finanzierungen, um diese Arbeit weiterführen zu können.