Fairer Umgang im Netz

Das Internet bietet fast grenzenlose Möglichkeiten sich selbst darzustellen, miteinander zu kommunizieren und sich gegenseitig Feedback zu geben. Um Beleidigungen, Hate Speech, Cybermobbing oder andere negative Konsequenzen vorzubeugen, gilt es, Kinder und Jugendlich schon früh zu kompetenten, fairen Nutzerinnen und Nutzern zu machen. Die Auseinandersetzung mit Gefahren und Problemen, die durch und mit dem Internet und sozialen Medien entstehen, ist daher auch Bestandteil der Ausbildungen in der Fachrichtung Sozialpädagogik in Fachschulen des Sozialwesens.

Bezüge aus den Bildungsgrundsätzen für Kinder von 0 bis 10 Jahren

Mädchen vor dem Bildschirm

Kinder nutzen das kommunikative Angebot der Medien, um Sichtweisen und Orientierungen zu vermitteln, mit anderen in Beziehung zu treten sowie individuelles und kollektives Handeln zu konstituieren. Hierbei gehen sie vielfältigen Bedürfnissen und Motivationslagen nach. Die Mediennutzung umfasst dabei wesentlich mehr als die Zuwendung zu Massenmedien wie Fernsehen, Musik oder Printmedien. Mit der Kommunikation, dem Spielen und Produzieren sowie der Veröffentlichung eigener Werke geht das Medienangebot als wichtiger Bestandteil in die Alltagskommunikation mit ein. Diese ermöglicht dem Kind, sich selbstbestimmte Freiräume zu suchen, sich als kompetent zu erleben und anderen mitzuteilen. Medienpädagogische Angebote haben dabei nicht „die Medien“ zum Gegenstandsbereich, sondern die Kinder, die in lernender, sozialer oder gestaltender Beziehung zu den Medien stehen. Diese Mensch-Medien-Interaktion verantwortungsvoll einzuschätzen und entwicklungsfördernd einzusetzen ist das Ziel früher Medienbildung. Das Kind soll die Gelegenheit erhalten, sich zu einer medienkompetenten Persönlichkeit zu entwickeln. Dies gelingt, wenn Fragen und Angebote zur Medienbildung kontinuierlich in den kindlichen und pädagogischen Alltag einbezogen werden.

Bezüge im Lehrplan der Fachschulen des Sozialwesens (Ausschnitt):

Die Studierenden...

  • bewerten Medien kritisch und aus ethischer Perspektive
  • verfügen über Fertigkeiten, Medien zur Anregung von Selbstbildungsprozessen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu nutzen.
  • nehmen das Mediennutzungsverhalten der Zielgruppe ernst und knüpfen in ihrem medienpädagogischen Handeln daran an.

Beispiel: Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe

Bei dem Kinder- und Jugendhaus XY handelt es sich um eine mehrgruppige Einrichtung der stationären Jugendhilfe. Noah (13 Jahre) ist gerade aus dem WhatsApp-Klassenchat ausgetreten. Mehrmals haben sich die anderen Schülerinnen und Schüler über ihn lustig gemacht. Auch in der Wohngruppe werden Streitigkeiten nicht selten bis in die Nacht über die Messenger ausgetragen. Ein Foto von Liam (14 Jahre) im Waschraum wurde bearbeitet, mit Kommentaren versehen und ohne seine Zustimmung verbreitet. Samira und Lea (beide 12 Jahre) machen in ihrer Freizeit gerne Musical.lys, drehen eigene Musikclips und laden sie auf YouTube hoch. Sie wollen einmal berühmt werden. Sie bekommen viel Zuspruch, aber immer wieder stoßen sie auch auf beleidigende und anzügliche Kommentare.

Anregungen für die Thematisierung im Unterricht

Um fairen Umgang im Netz zu fördern und Gefahren für Kindern und Jugendlichen einzuschränken, die beispielsweise bei Cybermobbing auch durch andere Kinder und Jugendliche entstehen können, gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Zunächst ist es lohnenswert für Studierende, sich mit von Kindern und Jugendlichen selbst wahrgenommenen Gefahren bei der Internetnutzung auseinanderzusetzen, diese zu hinterfragen und verstehen zu lernen.

Im Anschluss können sich Studierende mit Angeboten auseinandersetzen, die faires Verhalten fördern oder die eigene Mediennutzung sinnvoll beschränken können. In Gruppenarbeit können Studierende verschiedene Online-Angebote kennenlernen und sich mit Informationen zu unterschiedlichen Themen auseinandersetzen. 

Neu erarbeitete Themengebiete, wie z. B. Cybermobbing oder Verhaltensregeln im Netz können von Studierenden im Anschluss kreativ umgesetzt werden. 

Erlebte Risiken der Kinder und Jugendlichen

Übertragung des Mediennutzungsvertrags auf die Situation der Wohngruppe

Auseinandersetzung mit Materialien und Unterstützungsmöglichkeiten

Kreative Aufgabe: Verhaltenskodex Social Media

Anregungen für die Umsetzung in der Praxis

Nachdem sich die Studierenden mit bestehenden Angeboten und entsprechenden Einsatzmöglichkeiten auseinandergesetzt haben, können Sie diese auf unterschiedliche Weise in der praktischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen einsetzen. Hierbei gilt es, themengebundene Besonderheiten zu beachten. Bei Gesprächen oder Fragen über Cybermobbing, sollte beispielsweise über mögliche Anonymität nachgedacht werden. Um Nutzungsregeln oder das Erstellen eines Mediennutzungsvertrags ansprechender zu gestalten, sollten kreative Möglichkeiten mitgedacht werden. 

Ideen zur praktischen Umsetzung