04.12.2019

Trendreport: Sharenting – Das eigene Kind im Netz zeigen

Sollten Eltern Fotos ihrer Kinder ins Internet stellen? Die Debatte um Kinderbilder im Netz ist sehr aufgeregt. Eltern sind stolz auf ihren Nachwuchs und wollen ihn Freund/innen und Verwandten auf dem schnellen Weg im Netz zeigen. Dafür werden Eltern derzeit stark kritisiert. Die berechtigte Kritik steht allerdings keinem Verhältnis zu all den anderen Entscheidungen, die diese täglich für ihr Kind treffen. Die Entscheidung wie das Kind in der Öffentlichkeit gezeigt wird, kann und soll Eltern nicht abgenommen werden. Was können Eltern beachten und wie können Pädagog/innen zum Thema beraten?

Das Wichtigste in Kürze:

  • Laut Urheberrecht gilt für alle das Recht am eigenen Bild. Abgebildete Personen müssen vor einer Veröffentlichung um Erlaubnis gebeten werden. Bis zum Alter von sieben Jahren haben Eltern gesetzlich das alleinige Entscheidungsrecht über die Veröffentlichung von Bildern ihres Kindes. Anschließend sollten Kinder in die Entscheidung einbezogen werden. Die Entscheidungshoheit bleibt jedoch bis zur Volljährigkeit bei den Eltern.
  • Das Internet vergisst nichts: Ob Pädophile das Bild nutzen oder andere die eigenen Kinder für ihren eigenen Nachwuchs ausgeben – das sind bekannte Schreckensszenarien. Fakt ist: Was einmal im Netz ist kann sich leicht weiterverbreiten. Daher gilt es, Privatsphäre-Einstellungen zu nutzen, um die Bilder nicht der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Bilder können entsprechend auch zu einem späterem Zeitpunkt wieder auftauchen, wenn es dem älter gewordenen Kind unangenehm ist. Daher gilt es Persönlichkeitsrechte zu wahren und im Sinne des Kindes zu handeln.
  • Eltern sind Vorbilder: Freizügige Bilder von Jugendlichen im Netz werden schnell verurteilt, aber auch Eltern zeigen ihre Kinder zum Teil leicht bekleidet oder sogar nackt im Netz. Hier sollte das das Bewusstsein für die prekäre Situation gestärkt und der höchstpersönliche Lebensbereichgewahrt werden.

Institutionen und Projekte in NRW, die sich mit dem Thema beschäftigen

Die Hagener Polizei hat eine Kampagne auf Facebook gestartet, in der sie auf Problematiken im Zusammenhang mit der Veröffentlichung von Kinderbildern aufmerksam gemacht hat.

Die Initiative „Kleinkind – Medien – Familienalltag“ gibt im Rahmen des Projekts #ÄSCH-TECKS – ein Projekt der Landesanstalt für Medien NRW – praktische Hilfestellungen zum Medienumgang im Familienalltag mit Null- bis Dreijährigen und thematisiert unter anderem auch Persönlichkeitsrechte.

Wenn Sie das Thema in Ihrer Institution behandeln oder es in Projekten zur Förderung von Medienkompetenz vorkommt: Dann melden Sie sich gerne bei uns und wir nehmen es an dieser Stelle auf.