22.08.2019

Best Practice NRW 003: Medienpädagogische Arbeit in Bibliotheken

Medien haben schon immer ihren Platz in Bibliotheken gefunden. Aber wie sieht es eigentlich mit Medienpädagogik aus? Was können Bibliotheken tun, um die Medienkompetenz ihrer Besucher/innen zu fördern? Ob Köln oder Düsseldorf – große Städte gehen mit großen Projekten voran. Wir haben stattdessen mit drei kleineren Einrichtungen gesprochen, die uns spannende Einblicke in ihre Arbeit gegeben haben.

Steckbriefe

  • Institution: Stadtbücherei Nettetal 
  • Kurzbeschreibung: Der Schwerpunkt dieser Bibliothek liegt auf der Versorgung der Kindergärten mit Medientechnik.
  • Im Interview: Birgitt Mager – hat die Grundidee umgesetzt, eine Kooperation mit Kindergärten auf der Medientechnikebene auszubauen, und dabei viel recherchiert, ausprobiert und Medientechnik für Kindergärten zusammengestellt.
  • Institution: Stadtbücherei Ibbenbüren  
  • Kurzbeschreibung: In Ibbenbüren gibt es einen Maker Space und verschiedene Lern-Roboter. Zielgruppe der Angebote sind alle Bürger/innen. Ein Schwerpunkt liegt jedoch auf der Arbeit mit Schulen.
  • Im Interview: Dagmar Schnittker – hat bereits Fortbildungen für andere Bibliotheken durchgeführt und ist gerne Ansprechpartnerin bei Fragen zum Thema Maker Space.
  • Institution: Stadtbibliothek Minden 
  • Kurzbeschreibung: Die Stadtbibliothek Minden hat Angebote für Schulen und gestaltet Aktionen und regelmäßige Angebote, vorwiegend zum Thema Games.
  • Im Interview: Lukas Opheiden – ist als Medienpädagoge in der Bibliothek angestellt und beschäftigt sich daher sehr intensiv mit Angeboten für alle Zielgruppen in der Bibliothek. Sein Lieblingsthema: Games.

Report mit Birgitt Mager (Stadtbücherei Nettetal), Dagmar Schnittker (Stadtbücherei Ibbenbüren) und Lukas Opheiden (Stadtbibliothek Minden)

Wir haben drei Interviews mit Menschen geführt, die aus ihrer Arbeit in Bibliotheken berichten und dies in einem Report zusammengefasst.

Tipps und Tools aus den drei Bibliotheken:

Für den Projekt-Start: Statt sich ein aufwändiges Konzept zu überlegen, sollten Bibliotheken lieber einfach Tools oder Hardware ausprobieren und nach und nach um weitere Angebote ergänzen. Es lohnt sich in einem frühen Planungsstand Erfahrungen anderer Bibliotheken abzufragen. So vermeidet man es z. B. Technik anzuschaffen, die nicht benutzt wird. 

Erfahrungswerte:

  • Bei Arbeit mit Ehrenamtlichen sollte immer bedacht werden, dass diese gegebenenfalls nicht das gleiche pädagogische Selbstverständnis besitzen und andere Ziele verfolgen. Dennoch sind sie eine gute Möglichkeit, Angebote trotz Personalmangel umzusetzen.
  • Technik sollte man vor dem Start eines Angebots genau prüfen, damit nicht mitten im Workshop plötzlich etwas nicht funktioniert. 
  • Es ist leicht eine gute Idee zu finden, aber umso schwieriger Personen dafür zu erreichen. Hier helfen bereits bestehende Kooperationen sowie eine genaue Definition der Zielgruppe.

Hardwaretipps: Any-Book-Reader-Stifte, BeeBots, Ozobots

Tooltipps: Actionbound, Bloxels

Zitate: 

  • Dagmar Schnittker: „Ich sag’ das immer wieder: Habt mehr Mut Dinge auszuprobieren und zu lernen. Und vernetzt euch. Gemeinsam geht einfach schneller und auch besser!“
  • Birgitt Mager: „Ich denke das ist eine wichtige Sache, dass man da als Wegweiser für die Menschen ein Ansprechpartner ist. Und egal welchen Alters. Gerade für die Kleinen, was man da an Grundlagen legt ist genau so, wie beim Lesen. Wenn man früh mit denen Geschichten liest, (...) wachsen die da ganz selbstverständlich mit auf und ähnlich ist es eben, wenn die sich kreativ mit digitalen Medien beschäftigen.“
  • Lukas Ophieden: „Was ich immer auch gerne anderen Bibliotheken empfehle: Ich habe ja eben von der Spieletestergruppe erzählt und da kann man sehr gut ältere Jugendliche (...) dafür begeistern, auch mal bei anderen Projekten mitzumachen, mitzuhelfen und in diese Betreuendenrolle zu schlüpfen und da toll zu unterstützen. Zumal die ganz oft auch mehr Experten sind, als unsereiner dann." 

Medienbildung in die Bibliotheken

Die Arbeit in Bibliotheken verändert sich durch die Digitalisierung enorm. Diese Orte, die Teilhabe ermöglichen und den Zugang zu Informationen anbieten möchten, bieten schon eine ganze Weile auch digitale Medien an. Doch mit der reinen Bereitstellung von Geräten und digitalen Medien ist es nicht getan: Man verpasst die Chance, mehr Menschen für diesen freien Bildungsort zu gewinnen und Kindern neben der Lesekompetenz auch digitale Lese- und Produktionsfähigkeiten zu vermitteln.

Bibliotheken sind zudem ein guter Anlaufpunkt, sowohl für Kleinkinder als auch für ältere Menschen, um Medienkompetenz zu erlangen, da herkömmliche, analoge Medien einfach mit digitalen verknüpft werden können. Der Benefit: Bibliotheken können technische Geräte zur Verfügung stellen, die sich Bürger/innen unter Umständen privat nicht leisten könnten und dazu passende fundierte Angebote schaffen.

Angebote – Arbeit mit Audiostiften

Ein guter Einstieg ist die Leseförderung durch die Erweiterung von bestehenden Angeboten z.B. durch Any-Book-Reader-Stifte. Lesbare Codes für diesen Audiostift lassen sich überall in der Bibliothek verteilen und können so zum Beispiel analog-digitale Rallyes ermöglichen oder jüngeren Kindern die Möglichkeit geben, Buchrezensionen aufzusprechen. 

Angebote – Technik

Eine andere Möglichkeit tätig zu werden, ist das Anbieten von Technik. Das kann Medientechnik im Verleih für Schulen oder Kindertagesstätten sein oder Dinge zum direkten Ausprobieren in der Bibliothek, wie zum Beispiel eine VR-Brille oder ein 3D-Drucker. Zunächst sollte man jedoch evaluieren, welche Technik die entsprechende Zielgruppe gebrauchen kann und für welche Zielgruppe in der Gemeinde gegebenenfalls bereits andere Angebote bestehen. 

Welche Angebote sich zum Einstieg am besten umsetzen lassen, hängt aber auch stark von den personellen Ressourcen, Affinitäten und Fähigkeiten ab. 

Wer macht das? Kooperationen und Arbeit im Team

Bibliotheken in NRW unterscheiden sich sehr stark im Personalschlüssel. Während in Minden ein Medienpädagoge zu 100% an der Entwicklung und Koordination von Angeboten arbeitet, gibt es im Nettetal eine Bibliothekarin, die sich dem Thema (neben ihren Aufgaben als Stellvertretende Leitung und der Betreuung der Kinder- und Jugendbibliothek) alleine annimmt. Die Bücherei in Ibbenbüren kümmert sich um das Thema als gesamtes Team.               

Nicht immer stehen alle Kolleg/innen hinter einem Konzept oder sehen ihre Fähigkeiten und zeitlichen Kapazitäten in diesem Bereich. Innovative Projekte in der Bibliothek anzusiedeln kann sehr mühselig sein. Überzeugungsarbeit ist auch bei der Akquirierung von Fördergeldern oder zusätzlichen Geldern aus der Kommune notwendig. 

Es lohnt sich, Affinitäten der Mitarbeitenden vor Ort oder bereits vorhandene Kooperationspartner einzubinden, wenn man ein medienpädagogisches Angebot schaffen möchte. Erst die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen, ehrenamtlichen Helfer/innen oder die Unterstützung durch ältere Jugendliche bei regelmäßigen Angeboten, können medienpädagogische Angebote möglich machen. 

Positive Auswirkungen, von denen Lukas Opheiden, Dagmar Schnittker und Birgitt Mager berichten:

  • Die Arbeit mit Schulen kann intensiviert werden. So kann die Bibliothek für mehr Kinder und Jugendliche als freier Lernort bekannt gemacht werden
  • Medienkompetenz / Lesekompetenz wird im Kontext vermittelt
  • Bürger/innen können Medientechnik kennenlernen und nutzen, die sich selbst nicht leisten könnten (z.B. VR-Brille, 3D-Drucker) 
  • Teilhabe wird ermöglicht
  • Andere Institutionen / Pädagog/innen als Multiplikatoren für Medienkompetenzvermittlung fortbilden und sich gegenseitig unterstützen 
  • Pädagogischen Institutionen die Möglichkeit geben, Medientechnik auszuprobieren und sich ein Bild zu machen 
  • Die Verbindung von digital und analog herstellen 
  • Kinder und Jugendliche über andere Formen für Inhalte gewinnen 
  • Wegweiser für Kinder und Jugendliche im Mediendschungel sein 
  • Früh die Grundlagen legen, damit Kinder den Umgang mit digitalen Medien spielerisch erlernen