31.10.2019

Best Practice NRW 004: Evangelische Kita Uphof

Medien spielen oft bereits im Leben von Kleinkindern eine Rolle: Eltern hantieren mit Smartphones, an der Bahnstation ist ein großer Infoscreen und im Wohnzimmer sind neben dem Fernseher auch Laptop oder Tablet zugegen. Wie man Medien in der Kita zum Thema machen und aktiv-kreativen Umgang damit bereits in der frühkindlichen Bildung fördern kann, zeigt die Evangelische Kita Uphof in Hamm.

Steckbrief

  • Institution: Evangelische Kita Uphof in Bockum-Hövel (Hamm in Westfalen), zugehörog zum Trägerverbund der Kitas im Ev. Kirchenkreis
  • Kurzbeschreibung: Die von der Reggio-Pädagogik inspirierte Kita hat im Jahr 2000 bereits mit Medienbildung begonnen und seitdem in zahlreichen Projekten Medien aktiv für Kinder erfahrbar gemacht
  • Im Interview: Gaby Reitmayer – leitet die Einrichtung bereits seit 1974 und hat im Jahr 2000 begonnen Medienbildung als Aufgabe ihrer Kita zu sehen.

Bereits seit 19 Jahren gehört die Medienbildung zum Konzept der Kita Uphof. Angefangen hat alles mit einem Impuls der zuständigen Fachberatung und der Teilnahme an einer Schulung. „Und eigentlich ist da die Basis gelegt worden […] für uns in der Kita, für den gesamten Bereich der Medienbildung.“, sagt Gaby Reitmayer, Leiterin der Kita Uphof in Hamm. 2018 wurde die Kita Uphof mit dem Deutschen Kita-Preis ausgezeichnet. Grund dafür: unter anderem die vorbildhafte Verknüpfung von MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) mit digitalen Technologien. Außerdem schafft die Einrichtung vielfältige Angebote, mit denen Kinder selbst kreativ werden, erforschen und entdecken können.

Ziele: Verstehen und kreativ damit umgehen

Foto: Ev. Kita Uphof, Hamm.

„Wenn wir heute mit Medien arbeiten, geht es uns um den kreativen Umgang der Kinder mit den Medien – dass sie wissen wie diese funktionieren und, […] wenn sie die Funktionen kennen, wie Medien dann eben kreativ eingebunden werden. Also ein Ziel ist es, dass Kinder erlernen: sie machen etwas mit den Medien und nicht umkehrt – die Medien machen etwas mit mir.“, erklärt Gaby Reitmayer. Zum Konzept der Kita gehört ein Medienführerschein, in dem es um den Umgang mit Kamera, Computer und Tablet geht. Der Schwerpunkt der medienpädagogischen Arbeit liegt jedoch auf der kreativen Projektarbeit.

Medienbildung wird in der Kita Uphof als ein Bildungsbereich gesehen, der gleichberechtigt neben anderen Bereichen, wie Sprachförderung und Bewegung, steht. Im besten Fall werden die Bereiche sogar verknüpft. So wurden Tablets für das Projekt „Selfie mit der Baumkrone“ in den Wald mitgenommen und bei der Entwicklung der Geschichte für einen Trickfilm kommt immer wieder sprachliche Bildung zum Tragen. Auch Themen wie „Logistik" oder „Zeche" wurden in der Vergangenheit medial bearbeitet. Letztendlich ist das Ziel der Kita ganzheitliche Bildung, welche die Medienbildung einschließt.

Der Trickfilm "Jona und der Wal" entstand durch die Verknüpfung von Religionspädagogik und Medienpädagogik. Die Kinder haben hierbei alles, von den Materialien, über Tonaufnahmen bis zum Schnitt selbst gemacht.

Konkret: Womit in der Kita arbeiten

Bild: Ev. Kita Uphof, Hamm.

Gaby Reitmayer empfiehlt Materialien anzubieten, mit denen Kinder nach einer Einführung selbst experimentieren können. In ihrer Kita gibt es Fotokameras, sogar eine Unterwasserkamera, Tablets mit denen zum Beispiel Trickfilme erstellt werden, aber auch Overhead-Projektoren. Diese werden zum Beispiel für das Spiel mit Licht und Schatten genutzt. Und es gibt einen Beamer, um große Bilder anzuschauen. Wichtig ist, sich Medien vor dem Einsatz in der Kita genau in Hinblick auf Inhalte und Funktionsweisen anzuschauen. Auch die Kinder müssen zunächst Grundregeln kennen, wie: Das Bändchen von der Kamera muss zuerst am Handgelenk befestigt werden.

Alte technische Geräte werden als Material benutzt, aus dem die Kinder neue Dinge basteln können. So spielen auch Making und Robotik eine Rolle. Ausgehend von dem Wunsch eines Kindes, einen Roboter zu bauen, wurde ein Experte in die Kita eingeladen, der den Kindern geholfen hat eigene Projekte zu verwirklichen.

Projekt zum selber machen: Trickfilm in der Kita

Ein Trickfilm lässt sich mit wenig Personalaufwand stemmen, sofern die betreuende Person das Projekt mit einer kleinen Zielgruppe durchführen kann und über entsprechende Expertise verfügt. Dazu sollte sie mit Machart und verwendeten Materialien vertraut sein. An Materialien werden ein Tablet in Schutzhülle mit Stop-Motion-App, ggf. Lampen zur Beleuchtung (hier können z.B. auch Schreibtischlampen benutzt werden) und Bastelmaterialien benötigt. Tablets lassen sich häufig auch in Medienzentren in der Umgebung ausleihen. Bei Eigenanschaffung ist der Kostenfaktor zunächst hoch. Der Aufwand für ein solches Projekt ist vergleichsweise gering, da mit dem Tablet ein Film erstellt und direkt fertig bearbeitet werden kann. Auch über Geschichte und Materialien kann mit den Kindern gemeinsam entschieden werden. Auf diese Weise schließt das Projekt auch sprachliche Bildung ein.

Kolleg/innen: Durchführen mit Haltung

Bild: Ev. Kita Uphof, Hamm.

Natürlich können nicht ständig Expert/innen eingeladen und finanziert werden. In der Kita Uphof haben alle Erzieher/innen eine Grundausbildung im Bereich Medienbildung bekommen. Es gibt jedoch für jeden Bereich Pädagog/innen, die sich spezialisieren, so auch für die Medienbildung.

Medienpädagogische Arbeit lebt, laut Reitmayer, von denen, die sie durchführen. Ihr ist es daher wichtig, dass ihre Mitarbeiter/innen nach Interessen und Fähigkeiten eingesetzt werden. Gute medienpädagogische Arbeit kann nur machen, wer sich selbst zunächst inhaltlich damit befasst, sich technische Fähigkeiten aneignet, aber auch die eigene Haltung festigt. Eine Scheu im Umgang mit Medien muss erst abgelegt werden. Pädagogisch ist schließlich wichtig, Impulse zu geben und Kindern Freiräume zum Erfinden und Entdecken zu lassen. Der Prozess sollte im Vordergrund stehen – kein bestimmtes Produkt das oberste Ziel sein.

Eltern einbeziehen

Es gibt, außerhalb der Kita Uphof, gewiss noch immer Pädagog/innen, die Medienbildung nicht als Aufgabe der Kita sehen. Vorbehalte von Seiten der Eltern gibt es laut Reitmayer jedoch kaum noch – die Brisanz des Themas wird wahrgenommen und Berührungspunkte mit Medien haben Kinder bereits sehr früh. Vorbehalten sollte man, laut Reitmayer, mit Informationen begegnen, um Ängste zu nehmen. „Dies gelingt oftmals, wenn Eltern selbst die kreatve Arbeit mit den Medien in der Kita aktiv erleben können. Hierzu bietet wir Elternabende zu der Nutzung mit Apps, zur Informatik und Mindkraft an. Eltern können dann gut nachvollziehen, wie Kinder in der Kita Medien kreadtiv nutzen."

Kinder können oft bereits mit zwei Jahren Fotos am Smartphone raussuchen und zeigen. Damit ist klar: Die Berührungspunkte bestehen oftmals bereits im eigenen Elternhaus. Eine gute Zusammenarbeit mit den Eltern spielt eine zentrale Rolle für eine gelingende Medienbildung der Kinder. Durch Projektdokumentation werden wichtige Einblicke in die Geschehnisse in der Kita gewährt.

Tipps und Tools von der Kita Uphof

Hardwaretipps: Angefangen mit Overheadprojektoren und dem Spiel von Licht und Schatten, über Digitalkameras, bis zu Tablets, können in der Kita unterschiedliche Geräte eingesetzt werden. Gaby Reitmayer empfiehlt nach eigener Negativerfahrung lieber nur ein iPad anzuschaffen als mehrere Tablets mit anderen Betriebssystemen, da hier viele Kreativapps zum Download zur Verfügung stehen und die Tablets kindgerecht einstellbar sind.

Tooltipps: App-Typen, die in der Kita eingesetzt werden: Stop Motion Studio, Foto boost, Greenscreen-App, Osmo

Zitat: „Ein Ziel ist es, dass Kinder erlernen: sie machen etwas mit den Medien und nicht umkehrt – die Medien machen etwas mit mir.“