März 2012: Stadtbibliothek Hattingen

Am Konzept der Stadtbibliothek Hattingen lässt sich ablesen, wie öffentliche Bibliotheken an der Schwelle zu einer digitalisierten Mediengesellschaft erfolgreich sein können.

Als eine von neun Modellbibliotheken des Landes nimmt die Stadtbibliothek seit 2009 am Pilotprojekt "Lernort Bibliothek" teil. Ein sichtbares Ergebnis der bisherigen Projektarbeit ist die Einrichtung der Q-thek. In diesem Bereich sind physische und virtuelle Medien gemeinsam um einen großen Leuchttrichter angeordnet. Er ist bereits vom Eingang im Untergeschoss der Bibliothek zu sehen und zeigt schon von weitem, wo sich die Q-thek befindet. Individuelle, bequeme Sitzmöbel in frischem Grün laden zum Verweilen und Wissenserwerb ein. Auch ein Multi-Touch-Screen ist hier zu finden. Der riesige Bildschirm wird von Bibliotheksmitarbeitern mit digitalem Inhalt gefüllt und dient als Informationssystem, das durch Berühren aktiviert wird. Hier sind kulturelle Veranstaltungen, das aktuelle Programm der Volkshochschule und andere Informationen recherchierbar. Das "Q" hat mehrere Bedeutungen: Es sieht aus wie eine Espressotasse von oben, was die gehobene Aufenthaltsqualität unterstreicht. Doch Bernd Jeucken, Leiter der Stadtbibliothek Hattingen, zieht das "Q" als Abkürzung für Qualität vor: "Wir haben uns von einer reinen Medienausleihstelle zu einem zeitgemäßen, attraktiven  Kultur- und Begegnungsort entwickelt."

Das breit gefächerte Angebot der Q-thek richtet sich insbesondere auch an ältere Nutzer. Sie sollen an die neuen Medien herangeführt, Berührungsängste mit dem World wide Web überwunden werden. So stehen kostenfrei W-LAN-Notebooks zur Verfügung und mehrere Ipads mit informativen Apps laden zum Ausprobieren ein. Ältere Nutzer sollen die Möglichkeit erhalten, die Chancen der digitalen Welt zu erleben und die Vorteile für sich zu nutzen.

Die Q-thek ist darüber hinaus ein Areal, auf dem kontinuierlich medienpädagogische Aktionen stattfinden, zum Beispiel die neu ins Leben gerufenen "Gaming Days". Im vergangenen Jahr wurden 150 gewaltfreie Spiele angeschafft, die seit November regulär ausgeliehen werden können. "Wir haben vorher genau hingeschaut und verglichen, welche Spiele medienpädagogisch geeignet sind", so Jeucken. Damit neben Kindern und Jugendlichen auch Familien und Senioren die Strategie-, Sport- und Lernspiele unter Anleitung näher kennenlernen können, möchte die Bibliothek regelmäßig "Gaming Days" veranstalten. Am 4. Februar fand die erste Veranstaltung statt, weitere sollen folgen. Ob Anfänger oder Experte, hier ist jeder willkommen.

Um Eltern auch über die Hintergründe und Gefahren virtueller Spielwelten aufzuklären, fand beispielsweise im Januar 2012 flankierend ein Elternvortrag zum Thema "PC- und Konsolenspiele: faszinierend, lehrreich ? und gefährlich?" statt. Auch über andere medienpädagogische Themen wie "Chancen und Risiken sozialer Netzwerke" wird regelmäßig in Form von Elternveranstaltungen informiert. Nähere Informationen hierzu im Blog der Stadtbibliothek Hattingen und im Online-Veranstaltungskalender der Bibliothek.

Hier finden sich weitere Hinweise auf die zahlreichen Veranstaltungen, zu denen die Bibliothek regelmäßig einlädt. Im Rahmen einer Reihe regelmäßiger Autorenbegegnungen unter dem Titel "Literatur im Carré" waren bisher namhafte Autoren wie Hatice Akyün, Harald Martenstein oder Andreas Altmann zu Gast. Und am 2. März endet die bereits "7. Hattinger Kinder- und Jugendbuchwoche", die dieses Mal unter dem Motto "Dem Täter auf der Spur" steht und sich in zweijährlichen Abständen aufs Neue zum Ziel setzt, junge Teilnehmer für das Lesen zu Begeistern. Auch in diesem Jahr nehmen wieder mehrere hundert Kinder und Jugendliche daran teil.

Ein weiterer Förderschwerpunkt der Bibliothek liegt im Einsatz von E-Book-Readern, die derzeit für die Vor-Ort-Nutzung und als Ausleihmedium erprobt werden. Auch an dieser Stelle erfolgt der Brückenschlag zwischen analoger und digitaler Welt. Doch trotz des innovativen Technikeinsatzes wird weiterhin großer Wert auf persönlichen Leserservice gelegt. Kompetentes Fachpersonal führt Kindergartengruppen und Schulklassen in die Bibliotheksbenutzung ein und unterstützt beim Verfassen von Referaten oder Facharbeiten.

Dass die Hattinger Stadtbibliothek vor drei Jahren sehr bürgernah im Einkaufszentrum Reschop Carré untergebracht wurde, erwies sich als Glücksfall. Sie hat sich zu einem  Publikumsmagneten entwickelt und ergänzt das Gesamtangebot des Zentrums sehr gewinnbringend. Hierzu trägt auch das gemütliche Lesecafé ein, in dem bei einer guten Tasse Kaffee im Zeitschriften- und Zeitungsbereich der Bibliothek gestöbert werden kann.

Wer sich über die Arbeit der Hattinger Stadtbibliothek und über geplante Veranstaltungen informieren möchte, ist herzlich eingeladen, auf Facebook und im Weblog des Bibliotheks-Teams mehr zu erfahren.