Mai 2008: Internationales Jugend- und Kulturzentrum Kiebitz e.V., Duisburg

Jugendliche gestalten selbst ihr zweisprachiges Magazin "ibibik"

Die Jugendzeitschrift "ibibik" gibt es seit 18 Jahren. Viele Leser wundern sich über den Namen des Magazins. Doch der liegt zum Greifen nah: "Kiebitz" heißt im Türkischen nämlich "ibibik". Und so neugierig wie dieser Vogel immer ist, so ist auch der Inhalt der Zeitschrift. Die Beiträge sind kritisch, weltoffen, lustig, ernsthaft ... In den unterschiedlichsten Darstellungsformen - Reportagen, Glossen, Interviews und Kommentare – wird über alles berichtet, was interessant erscheint. Jeden Donnerstag treffen sich die Jugendlichen im Internationalen Jugend- und Kulturzentrum Kiebitz e.V. zur Redaktionssitzung. Sie gestalten selbst das zweisprachige Jugendmagazin "ibibik", lassen ihre eigenen Themen und Gedanken beim Diskutieren, Schreiben und auch Layouten einfließen.

Bei den jungen Autoren spielt ihre nationale Herkunft keine Rolle, gemeinsam arbeiten sie an dem einen Projekt, das über die Stadtgrenzen hinaus bekannt geworden ist – auch durch die einmal im Monat zu hörende Hörfunk-Sendung "Radio ibibik". Eine Besonderheit ist zudem der türkisch-sprachige Innenteil - die "Kalem"(zu deutsch: "der Schreiber"). Er wurde von dem namhaften türkischen Autor Fakir Baykurt 1987 gegründet und bietet noch heute jungen Erwachsenen die Möglichkeit, in ihrer Muttersprache zu schreiben, sogar auch lyrisch.

Das Magazin "ibibik" ist eines von zahlreichen Projekten und Workshops, die Kiebitz seit 23 Jahren in seinem Haus in Duisburg-Marxloh anbietet. Der Ortsteil gilt als sozialer Brennpunkt, da hier viele Menschen mit Migrationshintergrund und in einer finanziell schwierigen Situation leben. Kiebitz versteht sich als ein "Dritter Ort" – losgelöst von Elternhaus und Schule.

Die Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund können und sollen hier ohne jeglichen Leistungsdruck ihrer Kreativität freien Lauf lassen. (Sprach-) Barrieren gibt es nicht: Als Möglichkeiten der Verständigung dienen Farben, Sprachvielfalt, Körperbewegung, Musik und vieles mehr. Diese künstlerische Ebene gestalten professionelle Künstler in den Bereichen Fotografie, Literatur, Malerei, Musik, Tanz, Theater, Video und Bildende Kunst. Teilnehmen können Einzelpersonen, Gruppen oder ganze Schulklassen. Die Projekte werden durch die Peter Klöckner-Stiftung, die Stadt Duisburg, die RAA Duisburg sowie andere private und öffentliche Förderer unterstützt.

Ein interessantes Projekt, das in jüngster Zeit entstanden ist, trägt den Namen "EinTopf". Elf Jugendliche aus Deutschland, Frankreich, Russland, den Niederlanden und der Türkei haben vier Monate lang ihre eigenen Erfahrungen mit dem Thema "Toleranz" in einem Tanz-Theaterstück verarbeitet. Offen haben die jungen Erwachsenen Konflikte zu Integration und kulturelle Vielfalt reflektiert. Wie unterschiedlich die Teilnehmer den Begriff "Toleranz" sehen, wird in dem selbstgedrehten Film über das Projekt deutlich. Diese dritte Kunst übernahm die visuelle Dokumentation des Gemeinschaftsprojektes und forderte alle Beteiligten zu einer sehr intensiven thematischen Auseinandersetzung heraus. Der Film kann beim Internationalen Jugend- und Kulturzentrum Kiebitz e.V. angefordert werden