Scripted Reality

TV-Konzepte, die auf Scripted Reality basieren, sind nicht neu, haben sich aber in den vergangenen Jahren stark verändert. Eine der ersten Sendungen dieses Formats war „Richterin Barbara Salesch“, welche nach einer Umstellung von realen auf fiktive Fälle ihren Marktanteil mehr als verdreifachen konnte.

Das Grundprinzip von Scripted Reality wurde in zahlreichen Folgesendungen aufgegriffen und durch eine dokumentarische Perspektive verstärkt. Bekannte Sendungen wie z. B. „Berlin – Tag & Nacht“ oder „Die Schulermittler“ verfügen alle über ein wesentliches Kennzeichen: Mit dem gezielten Einsatz von Stilmitteln wird dem Zuschauer oder der Zuschauerin vermittelt, dass er reale Vorgänge im Fernsehen sieht. Jedoch handelt sich bei allen Sendungen um Geschichten nach Drehbuch, die von (Laien-)Schauspieler/innen möglichst authentisch dargestellt werden.

Fokus auf Authentizität

Sendungen, die auf Scripted Reality basieren, behandeln Themen wie Betrug, Geldsorgen, Diebstahl, Streit oder Vertrauensbruch, die jedem bekannt und auch im wahren Leben präsent sind. Die einzelnen konfliktreichen Handlungsstränge verfügen meist über typische Klischees und sind dramatisch verdichtet. Dennoch wird am Ende jeder Folge die vorhandene Problematik gelöst.

Ein Drehbuch zur Handlung liegt vor und wird möglichst voyeuristisch inszeniert. So werden beispielsweise die Tagesabläufe oder der Arbeitsalltag der Protagonisten dokumentiert.

Drehorte wie Privat-Wohnungen, echte Klassenzimmer oder öffentliche Plätze ermöglichen zusätzlich eine hohe Authentizität – ebenso wie eine verwackelte und scheinbar laienhafte Kameraführung. Die entstehenden Bilder sollen wie aus einer echten Dokumentation wirken und heben sich dadurch deutlich von hochwertig produzierten Spielfilmen oder Serien ab. Die Kamera ist während der Handlung überall dort, wo Spannung ist. Um die gespielte Realität aufrecht zu erhalten, wird die Kamera manchmal Teil der Handlung, indem die Darsteller/innen beispielsweise scheinbar genervt auf das Filmen reagieren.

Unterhaltung durch das „wahre“ Leben

Neben den Interaktionen zwischen den Protagonisten agieren die Darsteller/innen auch allein vor der Kamera, um die aktuellen Geschehnisse zu kommentieren. So wird dem Zuschauer Nähe und Vertrautheit vermittelt. Die (Laien-)Schauspieler/innen werden so gecastet, dass sie exakt auf ihre Drehbuch-Rolle passen und sich selbst in stark inszenierter Weise spielen. So würde beispielsweise für die Rolle einer Barkeeperin eine Darstellerin gewählt werden, die in ihrem echten Leben demselben Beruf nachgeht. Das sorgt für zusätzlich hohe Glaubwürdigkeit. Weitere Regieanweisungen wie Streit auf Kommando oder überspitze Reaktionen verstärken den Unterhaltungswert.

Was Kinder und Jugendliche an Scripted Reality fasziniert, ist die scheinbare Realität. Durch das Sendeformat haben sie das Gefühl, tiefe Einblicke in das Leben und in die Probleme anderer, scheinbar ganz normaler Menschen zu bekommen. Schrille und schräge Handlungen kommen bei der jungen Generation besonders gut an. Die Heranwachsenden vergleichen sich mit den Protagonisten und sind erleichtert über ihre eigene, weniger dramatische Situation und entwickeln ein Gefühl der Überlegenheit sowie eine unrealistische Sichtweise auf die Welt.