Erklärvideos im schulischen Kontext

Bewegbild kommt an: 70 % aller jungen Menschen im Alter von 14 - 29 sehen sich mindestens einmal pro Woche Videos auf Youtube und anderen Online-Videoportalen an. Doch Videos sind nicht nur in der Freizeit beliebt: Auch im schulischen Kontext lassen sie sich sinnvoll in Form von Erklärvideos einbinden. Erklärvideos helfen Schülerinnen und Schülern unter anderem dabei, komplexe Informationen schneller zu erfassen und diese im Gedächtnis zu verankern.

Informationen auf mehreren Kanälen

Erklärvideos vermitteln komplexe Themen anschaulich und machen das Wissen für Schüler/innen leichter zugänglich. Während beim Lesen von Texten nur ca. 10 % der Informationen gespeichert werden, bleiben bei Videos ca. 50 % der Informationen im Kopf. Dafür ist die audiovisuelle Veranlagung des Menschen verantwortlich: Lernende können Informationen besser aufnehmen, wenn die Inhalte gesehen und gehört werden. Durch den Einbezug der beiden Lernkanäle wird die Wahrscheinlichkeit des Lernerfolgs der Lernenden stark erhöht. Erklärvideos profitieren zudem, anders als Frontalunterricht, von der Unabhängigkeit von Ort und Zeit: Werden sie online bereitgestellt, können die Videos sowohl während des Unterrichts als auch zu Hause beliebig oft angesehen werden – ein Vorteil, der vor allem schwächere Schüler/innen dabei unterstützt, die komplexen Lerninhalte zu erfassen.

Vielseitiger Einsatz von Erklärvideos

Erklärvideos lassen sich auf vielseitige Weise ins schulische Umfeld integrieren.

Von Lehrkräften – für Lernende

Von Lernenden – für Lernende

Die Realisierung von eigenen Erklärvideos

Zu Beginn eines jeden Erklärvideos steht die Planung. Zunächst muss das Thema des Videos sinnvoll gegliedert und ein Treatment erstellt werden. Im Treatment wird die Bildreihenfolge mit allen wichtigen Informationen wie z. B. Bewegung, Bildinhalt, Sprechertext oder Geräusche festgehalten. Insbesondere wenn Schüler/innen das Video umsetzen, ist es wichtig, dass der Sprechertext vollständig ausformuliert wird und vorher von der Lehrkraft geprüft wird – so wird gesichert, dass ein fachlich korrektes Video entsteht. Auch wenn Erklärvideos sich auf Lerninhalte fokussieren, dürfen sie den Zuschauer mit kreativen Gestaltungsformen überraschen. Dennoch sollten rein unterhaltsame Elemente nur konzentriert eingesetzt werden.

Bei der Umsetzung von Erklärvideos bieten sich drei verschiedene Methoden an, die einfach zu erlernen und durchzuführen sind:

Bei Erklärvideos, die mit der Legetrick-Technik realisiert werden, ist etwas Vorarbeit nötig: Zunächst müssen die Zeichnungen, Gegenstände oder Bilder gesammelt werden, welche die visuelle Ebene des Themas unterstützen. Falls einzelne Wörter oder Sätze gezeigt werden, muss unbedingt auf eine ausreichend große Schriftgröße geachtet werden, damit diese später im Video gut lesbar sind.

Anschließend werden die Materialen auf eine Tischfläche gelegt und entsprechend des Treatments in den Kamerabereich gelegt, verschoben und wieder entfernt. Damit alles reibungsfrei funktioniert, sind idealerweise drei Personen involviert: Sprecher/in, Materialbeweger/in und Kamerafrau/mann. Wahlweise kann der Sprechertext auch separat aufgenommen und später beim Schneiden des Videos hinzugefügt werden.

Damit das Video gelingt, sollte der Tisch am besten mit einem Stativ von oben gefilmt werden und sehr hell ausgeleuchtet sein.

Beispielvideo:

Beim Klassischen Video wird eine Kamera und ein ruhiger Drehort benötigt. Damit die Qualität stimmt, muss unbedingt auf eine gute Beleuchtung und ruhige Kameraführung geachtet werden. Auch der Drehort selbst ist wichtig: Am besten wird ein ruhiger Hintergrund gewählt ohne Gegenstände, die ablenken können.

Richtig interessant wird ein Erklärvideo erst dann, wenn der Sprecher nicht nur erklärt, sondern etwas passiert. So wird ein Video spannend, wenn z. B. die Dur- und Moll-Tonleitern nicht nur erklärt, sondern auch mit einem Instrument gespielt werden.

Anschließend müssen die einzelnen Filmsequenzen mithilfe eines Filmschneideprogramms geschnitten und aneinandergereiht werden.

Beispielvideo:

Auch mit Apps wie Explain Everything, PowToon oder Doodlecast lassen sich Erklärvideos kreativ umsetzen. Mit dem Smartphone oder Tablet können Video, Ton und Fotos aufgenommen und direkt in der App verwendet werden. Zusätzlich können die Videos und Fotos mit Text, Zeichnungen oder Symbolen ergänzt werden. Die Apps eignen sich nicht nur für Erklärvideos sondern auch für die Gestaltung von Präsentationen. Für die Nutzung solcher Apps können jedoch Kosten anfallen. Werden die Erklärvideos von Schüler/innen realisiert, ist ein Klassensatz an Tablets fast unverzichtbar.

Beispielvideo: