Soll Vernetzung sich nicht der reinen Kontaktpflege dienen (wie oftmals in den „Social-Networks“ des Internet), sondern, wie zumeist im pädagogischen Bereich, bestimmte inhaltliche Ziele verfolgen, so braucht ein Netzwerk zumindest ein gemeinsames Grundinteresse.
"Akteurstheoretisch betrachtet handelt es sich bei Netzwerken um personenbezogene Beziehungsgeflechte, die ein gemeinsames Basisinteresse der beteiligten Akteure voraussetzen.“ (Aderholt 2001, S.7)
In der Regel handelt es sich dann um ein „gerichtetes Netzwerk“, dem ein bestimmtes Anliegen oder gemeinsames Ziel zugrunde liegt. Gerichtete Netzwerke spielen gerade im (medien-) pädagogischen Kontext eine zentrale Rolle, während „ungerichtete Netzwerke“ wiederum eine Basis sein können für spezielle Verabredungen oder gezielte (Sub-)Netzwerke.
Beispiel
So stellt der Bereich "Vernetzen" des BIBER-Netzes für die angemeldeten Nutzer einen offenen, vielfältig nutzbaren Kommunikationsraum dar. Die Plattform richtet sich in erster Linie an Erzieher/innen oder Einrichtungen, die im Bereich der frühkindlichen Bildung aktiv sind. Diese können sich an Foren, Sub-Netzwerken und Kommunikationsgruppen beteiligen oder auch neue initiieren.
Netzwerke sind in der Regel dauerhafter und flexibler als temporäre und für einen bestimmten Zweck geschlossene Kooperationen (die auch zwischen zwei Partnern möglich sind). Letzteren liegen zumeist fixierte Vereinbarungen für einen definierten, begrenzten Kreis von Kooperationspartnern zugrunde, während Netzwerke überwiegend offen und anschlussfähig für neue Mitglieder sind und eben oftmals auch ohne spezielle Vereinbarungen agieren. Man spricht daher auch von einer lockeren oder „losen Verkoppelung“ der Netzwerk-Akteure.
„Während in Kooperationen sehr klar unterschieden werden kann, wer dabei ist und wer nicht, ist diese Grenzziehung in Netzwerken so eindeutig nicht mehr möglich. Es besteht in der Regel keine formal zu beschließende Mitgliedschaft, sondern ein mehr oder weniger starkes Eingebundensein." (Bauer-Wolf / Payer, Scheer 2008, S. 11)
Kooperationen bieten zwar den Vorteil einer hohen Verbindlichkeit zwischen den Partnern, der hohe Institutionalisierungsgrad kann die Arbeit jedoch auch behindern.
Netzwerke bilden somit Beziehungsgefüge, die aufgrund der unterschiedlich eingebrachten Perspektiven, Kompetenzen und Ressourcen auch unterschiedliche und variable Aktionsformen hervorbringen können. Dieses kann, wie gerade bei großen, komplexen und von außen initiierten Netzwerken in einem strukturierten und eher institutionalisierten Rahmen geschehen oder auch im Stil mündlicher Übereinkünfte, wie sie häufig für kleinere Netzwerke typisch sind.
Dabei spielt in allen Netzwerk-Typen die informelle Kommunikation zwischen den Akteuren eine wichtige Rolle, bedarf aber eben gerade bei gerichteten Netzwerken der Erweiterung durch formelle Übereinkünfte und Zielsetzungen. So macht es etwa einen gravierenden Unterschied, ob sich Eltern bei einem Elternstammtisch gelegentlich über die Mediennutzung ihrer Kinder und deren Thematisierung in der Schule sprechen oder ob sie eine Elterninitiative gründen mit dem Ziel, zusammen mit anderen Akteuren in der Kommune die schulische Medienkompetenzvermittlung voranzutreiben.





