28.02.2019

Best Practice NRW 001: Tabletklassen im Gymnasium Harsewinkel

Im Gymnasium Harsewinkel besitzen seit Beginn des Schuljahres 2018/2019 alle Schüler/innen der Jahrgangsstufe sieben ein Tablet. Eine eineinhalbjährige Vorbereitungszeit liegt hinter den Lehrkräften, die die Geräte nun in ihren Unterricht einbinden. Wie startet man ein solches Unterfangen und was sollte man dabei beachten? David Tepaße, stellvertretender Schulleiter und federführende Leitung des Projekts, berichtet im Audio-Interview von seinen Erfahrungen.

Steckbrief

  • Projekt-Titel: Tabletklassen im Gymnasium Harsewinkel
  • Kurzbeschreibung: Einsatz von Tablets in der Schule; Ausstattung aller Lehrkräfte und eines kompletten Jahrgangs mit Tablets zum Einsatz im Unterricht und Zuhause
  • Ziele des Projekts: Naivem Umgang mit Medien der Schüler/innen begegnen, geeigneten Medieneinsatz und selbstbewussten sowie selbstbestimmten Medienumgang fördern; Verbesserung der Methodenvielfalt im Unterricht, Individualisierung des Unterrichts, Verbesserung der Motivation der Schüler/innen; Fachcurricula, die den Einsatz mit Medien erfordern sowie dem Medienkompetenzrahmen NRW gerecht werden

David Tepaße im Interview

Audiointerview im Überblick

Tipps und Tools vom Gymnasium Harsewinkel

Start: Bevor mit einer Tabletklasse gestartet werden kann, müssen Lehrkräfte geschult werden und die Möglichkeit bekommen ausreichend Erfahrungen mit den Tools und dem Einsatz der Geräte im Unterricht zu sammeln!

Hardwaretipps: In jedes Klassenzimmer gehören am Gymnasium Harsewinkel ein Ultrakurzdistanzbeamer, ein Apple TV und ein Access Point (WLAN). Jede Lehrkraft und alle Schüler/innen der teilnehmenden Klassen wurden mit einem Tablet mit Stift, Tastatur und Hülle ausgestattet.

Tooltipps: Explain Everything, Microsoft Office, Good Notes, Team-Shake, Kapiert.de, bettermarks und eine Mindmap-Software
(Mehr Informationen zu den Tools gibt es im Audio-Interview: 49:17-51:18 min)

Personal: „Es ist schon wichtig, dass einer das Heft in der Hand hat und auch einen Anstoß gibt", sagte David Tepaße im Interview. Aber er berichtet auch von seinem insgesamt zehn-köpfigen Team, das (bis auf eine Stelle für die Betreuung der Hardware) aus Lehrkräften besteht. Dieses kümmert sich um digitale Fortbildungen, die Kommunikation bei Anfragen von Unterrichtsbesuchen, das pädagogische Netzwerk, Lizenzmodelle, die Schülerpads und Tabletklassenadministration. Außerdem muss bedacht werden, dass bei Anlieferung der Geräte viel Zeit und Personal in die Administration und Verteilung dieser sowie Schulung der Schüler/innen im Umgang mit diesen einberechnet werden muss.

Erfahrungswert: Rückblickend würde David Tepaße keine teure Einzel-Versicherungen mehr abschließen, da kaum Schäden auftreten – Eine günstigere Gruppenversicherung statt teurer Einzelversicherungen hält er für vollkommen ausreichend, wenn diese überhaupt als notwendig empfunden werden.

Zitat: „Also das ist eine ganz wichtige Geschichte in dem Prozess: Mache nur Sachen, die du auch hinbekommst!“ – David Tepaße

Tablets in die Schule

Eine ganze Jahrgangsstufe mit Tablets auszustatten und diese sinnvoll in den Unterricht zu integrieren ist eine große Herausforderung für eine Schule. Vieles muss organisiert und bedacht werden. Und alle Beteiligten müssen dies unterstützen. Aber das stellte aus Sicht des stellvertretenden Schulleiters des Gymnasium Harsewinkels und Leiter des Projekts David Tepaße kein Problem dar: „Die Eltern sind sogar so weit gegangen, dass sie das ganz gerne nicht nur in einer Jahrgangsstufe hätten, sondern eigentlich, ja wenn mans ehrlich nimmt, ja die komplette Schule damit ausgestattet wird. Das hätte uns aber massiv überfordert.“ (04:02-04:12 min)

Dass diese Unterstützung nicht nur von den Eltern kam, sondern auch ein einstimmiges Votum der Lehrerschaft vorlag, machte das Projekt erst möglich.

Technik

Aber warum eigentlich Tablets, warum keine Laptops? „Für mich ein riesen Argument ist die direkte Verfügbarkeit von Geräten. Es muss wie ein Buch funktionieren. Wenn ich ein Buch aufschlage oder ein Heft aufschlage, ist das da und ich kann drin arbeiten – ist ein klares Gegenargument gegen alle Laptops, die ich bisher in der Schule kennengelernt habe, weil selbst, wenn die noch hyperperfomant sind, wird das nicht funktionieren, weil das immer wieder eine Hochfahrfunktion hat und die Hardwareanfälligkeit, die dahinter steckt, ist auch groß.“ (23:56-24:25 min)

Tepaße war es sehr wichtig neben den bereits seit über einem Jahr vorhandenen 50 Tablets zur Ausleihe eine komplette Jahrgangsstufe auf einmal auszustatten. So sollten die Geräte auch dann genutzt werden können, wenn Unterricht nicht im Klassenverbund stattfindet.

Ausgestattet wurden jedoch nicht nur alle Schüler/innen der Jahrgangsstufe sieben und die Lehrkräfte, sondern auch die Räumlichkeiten der Schule: „Ultrakurzdistanzbeamer, Apple TV, Access Point – das sind die drei Bestandteile, aus dem jeder Raum besteht.“ (20:13-20:16 min) Damit wurde ermöglicht, dass Inhalte von den Tablets spontan allen auf großem Bildschirm zur Verfügung gestellt werden können und Internet in jeder Lernsituation zur Verfügung steht.

Fortbildungen

Bevor die Technik jedoch flächendeckend in der Jahrgangsstufe ausgerollt wurde, begann eine Test- und Lernphase: „(…)Wir haben eineinhalb Jahre lang unsere Lehrer ausgebildet. Das heißt, jeder unserer Lehrer hat auch ein Tablet und hat verschiedenste Fortbildungen durchlaufen. Und das ist so, glaube ich, das Wichtigste. Und diese Fortbildungen laufen immernoch!“ (1:36-1:47 min)

Fortbildungen finden jetzt als sogenannte Fortbildungssnacks am Vormittag statt. Jede Lehrkraft kann Kurzfortbildungen anbieten oder in Freistunden an solchen teilnehmen. Die Koordination übernimmt eine der zehn Personen, die sich um die verschiedenen Aufgaben rund um die Tablets in der Schule kümmern. Dazu gehören digitale Fortbildungen und die Kommunikation bei Anfragen von Unterrichtsbesuchen, das pädagogische Netzwerk, Lizenzmodelle, die Schülerpads und Tabletklassenadministration und weitere Themen. Zusätzlich gibt es eine Stelle, die nicht von einer Lehrkraft ausgeführt wird und sich um die Hardware kümmert.

Finanzierung

Aber woher hat die Schule die Mittel für das Großprojekt? Einen Teil der Kosten tragen die Eltern: „Wir haben versucht ein möglichst attraktives Finanzierungsmodell (…) zu stricken.“ (4:59-05:04 min) Bisher zahlen die Eltern einen monatlichen Betrag von zehn Euro auf drei Jahre gerechnet. Dies beinhaltet die Finanzierung der Tablets inklusive Hülle, Tastatur, Stift und Versicherung. Ein von der Schule ausgesuchter Anbieter bietet den Eltern die Modelle Direktkauf, Leasing oder Finanzierung an. Für den Probejahrgang übernimmt der Förderverein einen Teil der Kosten. Außerdem können finanziell schwächer stehende Familien sich von diesem deutlich unterstützen lassen.

Tepaße sieht vor allem ein großes Problem beim Kauf von Tablets und Apps: „Viele unserer Sachen, die wir anschaffen, sind keine anerkannten Lernmittel.“ (38:08-38:11 min) So muss die Finanzierung selbst organisiert werden – es fehlt aus seiner Sicht die Unterstützung durch das Land.

Positive Auswirkungen von denen Tepaße berichtet:

  • Lehrkräfte können Vertretungsaufgaben direkt Schüler/innen zur Verfügung stellen.
  • Kooperation unter den Kolleg/innen klappt deutlich besser: Materialien werden stärker ausgetauscht, Lernen der Klasse über die Fächer hinaus wird betrachtet
  • Höherer individualiserter Lernerfolg der Schüler/innen
  • Schüler/innen können mit den Materialien Zuhause direkt weiterarbeiten
  • Schüler/innen können Arbeitserfolge ihren Eltern direkt spiegeln
  • Der Unterricht wird in manchen Bereichen anschaulicherer
  • Das Modell Flipped Classroom ist gut umsetzbar
  • Erklärvideos können gemacht werden: Fördert das Lernen durch die Notwendigkeit Wissen erklären zu müssen