Juni 2011 - ESCapade

ESCapade – Hilfe bei Gefährdung durch problematische Computernutzung

Was tun, wenn das eigene Kind nur noch vor dem Computer sitzt? Wenn Jugendliche in Onlinespielwelten und Chatforen abtauchen und dabei Schule, Beruf, Familie und Freunde vernachlässigen? Wenn keine Zeit mehr für Körperpflege und Ernährung bleibt und das Spiel am Rechner zum Lebensinhalt wird? Pathologisches Computernutzungsverhalten ist ein Phänomen, das in allen Gesellschaftsschichten und Kulturen beobachtet werden kann. Mittlerweile verfügen mehr als die Hälfte der Jugendlichen im Alter von 12 bis 19 Jahren über einen Internetzugang im eigenen Zimmer. Aufgrund der zu erwartenden technologischen Weiterentwicklungen, die eine noch breitere Verfügbarkeit bei gesteigerter Intensität des Internets ermöglichen und neue Spielanreize schaffen werden, ist sicher davon auszugehen, dass die Zahl der Betroffenen weiter zunehmen wird - und damit auch die Konflikte in den Familien. Hier setzt ESCapade an und gibt Hilfestellungen, um wieder miteinander ins Gespräch zu kommen und Lösungen zu finden.

Das Bundesmodellprojekt "ESCapade – Hilfe bei Gefährdung durch problematische Computernutzung" ist ein zielgruppenspezifisches, familienorientiertes Präventionsprojekt für Jugendliche mit problematischer Computernutzung. Dieser familienorientierte Interventionsansatz bezieht neben den individuellen Problemlagen der Jugendlichen auch die familiären Konflikte mit ein. Die Hilfe richtet sich an Familien mit Kindern im Alter von 13 bis 18 Jahren. Ziel ist, die Situation für alle Familienmitglieder zu verbessern, die erlebten Belastungen zu reduzieren, gemeinsam Lösungen und Alternativen zu entwickeln und die Jugendlichen langfristig zu stabilisieren.

Das Projekt wendet sich an Jugendliche, die entweder auf eigene Initiative oder durch ihre Eltern das Beratungsangebot aufsuchen und folgende Teilnahmevoraussetzungen erfüllen:

  • Die oder der Jugendliche zeigt ein problematisches Computernutzungsverhalten im letzten Jahr und daraus resultierende psychosoziale Folgeerscheinungen wie z.B. Leistungsabfall in der Schule, sozialer Rückzug und Konflikte in der Familie. Zur Definition des problematischen Computernutzungsverhaltens wird ein Screening-Verfahren eingesetzt.
  • Mindestens ein Elternteil resp. gesetzlicher Vormund ist bereit, an der Beratung teilzunehmen oder diese zu unterstützen.
  • Sowohl der Jugendliche als auch die Eltern verfügen über ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache.
  • Voraussetzung für die Teilnahme ist das Einverständnis der oder des Jugendlichen sowie der Eltern.

Das Programm gliedert sich in drei Module:

Erstgespräch mit der Familie
Ein Erstgespräch fördert durch gezielte Interventionen die Teilnahmebereitschaft der Familien, schafft eine Vertrauensbasis und erfasst erste entscheidende Informationen.
Familienseminartag
Im Rahmen eines Familienseminartages haben die teilnehmenden Familien durch methodisches Arbeiten in Kleingruppen und im Plenum Gelegenheit, in unterschiedlichen Zusammensetzungen die Inhalte zu bearbeiten.
Individuelle Familiengespräche
Auf dieser Basis werden in mehreren individuellen Familiengesprächen gemeinsam konkrete Interventionsstrategien erarbeitet. Hier wird das neu erworbene Wissen auf den individuellen familiären Alltag angewendet und adäquate und konkrete Handlungsstrategien vereinbart. Ein Abschlussgespräch, das mit einem zeitlichen Abstand von vier Wochen stattfindet, resümiert das gemeinsam Erarbeitete und bietet Gelegenheit, die Vereinbarungen zu überprüfen beziehungsweise zu korrigieren. Die Angebote berücksichtigen die Berufstätigkeit der teilnehmenden Eltern und die Schulpflicht der Jugendlichen.

ESCapade wurde 2010 von der Fachstelle für Suchtprävention der Drogenhilfe Köln mit Unterstützung des Bundesministeriums für Gesundheit ins Leben gerufen und läuft zunächst bis September 2012. Das Projekt wird in Köln sowie an drei weiteren deutschen Standorten durchgeführt.
Da bislang keine evaluierten Präventionsprogramme zu Computersucht vorliegen, wird das Projekt durch die unabhängige Katholische Hochschule Köln wissenschaftlich begleitet. Ziel der wissenschaftlichen Evaluation ist es, die Wirksamkeit der familienorientierten Intervention und die Umsetzbarkeit des Angebots zu überprüfen.

Für Familien ist es entscheidend, die Dinge nicht einfach weiterlaufen zu lassen sondern frühzeitig das Gespräch mit den Jugendlichen zu suchen und Alternativen zu finden.