April 2011 - KidSmart – Medienakompetent zum Schulübergang

Dortmund vernetzt Frühe Bildung, Schule und Universität

Alle Bildung funktioniert über Medien – und beginnt schon mit dem ersten Atemholen. Kommen Kinder in die öffentlichen Bildungseinrichtungen, haben sie schon eigene Medienerfahrungen. Doch Medienkompetenz meint mehr, als Technik bedienen zu können, und nicht immer sind diese Erfahrungen auch pädagogisch begleitet worden. "Medienfreie Zonen" sind daher der falsche Weg, Kinder medienkompetent zu machen. Allerdings sind die meisten Erziehenden nicht wirklich vorbereitet. Dies gilt für Eltern ebenso wie für Kita-Personal und in der Weiterführung für Lehrkräfte. Dafür gibt es viele Gründe: Wir wissen noch recht wenig über die Mediennutzung, Medienkompetenz und Medienvorlieben von Kindern in der frühen Bildung, besonders für Kinder unter fünf Jahren. Dann werden viele Projekte, die Medienarbeit in die Kita tragen wollen, nicht auf wissenschaftlichem Niveau begleitet. Und schließlich erfindet die Schule das Rad dann auch noch neu: Sie weiß nicht, was Kinder schon kennen und können, was sie wollen und wo man Medienkompetenz andocken könnte - sofern die Lehrkraft selbst medienkompetent ist.

Diese Themen hat die Forschungsstelle Jugend - Medien - Bildung der TU Dortmund mit ihrer Partnerstelle an der PH Ludwigsburg und in Kooperation mit der Stadt Dortmund und IBM Deutschland zusammengefasst zu einem Forschungsprojekt, das über ein Jahr mehr als 20 Kitas in der Ruhrmetropole in den Blick nimmt. Dabei geht es aber nicht nur um die Erhebung des Status Quo, sondern auch um aktive Intervention: In jeder Kita erarbeiten die Erzieherinnen und Erziehern mit den Kindern Medienprojekte – und zwar themenorientiert vom Stadtteil-Projekt Phönixsee bis hin zum internationalen Kochbuch. Dabei spielen klassische Medien ebenso eine Rolle wie die umfangreiche kreative Arbeit am Computer – IBM stellt dafür kindgerechte Multimediastationen zur Verfügung. Und weil die Erzieherinnen und Erzieher zugleich kompetenter gemacht werden sollen, bekommen sie nach einer Fortbildung in Sachen Medienbildung geschulte Lehramts-Studierende der TU Dortmund zur Seite gestellt. Für Prof'in Dr. Gudrun Marci-Boehncke, Leiterin des Projekts und Inhaberin des Lehrstuhls für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft und ihre Anwendungs- und Vermittlungsaspekte an der TU Dortmund, ist wichtig, die verschiedenen Prozesse und Projektpartner zu vernetzen: "Weiterbildung und Intervention ohne Forschung sind blind und Forschung ohne Anwendung ist leer. Bei uns lernen alle etwas dazu, zunächst natürlich die Kinder, dann die Erzieherinnen und Erzieher und nicht zuletzt die Studierenden, die als zukünftige Lehrkräfte erfahren, was die Kinder heute schon mitbringen an Medienkompetenz und Medienerfahrung. Und die Forschung erhält Einblick in die Medienwelt der 4-5-jährigen, der Erzieherinnen und Erzieher und auch der Eltern. Die Rückspiegelung der Ergebnisse aus Praxis und Forschung soll ein Bewusstsein schaffen, damit Medienbildung nachhaltig und zur gemeinsamen Sache wird."

Kontakt:
Projekt "KidSmart"
Prof. Dr. Gudrun Marci-Boehncke
TU Dortmund, Institut für deutsche Sprache und Literatur
Emil-Figge Str. 50, 3.241
44221 Dortmund
gudrun.marci@tu-dortmund.de