Grundlagen der Projekt-Finanzierung

Medienkompetenz – ein sperriger Begriff

Die Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten für ein Projekt zur Förderung von Medienkompetenz beginnt bei der Klärung von Begriffen. Was versteht man selbst unter einem Medienkompetenzprojekt? Und was meint ein möglicher Geldgeber mit diesem Begriff?

Hierbei ist vor allem zu berücksichtigen, dass

  • Medienkompetenz häufig nicht erstes Förderziel der Geldgeber/innen ist,
  • die Förderung von Medienkompetenz nur selten als solche finanziert wird,
  • der Umgang mit Medien aus Sicht der Geldgeber/innen oft „nur“ Mittel zum Zweck ist, um inhaltliche Projektziele zu erreichen und
  • der Begriff „Medienkompetenz“ selbst auf Ablehnung und außerhalb der Medienbildung auch auf Unverständnis stoßen kann.

Alles eine Frage der Definition

Beispielsweise nennt eine Stiftung in ihrer Negativliste von Förderkriterien und Beispielen als Ausschluss­kriterium Projekte, die keinen expliziten Bezug zu ästhetischer Bildung haben und führt als Beispiel „Medienkompetenz“ an.

Wer sich jetzt entmutigen lässt, vergibt möglicherweise eine Chance auf Förderung. Denn die Stiftung fördert im Rahmen ihrer Fördergrundsätze durchaus auch Medienkompetenzprojekte. Diese sind jedoch nicht explizit als solche ausgewiesen, da das übergeordnete Stiftungsziel eben in der Förderung der ästhetischen Bildung von Kindern und Jugendlichen liegt.

Gefördert werden Projekte aus allen Bereichen der ästhetischen Bildung, die geeignet sind Kinder und Jugendliche an Kunst und Kultur heranzuführen, insbesondere auch Projekte und Vermittlungsformen, die den Einsatz neuer Medien einbeziehen. Wenn man einen Blick auf die Liste der von der Stiftung geförderten Projekte wirft, wird man dort unter der Rubrik „Projekte Film und Neue Medien“ zahlreiche Medienkompetenzprojekte finden. Aber auch in den Rubriken „Musikprojekte“ und „Museumsprojekte“ sind viele Projekte zu finden, die ausdrücklich auch den kompetenten Umgang mit Neuen Medien zum Inhalt haben.

Immer dicht an den Fördergrundsätzen

Wie dieses Beispiel oben zeigt, finanzieren öffentliche und private Geldgeber sehr wohl Projekte zur Förderung von Medienkompetenz. Sie tun dies aber im Rahmen ihrer Fördergrundsätze und inhaltlichen Schwerpunktsetzungen. Dabei kann die Förderung von Medienkompetenz ein Ziel unter vielen sein. Deshalb empfiehlt es sich, mit dem Begriff „Medienkompetenz“ im Vorfeld der Antragstellung zurückhaltend umzugehen, weil Medienkompetenz in den allermeisten Fällen kein explizites Förderziel ist.

Medienkompetenzprojekte können aber zur Verwirklichung eines Förderziels einen innovativen und ungewöhnlichen Beitrag liefern. Medienkompetenz ist nicht Selbstzweck, sondern eine Querschnittskompetenz und eine handlungsorientierte Schlüsselqualifikation, die in Projektkontexten vielseitig gefördert werden kann und einen zusätzlichen Bildungseffekt erzielt. Dieser Mehrwert sollte den potenziellen Geldgeber/innen unbedingt vermittelt werden.

Ein wenig Fantasie und Flexibilität

Diese Umstände machen die Suche nach geeigneten Fördertöpfen nicht eben einfach. Deshalb gilt für die Suche nach potenziellen Geldgebern, dass die Fördergrundsätze und Förderschwerpunkte sehr genau gelesen werden müssen.

Der Erfolg eines Projektantrages hängt auch davon ab, inwieweit man die Zielsetzungen der Geldgeber teilt und sie davon überzeugen kann, dass die vorgegebenen inhaltlichen Schwerpunkte am besten durch ein Medienkompetenzprojekt ausgefüllt werden können.

Das kann auch bedeuten, dass eigene inhaltliche Vorstellungen mit Fantasie und Flexibilität an die der Geldgeber angepasst werden. Denn beispielsweise zählen Sprach- und Leseprojekte für zugewanderte Kinder am PC, die Aufnahme und filmische Darstellung eines HipHop Songs, multimediale Zeitzeugenprojekte oder der Einsatz Neuer Medien in Projekten zum Übergang von Schule und Beruf durchaus zu den hier relevanten Medienkompetenzprojekten.

Was fällt unter „Medienkompetenz“?

Zusammengefasst fallen in den Bereich der Medienkompetenzförderung Projekte,

  • die Informationen über Medien, ihre Funktionsweisen und ihren Einsatz in der Praxis zur Verfügung stellen,
  • die eine sinnvolle Anleitung zur selbstbestimmten und verantwortungsvollen Nutzung von Medien geben,
  • welche die eigene Mediennutzung oder auch Medienerziehung reflektieren,
  • welche die Teilnehmenden in die Lage versetzen, mit Medientechniken umzugehen, eigene Medienprodukte zu entwickeln und dazu befähigen, in den Medien selbst aktiv zu werden,
  • die als Arbeitsergebnis den kompetenten Umgang mit (Neuen) Medien vorweisen, also etwa die Erstellung eines Digitalfilms, einer Website, eines Podcasts, eines Videocasts, eines Audioguides etc.,
  • die aktuelle Herausforderungen, Konfliktlinien und Probleme der digitalen Gesellschaft thematisieren.