Einfach Internet – Leitfäden in einfacher Sprache

Brainstorming
Bild: PIKSL Labor

Digitale Medien und ausreichend Medienkompetenz, diese für individuelle Bedürfnisse zu nutzen, werden für gesellschaftliche Teilhabe immer wichtiger. Der Zugang zu digitalen Medien wird mit sinkenden Anschaffungskosten für immer mehr Menschen möglich – eine positive Entwicklung für die Chancengerechtigkeit in Deutschland. Dazu muss jedoch allen Menschen eine gleichberechtigte, selbstständige Nutzung ermöglicht werden. Gemeinsam mit dem PIKSL Labor hat die Bundeszentrale für politische Bildung Leitfäden in einfacher Sprache entwickelt, die Menschen mit Lernschwierigkeiten bei der selbstbestimmten Nutzung digitaler Medien unterstützen.   

Was ist einfache Sprache?

Für Texte in einfacher Sprache gibt es keine strengen Regeln – erlaubt ist, was es der Zielgruppe erleichtert, die Texte zu verstehen. Hilfreich ist einfache Sprache für viele unterschiedliche Zielgruppen, beispielsweise für Menschen mit Lese- oder Rechtschreibschwächen, ältere Menschen oder Menschen mit geringen Deutschkenntnissen.

Einfache Sprache entspricht nicht leichter Sprache. Leichte Sprache folgt einem strengen Regelwerk. Die Übersetzung bestehender Seiten erfolgt daher zumeist durch Dienstleister und ist mit hohem Kosten- und Zeitaufwand verbunden. Das Verfassen von Texten in einfacher Sprache ist deutlich weniger aufwändig.

Leitfäden in einfacher Sprache

Online finden sich bisher vier Leitfäden in einfacher Sprache. Schrittweise werden die Nutzer/innen damit auf ihrem Weg ins Internet begleitet. Bereits bei der Anschaffung und Auswahl eines Internetzugangs für Zuhause oder eines mobilen Endgeräts unterstützt der Leitfaden „einfach online“.  Ist der Grundstein gelegt, hilft „einfach Internet“ bei den ersten Schritten im World Wide Web. Erklärt wird unter anderem, wie man mit einem Browser durchs Internet navigiert oder E-Mails schreibt – von der Anmeldung bis zum Versenden eigener Nachrichten.

In der Reihe „einfach soziale Netzwerke“ sind bereits zwei Leitfäden erschienen, die sich mit den Netzwerken Facebook und YouTube beschäftigen. Erklärt werden die Grundfunktionen beider Netzwerke aber auch wie man eigene Inhalte einstellt. Leitfäden für weitere soziale Netzwerke sind geplant. Für komplexere Themen gibt es auch Erklärvideos in einfacher Sprache, die visuell durch leicht verständliche Grafiken unterstützt werden. 

Die Entstehung der Leitfäden

Arbeit am Computer
Bild: PIKSL Labor

Sowohl die Videos als auch die Leitfäden wurden von einer interdisziplinären Arbeitsgruppe im PIKSL Labor in Düsseldorf entwickelt. Beteiligt waren Pädagog/innen, Designer/innen und Texter/innen. Zudem wirkten von Anfang an Menschen mit Lernschwierigkeiten mit und brachten die Interessen der Zielgruppe ein. Gemeinsam wurde versucht, stigmatisierungsarme Texte, Grafiken, Videos und Layouts zu entwickeln. Da für einfache Sprache keine festen Regeln befolgt werden müssen, konnte die Arbeitsgruppe ohne zeitaufwändige Einarbeitung in ein Regelwerk gemeinsam loslegen.

Prinzipien der einfachen Sprache

  • Einfache Erklärungen für komplizierte Sachverhalte.
  • Jeder Mensch kann Medien in einfacher Sprache erstellen. Ziel ist nicht das Einhalten eines komplizierten Regelwerks, sondern eine möglichst große Zielgruppe mit einfachen Mitteln zu erreichen.
  • Menschen mit Leseschwierigkeiten sollen von Anfang an beteiligt sein.
  • Einfache Sprache und stigmatisierungsarme Bildsprache
  • Erstellung als digitale Medien zur Teilhabe an der Gesellschaft und als open source Medien, die ohne Kosten weiterverbreitet werden können.

Inklusive Medienbildung aktiv gestalten

Bei der Erstellung der Leitfäden und Erklär-Videos werden Menschen mit Behinderungen als kompetente Partner wahrgenommen. Sie fungieren als Experten und zeigen nichtbehinderten Beteiligten auf, wo Abbau von Komplexität notwendig ist und an welchen Stellen neue technische Lösungsmöglichkeiten gefunden werden müssen. Auf diese Weise kann der Bedarf Behinderter nicht nur vermutet, sondern konkret identifiziert und das mediale Angebot entsprechend angepasst werden. Deshalb ist die Einbindung behinderter Menschen Grundlage der Arbeit im PIKSL Labor, wo neben den vorgestellten Leitfäden viele weitere inklusive Projekte umgesetzt werden.

Darüber hinaus ist es Ziel des Projekts Werkstatt einfache Sprache Nachahmer zu finden. Andere sollen ermutigt werden, selbst visuelle Inhalte in einfacher Sprache für ihre individuellen Zielgruppen zu erstellen. Bei der Entwicklung und Überprüfung der Inhalte sollte die Zielgruppe idealerweise bereits eingebunden sein. Die inklusive Medienbildung durch passives Rezipieren entsprechender Medien kann so zur inklusiven und aktiven Medienarbeit werden, von der alle Beteiligten profitieren. Anleitungen und Informationen zu den Themen inklusive Medienarbeit und einfache Sprache finden sich online auf der Webseite des Projekts.

Weitere Informationen zum PIKSL Labor finden Sie auch in der MPA-Datenbank