Interface Extended

Interface Extended ist ein systemisches Beratungsangebot für exzessiv medienkonsumierende Kinder und Jugendliche von 12 bis 21 Jahren sowie deren Eltern und Angehörige.

Bild: Interface Extended

Kinder und Jugendliche gestalten ihre Freizeit heute meist medienaffin: Sie spielen Rollenspiele, schauen Videos über Streamingportale und kommunizieren über soziale Netzwerke. Das ist soweit nicht ungewöhnlich, kann jedoch auch negative Folgen haben. Laut der Pinta Diari Studie liegt die geschätzte Häufigkeit für eine Internetabhängigkeit bei den 14- bis 24-Jährigen bei 2,4 Prozent, betrachtet man nur die 14- bis 16-Jährigen sogar bei 4,0 Prozent.

Das Beratungsangebot Interface Extended setzt genau hier an. Anette Riedesel und David Szymura beraten Jugendliche, die sich in die Medienwelt flüchten, sowie deren Eltern. Auch wenn das Thema Medienkonsum zu regelmäßigem Streit zwischen Eltern und Kindern führt und eine objektive Sicht zu Medienregeln in der Familie fehlt, berät das Team gerne. Das Angebot wird vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen im Rahmen des Aktionsplans Sucht gefördert.

Wie Interface Extended arbeitet

Über verschiedene zielgruppennahe Wege, wie Chat, soziale Netzwerke, E-Mail oder Telefon können Jugendliche Kontakt aufnehmen, wenn sie sich beraten lassen möchten. Neben den Jugendlichen spielen die Eltern in der Beratung eine große Rolle. Meist sind sie es, die sich aus Sorge um ihr Kind melden.

Das Team aus Hamm bietet ein systemisches Beratungsangebot an. Das Problem exzessiver Mediennutzung wird nicht als etwas, das von innen heraus kommt betrachtet, sondern ist in einer Wechselbeziehung zu anderen Faktoren und Personen zu sehen. Die Flucht in die Medienwelt nimmt den Platz einer ursprünglich positiven Funktion ein.

Es werden keine klaren Lösungswege vorgegeben. Stattdessen wird prozessorientiert gearbeitet. Es werden gemeinsam Möglichkeiten erarbeitet, um Schritt für Schritt zu einem normalen Medienkonsum zurückzukommen. Durch die Beratung kann ein Perspektivwechsel stattfinden und so können Situationen anders wahrgenommen und Verhaltensmuster aufgebrochen werden.

Prävention und Multiplikator/innen

Bild: Interface Extended

Für Präventionsangebote sorgt Interface Extended mit dem sogenannten Methodenrucksack. Mit diesem finden Gesprächsangebote in Schulklassen oder Jugendgruppen statt. Auch Medienscouts werden zu Multiplikatoren ausgebildet, die ihre Mitschüler/innen beraten können.

Außerdem sensibilisiert und vernetzt Interface Extended Multiplikatoren durch Workshops, Fortbildungen und das Medienkompetenznetzwerk Hamm, bei dem sich Akteure im Bereich Medien an einen Tisch setzen und über ihre Arbeitsweisen austauschen. Dadurch erfahren die verschiedenen Projekte voneinander und können sinnvoll kooperieren. Dies soll auch an vielen weiteren Standorten ermöglicht werden.

Ein besonderes Projekt im Aufbau

Bild: Interface Extended

Das Angebot Interface Extended ist ein Projekt auf Zeit, welches von Förderungen abhängt. Im Juli 2016 hat die dreijährige Projektlaufzeit begonnen. Derzeit wird Interface Extended am Standort Hamm in der Jugend(Sucht)Beratung aufgebaut, strukturiert und inhaltlich erarbeitet. Das Thema begleitet die Jugendberatung bereits seit einigen Jahren. Was in Nordrhein-Westfalen (NRW) jedoch bisher fehlte war ein flächendeckendes Angebot von Beratungsangeboten. Häufig kamen Menschen mit weiter Anfahrt zur Beratungsstelle in Hamm, um sich unterstützen zu lassen.

Deshalb verfolgen sie neben der Beratung ein weiteres Ziel. Fünf weitere Standorte in NRW (Düsseldorf, Dülmen, Dortmund, Kamp-Lintfort und Herford) werden derzeit in mehreren Workshops unterstützt, ein Beratungsangebot für ihre jeweilige Zielgruppe aufzubauen und Netzwerke zu nutzen oder neu zu gründen. Im nächsten Jahr können sich fünf weitere Standorte bewerben. Das Projekt zeichnet sich besonders dadurch aus, dass es ein ganzheitliches Konzept und Methoden entwickelt, weitere Standorte darin fortbildet und somit ein flächendeckendes Präventions- und Beratungsangebot vorantreibt. 

WhatsOn: Der Selbsttest

Über die Web-App WhatsOn kann man sich selbst kontrollieren – Ist der Medienkonsum noch im Normalbereich oder bereits außer Kontrolle? Zunächst einmal gilt es, den eigenen Umgang mit Medien auf einer Skala von risikolos bis riskant einzuschätzen. Durch eine Reihe von Fragen mit vorgegebenen Antwortmöglichkeiten wird das eigene Medienverhalten analysiert. Dabei werden verschiedene Bereiche von Online-Kommunikation über Rollenspiele bis hin zum Umgang mit leerem Smartphone-Akku und ausfallendem WLAN abgefragt. Am Ende wird die Selbsteinschätzung mit dem Analyseergebnis abgeglichen und ein Medien-Profil zeigt an, ob die Nutzung im Normalbereich liegt oder bereits kritisch ist.