Audio-Projekte

Zum medienpädagogischen Lernen eignen sich Audio-Projekte hervorragend, denn das Medium Radio erfreut sich bei Jugendlichen großer Beliebtheit. 77% der 14- bis 19-Jährigen hören laut JIM-Studie 2016 mehrmals in der Woche Radio. Neben dem Medium Radio kann auch das Erstellen von Podcasts spannend sein. Audio-Projekte sind leicht umsetzbar, da wenig Vorwissen und technische Geräte notwendig sind. 

Audio-Projekte an der Schule

Kinder bei Radioworkshop mit Mikrofon
© LfM

Es gibt unterschiedliche Gründe, warum der Einsatz von Audio-Projekten an Schulen besonders gewinnbringen sein kann – ob im Unterricht oder im Rahmen von AGs oder Projekttagen. Gegenüber vielen medialen Ausdrucksformen herrschen an Schulen diverse Vorurteile und vor allem die Sorge, dass die Anschaffungskosten für die nötige Technik sehr hoch und das Einarbeiten in dieselbe sehr zeitaufwändig sein könnten.

Für Audio-Projekte sind die technischen Voraussetzungen an den meisten Schulen jedoch schon vorhanden oder die nötigen Anschaffungen sind nicht sehr umfangreich. Es sind keine Aufnahmegeräte an der Schule verfügbar? Kein Problem, die nötige Technik haben die meisten Schüler/innen bereits in ihrer Tasche: Das Smartphone kann zum Aufzeichnen von Interviews oder Tönen problemlos genutzt werden.

Die Einarbeitung in Audioeditoren ist zudem deutlich einfacher als beispielsweise in Videoschnittprogramme. Viele Schüler/innen kennen sich mit Audioaufnahmen mit dem eigenen Smartphone schon gut aus und finden sich schnell in Tonstudio-Programmen zurecht. Diese gibt es mittlerweile sowohl für den Computer als auch als Apps für das Smartphone. Zudem finden sich für die geläufigsten Programme viele leicht verständliche Anleitungen. Die junge Zielgruppe findet sich mit Hilfe der unzähligen YouTube-Tutorials sicherlich schnell mit gängigen Programmen wie Audacity zurecht. 

Je nachdem, welches Thema man im Audio-Projekt umsetzen möchte oder welches Ziel man verfolgt, eignen sich unterschiedliche Formate. 

Radio Projekte

Podcasts

Im Unterricht

Radio Mischpult

Audio-Projekte können in unterschiedlichen Fächern eingesetzt werden. Im Vordergrund stehen dabei die im jeweiligen Fach ohnehin behandelten Themen, die durch den Medieneinsatz auf eine besondere Art erarbeitet und umgesetzt werden. Die mediale Umsetzung kann die Motivation stärken, sich mit dem gewählten Thema intensiv auseinanderzusetzen.

Zusätzlich wird die Medienkompetenz der Schüler/innen aktiv gefördert. Sie lernen nicht nur den kompetenten Umgang mit neuen Programmen und der verwendeten Technik, sondern auch für das jeweilige Medium typische Fachbegriffe und Regeln kennen. Neben der Mediensachkompetenz wird aber auch die Medienkritikfähigkeit geschult. Schüler/innen lernen durch die direkte Auseinandersetzung mit medialen Darstellungsformen auch, diese kritisch reflexiv zu betrachten und zu hinterfragen. Dies geschieht selbständig beispielsweise bei der Auswahl von Inhalten, kann aber auch durch die Lehrkraft unterstützt und angeleitet werden. 

Bei der Arbeit an einem Podcast oder einer Radiosendung eignen sich die Schüler/innen auch Kompetenzen an, die fächerübergreifend von Bedeutung sein können. Sie setzen sich beispielsweise mit Projektplanung und sinnvoller Arbeitsaufteilung auseinander, lernen Recherchemethoden kennen und beschäftigen sich intensiv mit Sprache und den Unterschiedenen zwischen gesprochenem und geschriebenem Wort. 

In der Schule

Auch außerhalb des Unterrichts können Audio-Projekte an einer Schule sehr gut funktionieren. In AGs können beispielsweise regelmäßig Podcasts von Schüler/innen für Schüler/innen und den zielgruppenspezifischen Themen erarbeitet werden. Die Podcasts können auf einer AG-eigenen Homepage oder der Schulhomepage veröffentlicht werden. 

Besonders spannend ist für viele Schüler/innen die Idee eines eigenen Schulradios. Was zunächst nach einem sehr aufwändigen Vorhaben klingt, lässt sich oftmals leichter umsetzen als erwartet. SVtipps.de bietet hilfreiche Praxis-Tipps zu einem Schulradio-Projekt. Im Idealfall ist an der Schule bereits etwas Technik vorhanden und es gibt einen Raum, den das Schulradio besetzen darf. Finden sich dann noch motivierte Schüler/innen und zumindest eine Betreuungsperson, kann es schon fast losgehen. 

Welche Inhalte sollen wann und wie regelmäßig gesendet werden? Gibt es vielleicht einen lokalen Radiosender mit dem man kooperieren oder sich Unterstützung holen könnte? Vor der ersten Sendung müssen einige Fragen geklärt und ein Sendekonzept aufgestellt werden. Es lohnt dabei auch, sich an Experten zu wenden. In Nordrhein-Westfalen sind die Servicestellen Bürgerfunk eine gute Anlaufstelle, die Beratung und Schulungen. Die Vorteile eines Schulradios sind vor allem für junge Radiomacher/innen sehr vielseitig, denn wer sich für einen Beruf in der Medienbranche oder im Bereich Journalismus interessiert, kann hier schon wertvolle Erfahrungen sammeln.

Themen und Einsatzmöglichkeiten

Da bei Audio-Projekten im Unterricht das jeweilige Fachthema im Vordergrund steht, können sie prinzipiell in jedem Fach Anwendung finden. Wichtig erscheint daher eher die gewählte Form, in der das Thema bearbeitet werden soll.

Selbstverständlich erscheinen Audio-Projekte im Deutsch- oder Fremdsprachenunterricht besonders sinnvoll, denn es wird das Sprechen und Hörverstehen intensiv geschult. Über ein Schuljahr hinweg kann beispielsweise eine ganze Radiosendung entstehen, die verschiedene Formate wie gebaute Beiträge, Interviews oder Radiofeatures enthält. In der Klasse können zu jedem behandelten Themengebiet Arbeitsgruppen gebildet werden, die ihr jeweiliges Thema audiotechnisch umsetzen. Die so entstehende Sendung greift dann alle wichtigen Themen des Schuljahres nochmals auf und dient auch zur Wiederholung des behandelten Stoffes.

In gesellschaftswissenschaftlichen Fächern wie beispielsweise Geschichte eignen sich Formen wie Zeitzeugeninterviews oder Experteninterviews hervorragend und tragen dazu bei, Themen für Schüler greifbarer und verständlicher zu machen. Erscheint das Treffen externen Experten zu zeitaufwändig, können auch klassenintern Experten gebildet werden. Schüler/innen setzen sich dann selbständig oder in Gruppen mit einer bestimmten Thematik oder interessanten Persönlichkeit auseinander und interviewen sich dann gegenseitig.

Ein solches Vorgehen eignet sich in allen Fächern, denn Schüler/innen können einander komplexe Themen oft ansprechender und einfacher erklären, als Lehrende. Die Interviews können dann zu einem Podcast zusammengeschnitten werden, der allen Schüler/innen zur Verfügung gestellt wird. Es kann so auch eine ganze Podcast-Bibliothek entstehen, die auch einen Mehrwert für nachfolgende Klassen bietet. 

Unterstützung bei der Umsetzung

Mischpult

Es gibt verschiedene Möglichkeiten um bei der Umsetzung von Audio-Projekten mit externen, professionellen Partnern zusammenzuarbeiten. Der WDR bietet mit Kiraka ein Angebot für jüngere Kinder an, die Medienwerkstatt im Studio Zwei richtet sich eher an ältere Schüler/innen. Weitere hilfreiche Informationen gibt es in den untenstehenden Links.