girlspace e.V. – Medientreff für Mädchen und junge Frauen

Vor 20 Jahren kam in Köln die Idee für ein Internetcafé für Mädchen und junge Frauen auf – in einer Zeit, als der Internetanschluss noch Luxusgut war. Heute arbeitet der Medientreff zeitgemäß mit anderen Schwerpunkten. 

girlspace auf einen Blick

girlspace logo
  • Medientreff für Mädchen und junge Frauen mit regelmäßigen Gruppen sowie Ferienprogrammen, Workshops und Angeboten für Schulen und Eltern
  • Ziel: Vermittlung eines kreativen, reflektierten und selbstgesteuerten Umgang mit digitalen Medien
  • 1999 unter der Trägerschaft des Evangelischen Jugendpfarramts Köln gegründet, seit 2002 gemeinnütziger Verein
  • Finanzierung: 1999-2002 durch das Land NRW, seit 2003 als Verein durch Laura-Oelbermann-Stiftung, einige Projekte durch den Landesjugendplan, einzelne Maßnahmen anteilig von der Stadt Köln finanziert

Weitere Informationen finden Sie im MPA Datenbankeintrag zum girlspace sowie auf der Webseite von girlspace.

Wie kam es zur Gründung des girlspace?

Laut  der JIM-Studie 1998  lag die Internetnutzung der Jugendlichen im Jahr 1998 bei 18 Prozent, Computer nutzten 71 Prozent der 12-19-jährigen. Dabei spielten sie für Mädchen mit 33 Prozent eine deutliche niedrigere Rolle, als für Jungen (63 %). Zwei von Zehn Jugendlichen hatten 1998 noch nie einen Computer bedient, dies betraf vor allem Mädchen und junge Frauen sowie Jugendliche, die die Hauptschule besuchten. Elektronische Kommunikation gallt allerdings schon damals als das Medium der Zukunft. Die IT-Branche erlebte einen Aufschwung, aber Jugendlichen fehlte es an Medienkompetenz. Pädagog/innen beobachteten die Entwicklungen teils mit Skepsis, teils mit Faszination.

Die evangelische Jugend in Köln fing zu diesem Zeitpunkt bereits mit MATT an – einem Treffen für hauptberuflich tätige Frauen, die sich mit dem Thema Mädchenarbeit auseinandersetzten. Dort entstand die Idee einen Ort zu schaffen, an dem sich Mädchen und junge Frauen mit Medien frei beschäftigen und in Bildungsangeboten darüber lernen können – in Form eines Internetcafés. Zudem sollte es Fortbildungen für Multiplikator/innen geben.

Das Projekt begann im Sommer 1998 mit einem Förderantrag als Modellprojekt beim Jugendministerium des Landes NRW. Das Internetcafé „girlspace“ startete mit einem offenen Bereich. Zunächst wurden zudem Kurse zur Textverarbeitung angeboten. Die Angebote entwickelten sich dann über die Jahre weiter. 

Welche Themen werden im girlspace bearbeitet?

Ging es zunächst noch darum, grundlegend-technische Kenntnisse im Umgang mit Computern zu schulen, verschieben sich die Handlungsschwerpunkte mit der Zeit. Innovativere, kreativere Medienprojekte werden angeleitet und umgesetzt. Es geht immer mehr darum, Medien aktiv-gestalterisch zu nutzen. Neben Computer und Internet, wird auch das Produzieren von Filmen in den Fokus gerückt. Die Arbeit von girlspace findet nicht mehr nur in den eigenen Räumlichkeiten statt, sondern geht auch in mobile Arbeit in Schulen über.

Aktuell sind die folgenden Themen für das girlspace die Zentralen Arbeitsschwerpunkte: 

  • Social Communities
  • Cybermobbing
  • Sicherheit im Internet 

Medienpädagogik, Mädchen, Interkulturelles

 Medienkompetenz fördern, eine kritisch-reflektierte Haltung gegenüber Medien entwickeln, die künstlerische Ausdrucksfähigkeit fördern – das sind Ziele des girlspace. Dabei stehen je nach Bedarf Fotografie und Bildbearbeitung, Videoarbeit, Audioprojekte oder der sichere Umgang mit dem Internet sowie dem Thema Cybermobbing im Fokus.

Diese Themen gehen beide Geschlechter etwas an, doch das girlspace widmet sich bewusst den Mädchen. Im girlspace sollen die Chancen junger Frauen in Schule und Beruf gesteigert und mehr Teilhabe im privaten und öffentlichen Umfeld ermöglicht werden. Emanzipation, Entscheidungsfähigkeit und Selbstbewusstsein der Mädchen sollen gestärkt werden und die sozialen Kompetenzen erweitert werden.

 Im Verlauf der fast 20-jährigen Arbeit sind auch interkulturelle Themen immer mehr zu einem Arbeitsschwerpunkt im girlspace geworden. Unterschiedliche Kulturen, Lebensweisen, Alltagsgewohnheiten und soziale Zugehörigkeiten treffen hier aufeinander. Deshalb möchte das Team des girlspace ein positives Erleben von Unterschiedlichkeiten fördern. Benachteiligte Mädchen und junge Frauen sollen zudem besonders unterstützt werden. Das Thema Flucht wird, auch in Bezug auf die Berichterstattung in den Massenmedien thematisiert. Soziale, interkulturelle und inklusive Aspekte stehen stets mit im Fokus der Arbeit des girlspaces.

Die Angebote im girlspace

Im girlspace finden Gruppenangebote, Workshops, Aktionstage und Ferienprogramme mit den medialen Schwerpunkten Video, Foto, Audio und Web 2.0 statt. Zu den regelmäßigen Gruppenangeboten gehören das wöchentliche Treffen der „NETQUEENS Mädchenredaktion – sicher online“ und der „Medienmix“. Während beim Medienmix Spaß, Erfahrungen und kreativer Medienumgang im Mittelpunkt stehen, geht NETQUEENS das Thema tiefer an. Hierbei werden redaktionelle Beiträge für einen Blog geschrieben, fotografiert, gefilmt und hörbar aufgenommen.

Das girlspace bietet zudem unregelmäßig Workshops an und nimmt aktiv an Aktionstagen, wie dem girlsday, dem Kinder- und Jugendfotomarathon, dem Mädchenkulturtag, der Mädchen-Computernacht dem Jugendstiftungstag sowie vielen Weiteren teil. Mit Ferienprogrammen arbeiten sie intensiv über mehrere Tage an ausgewählten Themen. Das girlspace kooperiert mit den umliegenden Schulen und unterstützt diese maßgeblich bei der Medienbildung der Schüler/innen. Zusätzlich zu den Angeboten für Mädchen und junge Frauen bietet girlspace Fortbildungen für Multiplikator/innen und Lehrer/innen an. 

Gründe für die Auszeichnung als Empfehlung des Monats

Die Idee zum girlspace jährt sich diesen Sommer zum 20. Mal. Der Treffpunkt ist heute noch genauso aktuell wie zu seiner Gründungszeit. Das liegt vor allem an den engagierten Mitarbeiterinnen, die sich ständig aktuellen Themen widmen. Das girlspace leistet eine wichtige Arbeit zur Förderung der Medienkompetenz von Mädchen und jungen Frauen, die ansonsten in diesem Bereich weniger Unterstützung im sozialen Umfeld erfahren. Durch die Fokussierung auf die Mädchenarbeit unterstützt girlspace junge Frauen in einem geschützten Raum Erfahrungen, mit Technik und Medien zu machen. Zudem bleibt der Verein nicht unter sich – mit Multiplikator/innenenfortbildungen wird  für die Verbreitung der Ideen und für Nachhaltigkeit gesorgt.