28.05.2019

Best Practice NRW 002: Netzwerke

Ständig auf dem aktuellsten Stand sein, Gelder für Projekte akquirieren – das sind zwei von zahlreichen Herausforderungen, die meist jede Institution für sich alleine meistern muss. Dabei wäre es viel einfacher, entgegen herrschender Konkurrenzgedanken voneinander zu profitieren: Stichwort Networking. Zwei verschiedene Einrichtungen, die Netzwerkarbeit betreiben, haben wir dazu befragt.

Steckbriefe

  • Projekt-Titel: Landesarbeitsgemeinschaft Lokale Medienarbeit NRW e.V. – Digital dabei 4.0
  • Kurzbeschreibung: Koordination mehrerer Institutionen, die jede für sich ein  Medienprojekt mit Flüchtlingen umsetzen  
  • Ziele des Projekts: Integration junger Geflüchteter durch die Umsetzung eines medienpädagogischen Projekts, Ausweitung medienpädagogischer Projekte in NRW
  • Projekt-Titel: online-upd@te
  • Kurzbeschreibung: Netzwerk von lokalen Medienpädagogen im Kreis Borken, dass sich regelmäßig trifft und gemeinsam eine jährliche, gleichnamige Fachtagung organisiert
  • Ziele des Projekts: Multiplikatoren fortbilden, um das Thema Jugendmedienschutz und Medienerziehung mehr in den lokalen Institutionen zu verankern, gegenseitge Bereicherung

Interview mit Ute Isferding von online-upd@te und Arnold Hildebrandt von der LAG LM

Arnold Hildebrandt von der Lag LM erzählt aus seiner Arbeit mit dem Projekt „Digital dabei 4.0“ und Ute Isferding vom Medienkompetenznetzwerk Borken und der jährlichen Fachtagung „online-upd@te“.

| 28.05.2019

Netzwerkformen

Die LAG LM übernimmt als Träger eines Netzwerks einige Aufgaben: Dazu gehören das Akquirieren von Projektgeldern und die damit verbundene Weitergabe dieser an die Mitgliedsinstitutionen. Auch die Vermittlung von Referenten und Räumlichkeiten sowie die Dokumentation der Projekte ist Aufgabe der LAG LM. Als Dienstleister für die pädagogischen Institutionen kümmern sie sich auch um die Abrechnung. Auch kleine Institutionen können so von Fördergeldern profitieren, für die die Antragstellung sonst zu aufwendig wäre oder deren kleine Teilsummen sie alleine nicht bewilligt bekämen. Es handelt sich also um eine Kopfinstitution, die ein Netzwerk pflegt.

Anders sieht es bei online-upd@te aus. Aus der alltäglichen Präventionsarbeit entstand die Idee, sich zusammenzutun: So finden inzwischen regelmäßige Netzwerktreffen sowohl mit Institutionen (Kreisjugendamt, Polizei, Medienzentrum) als auch mit Einzelpersonen (Lehrkräften) statt. Zusätzlich veranstaltet das Netzwerk gemeinsam eine jährliche Multiplikatorenfortbildung für Pädagog/innen. Bis das Netzwerk die unterschiedlichen Akteure vereint hatte und aus dem kleinen Fachtag eine Großveranstaltung wurde, hat es ein paar Jahre gedauert.

Win-Win Situationen schaffen

Die erste gemeinsame Aktion vom Kreisjugendamt und der Polizei Borken war ein gemeinsamer Elternabend, an dem jede Institution die eigene Expertise einbrachte. Hildebrandt empfiehlt, sich vor Projektbeginn vor Ort umzuschauen welche Institutionen bereits aktiv sind. Ute Isferding erklärt, dass man sich so zusammentun kann, Win-Win-Situationen entstehen und alle von Synergien profitieren.

Was sie auch klar sagt: Konkurrenzgedanken müssen abgelegt werden. „Wir merken auch, dass das Themenfeld Medienerziehung, aber auch Jugendmedienschutz so breit gefächert ist, dass wir das alleine gar nicht jeder für sich, so zu sagen, beackern können.“, berichtet Isferding.  Gemeinsam erreicht das Netzwerk mehr Menschen. Das erlebt Isferding durch die steigende Anzahl an Anfragen für ihre hauseigenen Veranstaltungen, seit es das Netzwerk gibt. Und auch das Interesse für die vom Netzwerk gemeinsam organisierte jährliche Fachtagung wächst stetig. Und die Mitglieder bilden sich unterdessen im ständigen Austausch gegenseitig fort.

Organisation

Netzwerke entstehen aus ganz unterschiedlichen Anlässen und auch in Zweck und Organisation unterscheiden sich diese oft stark – abhängig vom Engagement der einzelnen Institutionen und der einzelnen Akteure. Während die LAG LM die Organisation des Netzwerks als Zweck ihrer Institution sieht, ist diese Arbeit bei online-upd@te Aushandlungssache. Die Netzwerkpartner haben unterschiedliche Ressourcen, Fachwissen und Kompetenzen, die sie in das Netzwerk einbringen. Aber auch die LAG LM erlebt diese Unterschiede. So werden Projektgelder je nach Möglichkeiten und zeitlichen Ressourcen für ein Projekt verteilt.

Tipps

Start: Hildebrandt weist auf Kopfinstitutionen wie die LAG LM hin und plädiert dafür, bestehende Strukturen zu nutzen. Zum Start eines eigenen Netzwerks gibt Isferding den Tipp, sich nach Instiutionen umzuschauen, die die eigene Arbeit sinnvoll ergänzen und deren Arbeit man selbst ebenfalls bereichern kann.

Erfahrungswert: Damit das Netzwerk bestehen bleibt, scheint eine Sache in beiden Fällen zumindest hilfreich zu sein: Ein gemeinsames Projekt!

Zitate:

  • „Wichtig ist, vielleicht wirklich für das operative Geschäft zu überlegen, welche Themenfelder beschäftigen mich sehr. Wer könnte in diesem Bereich auch unterwegs sein? Dass man wirklich guckt, wer ist im operativen Geschäft mit dem Themenfeld vertraut?“ – Ute Isferding
  • „Ich würde immer empfehlen sich an so eine Kopfsteile dann auch mal zu wenden oder eben vor Ort mal gucken, was sind da denn für Einrichtungen, da fragt man einfach nach!“ – Arnold Hildebrandt

Positive Auswirkungen, von denen Ute Isferding und Arnold Hildebrandt berichten:

  • Gemeinsam eine große Veranstaltung umsetzen, die einer alleine nicht stemmen könnte
  • Sich bei dem umfassenden und schnelllebigen Thema Medien gegenseitig auf den aktuellen Stand bringen und von den Erfahrungen und dem Wissen der jeweils anderen profitieren sowie ein Korrektiv für eigene Ansichten haben
  • Kürzere Wege zu anderen Institutionen
  • Größere Aufmerksamkeit für das Thema schaffen
  • Vernetzung anderer Akteure
  • Mehr Angebots-Anfragen: Viele Institutionen nehmen das Thema wahr
  • Mehr mediale Präsenz
  • Türöffner für folgende Veranstaltungen