Kindertageseinrichtungen

Früh übt sich ...

Kinder
© Landesanstalt für Medien NRW/LaKI

Der prägende Einfluss von Medien beginnt bereits in der Kindheit. Schon im Kindergartenalter sind sie eine wichtige Quelle für Information, Unterhaltung und Bildung. Die Zwei- bis Fünfjährigen machen nicht nur erste Erfahrungen mit Büchern, Hörmedien und dem Fernsehen, sondern auch schon mit mobilen digitalen Geräten wie Tablets. Jedes Kind hat seine Lieblingssendung, seine liebsten Film-, Comic- oder Bücherhelden. Mit ihnen wächst es auf, identifiziert sich und fiebert mit ihren Abenteuern mit. Darum sind Medienthemen oft auch der Gesprächsstoff Nummer eins in der Kita – und es ist einfach, mit den Kindern darüber in einen Austausch zu treten.

Der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest hat diese Zielgruppe in seiner miniKIM-Studiein Bezug auf ihr Freizeit- und Medienverhalten untersucht. Zwar dominieren in diesem Alter noch die medien-losen Aktivitäten „drinnen spielen“ oder „draußen spielen“, doch geben auch schon 79 % der Befragten an, dass sie zwischen einmal wöchentlich bis hin zu täglich fernsehen. Für 53 % der Vier- bis Fünfjährigen ist das Fernsehen das Medium, auf das sie am wenigsten verzichten könnten. In 7 % der Kinderzimmer findet sich sogar schon ein eigenes Fernsehgerät.

Um die vielfältigen Medienerlebnisse und -erfahrungen auch gut zu verarbeiten, brauchen die Kinder Unterstützung und Begleitung von Erwachsenen. So ist auch die Vermittlung von Medienkompetenz in der Kita eine wichtige und übergreifende Bildungsaufgabe. Immer mehr Kindertageseinrichtungen setzen sich aktiv mit dem Thema Medien auseinander. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Bildungsgrundsätzen NRW wieder. Medien werden hier als eigenständiger Bildungsbereich gesehen, um Kinder „für ein souveränes Leben mit Medien stark zu machen“.

Medienbildung und Sprachbildung können in der Kindertagesstätte verknüpft werden und sich gegenseitig ergänzen.

Potenzielle Problemfelder

Entsprechend ihres Entwicklungsstandes brauchen Kinder im Vorschulalter viel Zeit, um das Wahrgenommene zu verarbeiten und zu verstehen. Langsam und chronologisch erzählte Geschichten mit wenigen Hauptfiguren erleichtern das Verständnis. Sendungen sollten interessant und spannend erzählt sein, die Kinder aber nicht überfordern oder gar ängstigen. Dazu gehört, dass sie bspw. ein Happy End haben und eine Länge von 20 bis 30 Minuten nicht überschreiten. Viel Hintergrundwissen rund ums Fernsehen für Kinder und vor allem auch umfassende aktuelle TV-Tipps bietet der Ratgeber Flimmo, den es gedruckt aber auch online gibt.

 

Welche Sendung Kinder auch immer sehen – sie sollten es nicht alleine tun. Eltern und auch Erzieher/innen sollten über das Gesehene und Gehörte mit den Kindern sprechen. So entwickelt sich eine Erzählkultur, die nicht nur bei der Bearbeitung von Medienerlebnissen hilft, sondern auch die Sprachentwicklung fördern kann.

Felder der Medienerziehung

Medien haben einen festen Platz im Alltag von vielen Kindern. Das ist kein Problem, solange ein Kind seine Zeit nicht einseitig vor dem Fernseher oder mit einem Computerspiel verbringt. Deshalb ist es wichtig, klare Regeln zu vereinbaren, wie lange die Medien genutzt werden dürfen. Ebenso wichtig ist ein reflektierter Umgang mit den Medien selbst: Welche Sendungen und welche Software werden auf welche Weise genutzt? Welche Erlebnisse machen die Kinder damit und wie gehen sie mit ihnen um? Und letztlich bieten Medien auch ein immenses Potenzial für Kreativität, das nur geweckt werden muss.

Aus diesen Fragen wurden für die Materialien zur kombinierten Medien- und Spracherziehung vier Themenfelder der Medienerziehung abgeleitet:

  • Regeln und Jugendmedienschutz
  • Umgang mit Medien
  • Erlebnisse mit Medien
  • Kreativ mit Medien

Medienerziehung vor der Schule

Für Vorschulkinder ist vor allem die Möglichkeit zur Verarbeitung von Medienerlebnissen sehr wichtig. Die Erzieher/innen in Kindertageseinrichtungen können z. B. die Fernseherfahrungen aufgreifen, welche die meisten Kindern in diesem Alter regelmäßig machen. Im Rollenspiel, durch Zeichnungen oder in Gesprächen können die Kinder Möglichkeiten bekommen, die (Medien-)Erlebnisse, die sie emotional beschäftigen, zu verarbeiten. Solche Räume bzw. Anlässe zur Reflektion können sehr niedrigschwellig in den KiTa-Alltag integriert werden.

Etwas mehr Vorbereitung brauchen praktische Medienprojekte, die in Kindertageseinrichtungen spielerisch und kreativ umgesetzt werden können. Vielleicht basteln die Kinder ein eigenes Geräuschememory und füllen dafür kleine Dosen mit unterschiedlichen Materialien. Oder sie ziehen mit einer Fotokamera los und erstellen ein Bilderrätsel, indem sie Details von Gegenständen fotografieren, die es zu erraten gilt. Etwas aufwändiger in der Vorbereitung – aber sehr spannend in der Umsetzung – ist die Erstellung eines eigenen Trickfilms. Ergebnisse können beim Wettbewerb Drehmomente eingereicht werden.

Über den Warenkorb der Landesanstalt für Medien NRW lassen sich eine Reihe von Materialien zur Medienbildung in Kindertagesstätten bestellen.

Um das familiäre Miteinander im Zusammengang mit dem Thema Medien zu bearbeiten, hat die Landesanstalt für Medien NRW zusammen mit der Landesarbeitsgemeinschaft der Familienbildung in NRW (Paritätische Akademie LV NRW e.V.) pädagogisches Material erstellt. Themen sind der Alltag mit Medien, Vorbilder, Bindung, Persönlichkeitsrechte und Kommunikation. Ziel ist es, dass Eltern mithilfe der Online-Inhalte sowie des Karten-Sets Mediennutzung in der Familie reflektieren. Das Material bietet praktische Anregungen für die Arbeit in  Familienbildungseinrichtungen und der Elternarbeit.

Logo der Stiftung Lesen

Die Stiftung Lesen hält für Kindertagesstätten viele Informationen zur Stärkung der Lesekompetenz von Vorschulkindern bereit. Im Mittelpunkt der Arbeit des Programmbereichs Kita steht sowohl der Kontakt mit pädagogischem Fachpersonal als auch mit Eltern, um ihnen nützliche Hilfestellung und Empfehlungen rund um das Vorlesen und Erzählen zu geben und sie in der täglichen Leseförderungspraxis zu unterstützen. Denn die Grundlagen für die spätere Entwicklung von Sprach- und Lesekompetenz werden in Elternhaus und Kita gleichermaßen gelegt. Mit Handreichungen, Workshops und Fortbildungen gibt die Stiftung Lesen Erzieher/innen viele praxisorientierte Anregungen.