Genauso wie die Beteiligten können auch die Motive für eine Netzwerk-Mitarbeit oder gar -Initiierung sehr vielfältig sein. Sie richten sich zumeist auf die – erhofften - Potenziale des Networking.
Das beginnt beim Erfahrungs- und Informationsaustausch, der gerade für Mitarbeiter/innen aus kleineren Einrichtungen mit wenigen Beschäftigten, zeitlich befristeten Projekten oder freiberuflichen „Einzelkämpfern“ eine große Rolle spielt.
- Der Zusammenschluss von personellen, materiellen und kommunikativen Ressourcen (z. B. Räume, Technik, Finanzen, Kontakte, Kompetenzen) erweitert für die einzelnen Akteure die Handlungsspielräume und ermöglicht neue und größere gemeinsame (Netzwerk-)Angebote und Leistungen (Veranstaltungen, Publikationen, öffentliche Aktionen, Service-Leistungen), durch die auch die einzelnen Beteiligten größere Befriedigung und Anerkennung erfahren können.
- Die Erweiterung des beruflichen und persönlichen Erfahrungshorizontes kann zudem auch neue Chancen für die berufliche Weiterentwicklung mit sich bringen. Es gibt Netzwerke (wie etwa „xing“), die in erster Linie der Kontaktaufnahme für die eigene Karriereplanung dienen.
- Schließlich kann Netzwerk-Arbeit auch einfach gut tun und Spaß machen, wenn man zwanglos neue Ideen kreieren, gemeinsame Ziele verfolgen, sich in einer angenehmen Atmosphäre treffen und neue Vorstellungen und neue Leute kennen lernen kann. Dieser „Wohlfühl-Faktor“, die emotionalen Bindungen sind enorm wichtig für die Bereitschaft, sich in ein Netzwerk einzubringen und dabei zu bleiben.
Zusammengefasst müssen Netzwerke also für die Beteiligten auf fachlicher, materieller, organisatorischer, kommunikativer und/oder emotionaler Ebene spürbare Mehrwerte erbringen, wenn sie zur – vor allem anhaltenden und engagierten – Mitarbeit motiviert werden sollen.
„Die Bereitschaft, sich in Netzwerke einzubringen, wächst, wenn für die beteiligten Personen ein Mehrwert erkennbar ist, der sowohl im persönlichen als auch im institutionellen Bereich angesiedelt werden kann. Die gemeinsame Nutzung von Ressourcen (Personal, technische Ausstattung, Räume) kann einen solchen Mehrwert ebenso darstellen wie die Möglichkeit, Projekte zu realisieren, die für eine einzelne Einrichtung nicht zu bewältigen sind." (Croll / Brüggemann 2007, S. 162)
Gründe und Hintergründe
Obwohl Netzwerke bereits eine längere Tradition besitzen, ist es kein Zufall, dass sie gerade in jüngster Zeit eine solche Konjunktur haben. Gründe dafür sind:
- schwindende Akzeptanz und Bindungskraft traditioneller Organisationen (wie z.B. Berufsverbände, Kirchen, Vereine und staatliche Institutionen)
- komplexere Aufgaben und Umfeldbedingungen (nicht zuletzt im Bereich der Medienkompetenz-Vermittlung)
- zunehmende Fragilität und Pluralität von Leitbildern und Wertvorstellungen, von Normen und sozialen Systemen (im Bereich der Medienkompetenz z. B. die Schwierigkeit von Eltern, für ihre Medienerziehung ein konsistentes Leitbild zu entwickeln und auch durchzusetzen)
- labile und oftmals prekäre Beschäftigungsverhältnisse – gerade von Medienpädagogen, die häufig nur befristete Projektverträge haben oder sich als Freiberufler behaupten müssen
- neue Möglichkeiten einer vernetzten Medien-Kommunikation
- größeres Streben nach Unabhängigkeit und individueller Selbstbestimmung
Solche und weitere Faktoren führen zum gesteigerten und anhaltenden Verständigungsbedarf der gesellschaftlichen Akteure, zur Suche nach neuen Formen sozialer Kommunikation und Organisation, die einerseits sozialen und emotionalen Rückhalt ermöglichen, zum anderen die individuellen Gestaltungsräume möglichst wenig einschränken.
Das Netzwerk-Modell hat sich – sicherlich auch aufgrund seiner Interpretations- und Ausgestaltungsoffenheit – als geradezu idealtypischer Bezugspunkt (und auch Metapher) für eine Organisationsperspektive entpuppt, von der sich auch etablierte Institutionen und Unternehmen größere Beweglichkeit, Entwicklungsfähigkeit und Innovationskraft versprechen.
„Der Netzwerk-Begriff hat heute fast sämtliche Bereiche gesellschaftlicher Wirklichkeit inflationär durchdrungen. Er ist gleichsam zu einer Metapher für Wandlungsprozesse und die Suche nach neuen Organisations- und Lebensformen geworden.“ (Burmeister/Canzler 1994, S.16)




