jfc Medienzentrum: Big Data – Medienkritik 4.0

Cover Big Data
Bild: jfc Medienzentrum e.V.

Ein lustiges Erlebnis auf Facebook, ein hübsches Urlaubsfoto auf Instagram und ein witziger Schnappschuss auf Snapchat. Persönliche Daten in sozialen Netzwerken zu veröffentlichen gehört für Jugendliche wie selbstverständlich dazu. Um Herauszufinden, welche Filme gerade im lokalen Kino laufen oder wie lange der nächste Bäcker geöffnet hat, wird ebenso selbstverständlich Google verwendet wie beim Online-Shopping Cookies akzeptiert werden.

Dass man bei der Auswahl der Fotos und Texte, die man selbst online stellt, vorsichtig sein sollte, ist den meisten Jugendlichen klar. Auf individueller Ebene sind die Konsequenzen, dass z. B. der zukünftige Chef das peinliche Partyfoto entdeckt, leicht nachzuvollziehen. Wie aber sieht es mit Konsequenzen auf gesellschaftlicher Ebene aus, die man nicht direkt selbst nachspüren kann? Diese Ebene der gigantischen Datenspuren-Sammlungen (Big Data)  für Jugendliche greifbar zu machen ist Ziel des von der Bundeszentrale für politische Bildung geförderten Projekts zur Methodenentwicklung „Big Data – Medienkritik 4.0“ des jfc Medienzentrum Köln. 

Weitere Informationen zum jfc Medienzentrum finden Sie auch im MPA-Datenbankeintrag

Herausforderungen für die Arbeit mit Jugendlichen

Die politische und gesellschaftliche Ebene von Big Data und Big Data Analytics für Jugendliche verständlich und erlebbar zu machen, birgt besondere Schwierigkeiten. Warum fremde Personen keinen Zugriff auf alle persönlichen Posts oder Fotos in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram haben sollten, kann einfach und anschaulich erklärt werden. Über mögliche negative Konsequenzen auf der Mikro-Ebene sind sich die meisten Jugendlichen daher heute bewusst. Die komplexen und unsichtbaren Strukturen von Big Data sind deutlich abstrakter. Sie trotzdem verständlich und ansprechend zu vermitteln stellt für Medienpädagog/innen eine besondere Herausforderung dar.

Ziele des Projekts

Gefördert werden soll die digitale Selbstbestimmung – auch auf der zunächst nicht direkt erlebbaren gesellschaftlichen Ebene. Dazu muss erklärt werden, wie digitale Infrastrukturen durchschaut werden können, was Algorithmen sind und können und wie ethische Konflikte durch die Anwendung von Big Data Analytics entstehen können. Eben solche ethischen Konflikte müssen auf eine für Jugendliche erfahrbare Ebene heruntergebrochen und anschaulich dargestellt werden. Erst wenn gesellschaftliche und politische Konsequenzen von Big Data durchblickt werden, kann über Handlungsalternativen diskutiert werden. So können produktive und gesellschaftlich wünschenswerte Nutzungsformen erarbeitet werden, die Meinungsvielfalt ermöglichen bzw. fördern und Diskriminierung verhindern. 

Verfügbare Materialien

Unterrichtsmaterial von Klicksafe
Bild: Klicksafe

Einen Einstieg in die Thematik für Pädagog/innen und Interessierte gibt die Arbeitshilfe Big Data für die Jugendarbeit. Das Thema Big Data wird zunächst verständlich erklärt, dann werden Auswirkungen auf verschiedene Lebensbereiche vorgestellt. Auch mögliche Reaktionen auf die Probleme, die Big Data mit sich bringt, werden vorgestellt – dabei wird die strikte digitale Datenenthaltsamkeit allerdings weder als Ziel noch als umsetzbare Möglichkeit beschrieben. Die Arbeitshilfe gibt Einblick in verschiedene Methoden, um Big Data für Jugendliche erlebbar zu machen. Vorgeschlagen wird beispielsweise das Erstellen eines Datenspurentagebuchs. Spiele eignen sich besonders gut, um die Interessen von Datensammlern greifbar und nachvollziehbar zu machen. Empfohlen wird das Spiel Data Dealer, in dem man versucht, selbst mit persönlichen Daten fiktiver Menschen Geld zu verdienen. Online gibt es eine kostenlose Demo-Version von Data Dealer. Auch von klicksafe gibt es geeignete Unterrichtsmaterialien zum Thema Privatsphäre und Big Data.

Start-Up in Datarryn

Cover des Planspiels Startup in Datarryn
Bild: jfc Medienzentrum e.V.

Das jfc Medienzentrum hat selbst das Planspiel „Start-Up in Datarryn“ entwickelt. Gespielt werden kann es von Personen ab 12 Jahren und auch in größeren Gruppen (6 bis 20 Personen). Vor dem Spiel ist in jedem Fall eine Einführung ins Thema Big Data notwendig, die dem Wissenstand der Teilnehmenden bzw. der Altersgruppe angepasst sein sollte. Die Spieler versetzen sich im fiktiven Land Datarryn, in dem die Datenschutzgesetze sehr locker sind, in die Rolle junger Big Data-Unternehmer. Ihr Ziel ist es, den Förderpreis für das beste junge Big Data-Unternehmen zu gewinnen. 

In Gruppen überlegen sich die Spieler/innen eine Geschäftsidee. Verwenden dürfen sie dafür 2 von 26 nutzbaren Datenpools, die sie auf Spielkarten erhalten. Von Positionsdaten der Handynutzer/innen über Google Suchbegriffe und Wetterdaten bis hin zu Bewertungen von Shops und anderen Orten ist alles dabei. Im Spielverlauf entwickeln die Teilnehmenden ein Unternehmen mit Firmenname und Logo und bereiten eine kurze Präsentation vor, in der sie ihr Unternehmenskonzept anpreisen. Die vorher gewählte Jury entscheidet am Ende, wer den Förderpreis erhält. Beurteilt wird wie innovativ die Ideen sind und wieviel Geld damit verdient werden könnte, aber auch wie sie unter ethischen Gesichtspunkten zu betrachten ist.