Extremismus in sozialen Medien

Wer über Hate Speech redet, sollte auch über Extremismus reden. Denn Hassbotschaften können auch auf extremistisch eingestellte Urheber zurückgehen oder spielen diesen in die Hände. So versuchen auch extremistische Gruppierungen – ob Islamisten, Rechts- oder Linksextreme – zunehmend, Jugendliche über Soziale Netzwerke zu rekrutieren. Hasskommentare auf Facebook oder Propagandavideos auf YouTube sind nur die eher gut erkennbaren Phänomene. Oft jedoch werden extremistische Inhalte in sozialen Netzwerken sehr subtil vermittelt und sind nicht sofort als solche zu erkennen.

Hier setzt eine neue Studie an, die von Prof. Carsten Reinemann vom Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der LMU München im Auftrag der LfM durchgeführt wird. Die Ergebnisse werden im Herbst 2017 vorliegen.  

Im Interview: Prof. Carsten Reinemann zur Studie „Extremismus in sozialen Medien“

Prof. Carsten Reinemann

In welchem Zusammenhang stehen Hate Speech und Extremismus im Netz aus Ihrer Sicht?
Hate Speech kann Ausdruck extremistischer Einstellungen von Bürgern oder ein Teil der Strategien extremistischer Organisationen sein. So werden extremistische Botschaften über Hate Speech im Netz in die Öffentlichkeit getragen. Allein dadurch können sie eine gewisse Legitimität erlangen und den Charakter von Diskursen sowie andere Bürger beeinflussen.

Steht hinter jeder Hassbotschaft ein extremistischer Akteur?
Nein, vermutlich nicht, wenn damit organisierte Akteure gemeint sind. Allerdings ist es schwer, genau abzuschätzen, wie viele der Autoren von Hassbotschaften in irgendeiner Weise als Mitglieder oder Sympathisanten an extremistische Organisationen gebunden sind. Allerdings sollte man sich nicht täuschen: Das Netz ist ein idealer Ort, um auch verdeckt zu agitieren.

Welche Aspekte untersuchen Sie mit Ihrem Team in der aktuellen Studie?
Wir untersuchen, inwieweit Jugendliche in der Lage sind, extremistische Positionen zu erkennen, wo sie mit diesen in Kontakt kommen und von welchen individuellen Merkmalen dies abhängt. In Frage kommen dabei Aspekte wie politisches Interesse, Medienkompetenz, aber natürlich auch die eigenen Einstellungen. Zudem interessieren wir uns dafür, inwiefern Extremismus und seine Strategien Thema in Schulen, Familien, im Freundeskreis oder Elternhaus sind.

Was ist das Ziel Ihrer Forschung?
Letztlich wollen wir einen Beitrag zu einer zielgerichteten Extremismus-Prävention und einer Stärkung der Ideen unserer freiheitlichen Demokratie leisten. Dafür ist es wichtig herauszufinden, wo Jugendliche mit Extremismus in Kontakt kommen, wie gut sie ihn erkennen und wie sich die Jugendlichen darin unterscheiden.