„Wir machen uns die Welt“ – Kunst mit Medien neu entdecken

Kunst hat nicht immer mit Museen, Farbe und Pinsel oder komplexen Skulpturen zu tun. Kunst umgibt uns, immer und überall. Wer digitale Medien gezielt einsetzt, kann diese Kunst einfach sichtbar machen. Wie das geht zeigt das Buch „Wir machen uns die Welt“. 

„Wir machen uns die Welt“ ist eine Sammlung kreativer Ideen und Anleitungen zum Schaffen von eigener Kunst. In sechs Kapiteln werden Jugendliche, an die sich das Buch in Ansprache und Gestaltung primär richtet, an die Vielfalt der kreativen Ausdrucksmöglichkeiten herangeführt. Dabei geht es zunächst darum, mit eigenen Augen und Ohren die Umwelt neu zu entdecken. Kleine Bastelprojekte helfen dabei, die Sinne zu schärfen und das Besondere im Alltäglichen zu entdecken. Verwendet werden dazu Materialien, die man ohnehin Zuhause hat. Es folgen weitere Projektideen, durch die tolle Audio- oder Foto- Kunstwerke entstehen können. Für die 25 vorgestellten Projektideen braucht man meistens wenig Technik. Neben dem Smartphone, das sowohl als Kamera als auch als Aufnahmegerät eingesetzt wird, sind für manche Ideen eine Kamera mit Langzeitbelichtungsfunktion oder ein Computer mit (kostenlos verfügbaren) Schnittprogrammen notwendig. 

Losziehen und Kunst schaffen

Bild aus dem Buch: Lichtmonster gestalten
Lichtmonster entstehen mit einer Lichtquelle, z.B. dem Smartphone oder einer Fahrradleuchte und einer Kamera mit Langzeitbelichtung.

Das Buch „Wir machen uns die Welt“ macht Lust, direkt loszulegen.

  • Zum Beispiel mit sog. Lightpainting, dem Malen mit Licht. So kann man Lichtmonstern zeichnen, die man durch die Straßen der eigenen Stadt spuken lässt.
  • Oder mit dem Schaffen von Wasserskulpturen, die man mit eine/r Freund/in auf Fotos festhält.
  • Oder einmal genau hinzuhören, wie die eigene Stadt, der eigene Sommer, der Lieblingsplatz so klingt und eine Klangcollage zu basteln.
  • Auch Film-Projekte sind mit der Smartphonekamera einfach aufzunehmen. Mit den richtigen Apps lässt sich schnell ein spannender Stop-Motion Film basteln.

Oftmals hilft die (Smartphone-) Kamera zu erkennen, wie spannend alltägliche Orte und Gegenstände sind und wieviel Kunst in ihnen steckt. Zum Beispiel in den Schattenflecken, die die Sonne ins eigene Zimmer wirft, die man durch Time-Lapse-Aufnahmen verfolgen und beim Bilden von Mustern beobachten kann. Leser/innen wird die Angst genommen, dass etwas nicht klappen könnte und sie werden zum Ausprobieren und Entdecken angeregt. 

Medien kreativ nutzen

Das Smartphone immer mit dabei zu haben und auf vielfältige Weise zu nutzen ist für Jugendliche selbstverständlich. Mit „Wir machen uns die Welt“ kann der ständige Begleiter nochmals auf eine neue Weise entdeckt werden: Als Werkzeug um selbst Kunst zu schaffen oder sichtbar zu machen. Die vorgestellten Projekte sind für Digital Natives niederschwellig und mit fast allen Ideen kann man direkt loslegen. Dabei lernen Jugendliche nicht nur neue technische Komponenten kennen, sondern können auch ein tieferes Verständnis für alltäglich konsumierte Medienprodukte und Medienrealität entwickeln. Etwa wenn sie sich damit auseinandersetzen, wie man mit verschiedenen Gegenständen bestimmte Geräusche nachahmen kann: Für ein realistisches Meeresrauschen muss man keine lange Reise unternehmen, einen ähnlichen Klangeffekt erzielt man beim Streichen über eine Tischplatte.

Kunst und Identität

Bild aus dem Buch: Selfieperformance
Auf Fotos auch mal ungewöhnliche Gesichtsausdrücke zu zeigen ist gar nicht so einfach. Was man mit den Bildern anschließend anstellen kann, wird im Buch gezeigt.

Selfies gehören zur Jugendkultur selbstverständlich dazu. Doch Selfie ist nicht gleich Selfie. Sich selbst durch Bilder auszudrücken kann viel spannender sein, als bloß auf den Selbstauslöser zu drücken. Die Autorinnen zeigen auf, wie man durch Selbstporträts nicht nur das Aussehen, sondern auch die Identität darstellen und in Szene setzen kann. So wird das Selfie-Shooting zur Entdeckungsreise: Wer bin ich? Wie sehe ich mich? Wie möchte ich gern sein? Es gibt unzählige Fragen zum Selbst, denen man sich mithilfe einer Kamera annähern kann. Auch die künstlerische Identität gilt es zu entdecken. Die Kapitel führen langsam darauf hin, einen eigenen Stil zu finden und sich selbst individuell durch Foto-, Video- oder Audioprojekte auszudrücken. 

Hintergründe und Interviews als Mehrwert

Neben praktischen Anleitungen finden sich im Buch einige Interviews mit Künstler/innen und Hintergründe zu bestimmten Themen oder Projekten. Hier erfahren Leser/innen beispielsweise wie unterschiedliche Künstler/innen arbeiten und Inspiration finden. Wie ein Trickfilm entsteht und wie viel Arbeit hinter wenigen Sekunden Film steckt, kann hier ebenso nachgelesen werden, wie die Geschichte des Selfies.   

Das Buch eignet sich keinesfalls nur für Jugendliche, sondern auch für Pädagog/innen, die Interesse an Kunstprojekten mit Jugendlichen haben oder einfach selbst Neues ausprobieren möchten. Auch im schulischen Kontext können die Projektideen Einsatz finden und so Schüler/innen motivieren, die sich mit Smartphone und Kamera wohler fühlen als mit Pinsel und Farbe. 

Das Buch "Wir machen uns die Welt" erscheint beim Athena Verlag und wird herausgegeben von Birgit Hauska und Nina Waibel für die sk stiftung Kultur.

Das Buch hat die ISBN: 978-3-89896-651-1

Weitere Informationen zur SK Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn finden Sie auch im MPA Datenbankeintrag.