Geschickt geklickt?!

Zum Zusammenhang von Internetnutzungskompetenzen, Internetsucht und Cybermobbing bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen

Logo der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM)

Maßnahmen, die Mechanismen der Selbstregulation stärken und Anreize zur Reflexion über den Umgang mit Onlineangeboten bieten, können dazu beitragen, Jugendliche vor Onlinesucht und Cybermobbing zu schützen.

Zu diesem Ergebnis kommt die Ende Oktober veröffentlichte Studie "Geschickt geklickt?! Zum Zusammenhang von Internetnutzungskompetenzen, Internetsucht und Cybermobbing bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen" der Landesanstalt für Medien NRW (LfM) und der Universität Duisburg-Essen.

Damit stellt die Studie nicht die Stärkung technischer Kompetenz als vorderrangiges Ziel medienpädagogischer Ansätze in den Vordergrund, sondern unter anderem die Stärkung von Medienkritikfähigkeit.

Die Forschungsfrage lautete: Was befördert Cybermobbing und Internetsucht - und wie lässt sich dem präventiv entgegenwirken? Hierzu wurde eine Befragung von deutschlandweit 825 Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 14 und 29 Jahren durchgeführt.

Die Ergebnisse zeigen unter anderem:

  • Das Risiko einer unkontrollierten Nutzung ist besonders bei introvertierten, schüchternen Personen erhöht.
  • Selbstregulatorische und reflektierende Fähigkeiten reduzieren das Risiko einer unkontrollierten, exzessiven Nutzung.
  • Eine besonders aktive, engagierte und kreative Internetnutzung scheint das Risiko einer unkontrollierten, exzessiven Nutzung zu verstärken.
  • Menschen, die sehr gewissenhaft handeln und unbekannten Situationen interessiert und aufgeschlossen begegnen, haben tendenziell weniger Erfahrungen mit Cybermobbing gemacht.
  • Menschen, die weniger gewissenhaft handeln und unbekannten Situationen weniger interessiert und aufgeschlossen begegnen, haben tendenziell mehr Erfahrungen mit Cybermobbing gemacht.
  • Opfer von Cybermobbing sind im Vergleich mit Nicht-Opfern öfter ängstlich, depressiv und unsicher im sozialen Austausch.

Aus den Ergebnissen lässt sich schließen, dass sowohl bei der Tendenz zu Internetsucht als auch bei der Beteiligung an Cybermobbing zwei Faktoren eine zentrale Rolle spielen:

  1. Individuelle Persönlichkeitsmerkmale und
  2. erlernte Fähigkeiten zum Umgang mit dem Medium.

Softskills wie eine kritische Betrachtung von Medieninhalten und der eigenen Mediennutzung sowie das Einschätzen bzw. Erlernen von selbstregulatorischem Verhalten nehmen hierbei eine besonders wichtige Rolle ein: Sie können die Wirkung des erstgenannten Faktors, der individuellen Persönlichkeitsmerkmale, abschwächen oder verstärken.

Daraus lässt sich allgemein ableiten, dass die Stärkung kommunikativer und sozialer Kompetenzen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen einen wichtigen Baustein zur Prävention gegen Internetsucht und Cybermobbing darstellt. Medienpädagogische Maßnahmen können konkret unter anderem folgende Schwerpunkte aufgreifen:

  • Förderung der kritischen Betrachtung eigener und fremder Inhalte,
  • Stärkung der Fähigkeit zur Regulation der eigenen Onlinezeit,
  • Bewertung eines angemessenen Austauschs in sozialen Netzwerken mit anderen Personen.

Dabei sollte laut Studie vermittelt werden, dass das Internet den Alltag zwar durchaus bereichern kann, jedoch nicht erste Wahl sein sollte, um problemlösende oder emotionsregulierende Aufgaben zu übernehmen.

Stodt, Benjamin/Wegmann, Elisa/Brand, Matthias (2015): Geschickt geklickt?! Zum Zusammenhang von Internetnutzungskompetenzen, Internetsucht und Cybermobbing bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Leipzig. Vistas (2015). Schriftenreiche Medienforschung der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM), Band 78.
ISBN 978-3-89158-618-1.

Die komplette Studie kann hier beim Vistas-Verlag bestellt werden (19 Euro).

Eine Zusammenfassung der Studie finden Sie hier: www.lfm-nrw.de/geschicktgeklickt.