Dossier TV-Formate

Castingshows, Scripted Reality und Co

Die Macht von bewegten Bildern ist groß. Sie erschaffen Emotionen, bewegen Gedanken und lösen Erinnerungen aus. Sie vermitteln Informationen schneller als jeder Text es kann. Sie erzeugen Bindungen und ermöglichen die Identifikation mit Ereignissen, Situationen, Orten oder Gegenständen.

Das wichtigste Medium des bewegten Bildes ist das Fernsehen. Zahlreiche Sender mit unterschiedlichster Programmgestaltung treffen hier aufeinander. Während früher Spielfilme oder Serien eine große Rolle spielten, sind es heute Unterhaltungssendungen wie Castingshows oder Scripted-Reality-Formate, die das Programm – ob linear oder per Online-Videoabruf – insbesondere bei Privatsendern bestimmen.

Ganz gleich, um welches TV-Format es sich handelt: Ein kritischer Umgang ist unumgänglich. Fernsehen ist viel mehr als reines Zuschauen, es beschäftigt das Unterbewusstsein und lässt Meinungsbilder entstehen. Es ist deshalb wichtig, besonders Kinder und Jugendliche für die gesehenen Inhalte und Problematiken dieser TV-Formate zu sensibilisieren.

Fernsehen verunsichert

Klassische Spielfilme haben nicht die Absicht, Realität zu zeigen, sondern erzählen offensichtlich fiktive Geschichten. Abhängig vom Genre lösen sie unterschiedliche Emotionen aus: Während Komödien für eine heitere Stimmung sorgen, werden auch negative Gefühle wie Angst, Panik und Unsicherheit z. B. durch Horrorfilme, Psychothriller oder Krimis vermittelt. Filmsequenzen mit schweren Verletzungen oder schlimmen Ereignissen sind Angstauslöser. Ein Großteil aller Kinder und Jugendlichen hat beim Fernsehen bereits solche Angstzustände erlebt, da sie mit Filmmaterial konfrontiert wurden, das nicht für deren Altersstufe und den Entwicklungsstand geeignet war.

Jedoch reichen auch ungewohnte Situationen, die nicht eingeordnet werden können, aus, um Kinder und Jugendliche zu verunsichern. Szenen wie diese sind jedoch nicht nur in Spielfilmen zu finden. Auch in Unterhaltungssendungen wie Castingshows und Scripted Reality-Formaten werden Situationen künstlich herausgearbeitet – mit dem Unterschied, dass sie besonders realistisch und authentisch auf Zuschauerinnen und Zuschauer wirken.

Castingsshows und Scripted Reality – gespielte Realität

TV-Konzepte wie diese haben das Ziel, ihre Zuschauer/innen emotional zu erreichen, indem sie Realität und Medienrealität verschwimmen lassen. Dabei wird eine Inszenierung erreicht, die vermeintlich spannender als das echte Leben ist und dadurch besonders eindrucksvoll wirkt. Die Inhalte der Sendungen sind so konzipiert, dass sie sich möglichst nah am Leben der Zielgruppe bewegen. Sie bedienen sich an weitverbreiteten Klischees, Vorurteilen und gängigen Denkweisen. Das vereinfacht es insbesondere jüngeren Zuschauer/innen, sich mit dem Gesehenen zu identifizieren.

Heranwachsende können unbewusst diese Denkweisen, idealisierten Vorstellungen und Meinungsbilder aus der künstlichen Bilderwelt übernehmen, welche im realen Leben Unsicherheit, Selbstzweifel oder eine falsche Selbsterwartung zufolge haben können. Die medienpädagogische Aufgabe liegt darin, Kinder und Jugendliche aufmerksam zu machen, sie aufzuklären und dazu anzuregen, das Gesehene kritisch zu betrachten: Denn das Lernen beim Fernsehen findet nicht bewusst und gezielt statt.