Juli 2012: Surf-Fair gegen Cybermobbing

Mit der weit verbreiteten Nutzung von Handys und Internet findet Mobbing auch in der digitalen Welt statt. Unter diesem Cybermobbing verstehen wir alle Formen von Schikane, Verunglimpfung, Betrug, Verrat und Ausgrenzung mithilfe von Informations- und Kommunikations-Technologien, bei denen sich das Opfer hilflos oder ausgeliefert und (emotional) belastet fühlt. Zum Cybermobbing gehören beispielsweise Bedrohungen via SMS, über soziale Netzwerke verbreitete Gerüchte oder die Veröffentlichung eines peinlichen Videos auf einem Videoportal. Solche Vorfälle sind unter Jugendlichen sehr verbreitet. Beispielsweise gaben in einer repräsentativen Stichprobe von tausend 14-20 jährigen Schülern 36% an, so etwas schon einmal erlebt zu haben. Trotzdem sind die Folgen für die Betroffenen sehr unterschiedlich. Circa ein Viertel berichtet von keinerlei negativen Effekten, die Mehrheit von emotionalen Folgen wie Wut oder Verzweiflung, und Einige von ernsten psychosomatischen oder psychischen Folgen.

Bisher ist unklar, welche Bewältigungs-Strategien bei Cybermobbing zu Erfolg führen. Dazu kommt, dass viele Erwachsene in einer anderen digitalen Welt leben als Jugendliche und dass Jugendliche relativ selten Erwachsenen von ihren Internet-Problemen berichten. Daher gibt es keine einfache Lösung für das Problem Cybermobbing und von Erwachsenen vorgeschlagene Lösungen werden nicht immer von Jugendlichen angenommen.

Als Reaktion auf diese Problemlage wurde "Surf-Fair", ein Präventionsprogramm gegen Cybermobbing entwickelt. Es richtet sich primär an Lehrer und ihre Schulklassen (5.-7. Klasse) und ist modular aufgebaut, so dass inhaltliche Schwerpunkte und Umfang frei gewählt werden können. Die Anwendung erfordert keine besonderen Internetkenntnisse.

Surf-Fair zeichnet sich vor allem durch ein konsistentes didaktisches Konzept mit einer ausschließlichen Ausrichtung auf Cybermobbing aus. Nach einer lösungsoffenen Präsentation eines filmischen Fallbeispiels erarbeiten die Jugendlichen eigene Definitionen des Problems und mögliche eigene Lösungen. Die Jugendlichen sind dabei aktive Konstrukteure des eigenen Wissens und können es daher leichter auf Anwendungssituationen in ihrer Lebenswirklichkeit übertragen. Lernziel ist die Stärkung der kritischen und ethischen Medienkompetenz der Jugendlichen. Eine systematische Überprüfung der Wirksamkeit von Surf-Fair zeigte positive Effekte auf das Cybermobbing-Verhalten und das Wissen der Teilnehmer.

Die komplette Darstellung des Präventionsprogramms finden Sie in:
Pieschl, S., & Porsch, T. (2012). Schluss mit Cybermobbing! Das Trainings- und Präventionsprogramm "Surf-Fair". Weinheim: Beltz.

Weitere Literatur:
Porsch, T., Pieschl, S., & Hohage, C. (2011). Cybermobbing. In: Techniker Krankenkasse, Landesvertretung NRW (Hrsg.). Gewalt gegen Kinder. Ein Leitfaden für Früherkennung, Handlungsmöglichkeiten und Kooperation. Düsseldorf