26.11.2019

Best Practice 005: Elternarbeit in Dortmund / Köln

Es ist eine wichtige Aufgabe, Eltern über aktuelle Medienphänomene unter Kindern und Jugendlichen und damit potenziell auftretende Probleme zu informieren. Damit bereits im Elternhaus Medienkompetenzförderung stattfindet, sollten ihnen Hilfestellungen für den Medienalltag in der Familie gegeben werden. Wie unterschiedlich Elternarbeit gelingen kann, zeigen diese Institutionen aus Dortmund und Köln.

Eine Idee – Zwei Konzepte

Eltern für eine konstruktive Medienbildung erreichen – das will sowohl das Gesundheitsamt der Stadt Dortmund als auch das Maximilian-Kolbe-Gymnasium Köln. Die Umsetzung sieht jedoch sehr unterschiedlich aus: Während das Gesundheitsamt sich mit kleinen Elternrunden in Kitas und Grundschulen im Stuhlkreis trifft und Eltern in den Austausch bringt, setzt das Gymnasium auf die Einladung möglichst vieler Eltern, die von Schüler/innen sowie einem externen Referenten informiert werden und anschließend Fragen stellen können.

Elternabende des Gesundheitsamtes der Stadt Dortmund

Steckbrief

  • Institution: Gesundheitsamt Stadt Dortmund (Bereich: Gesundheitsförderung und Koordination)
  • Kurzbeschreibung: plant und führt allgemein Pojekte der Gesundheitsförderung durch, realisiert als Partner vor Ort in Dortmund Veranstaltungen für Eltern von 0- bis 10-Jährigen im Rahmen von Eltern + Medien, einem Projekt der Landesanstalt für Medien NRW
  • Im Interview: Jennifer Beck, selbst als Referentin für Medienbildung im Einsatz

Bereits seit 2010 kümmert sich das Gesundheitsamt zusammen mit anderen Einrichtungen, wie z.B. dem Jugendamt, um Medienbildung in der Elternarbeit. Sie sind seitdem sogenannte „Partner vor Ort“ von Eltern + Medien, einem Projekt der Landesanstalt für Medien NRW. Bis zu fünfzehn Veranstaltungen führen Sie im Jahr durch: Sei es in Kitas, Grundschulen oder etablierten Eltern-Cafés. In ihren Veranstaltungen fördern sie vorrangig einen Austausch unter den Eltern über den Medienumgang in der Familie und geben Tipps hierzu.

Projekt zum selber machen: Elternabend im Stuhlkreis

Ein Elternabend im Stuhlkreis hat zwei Vorteile: Nicht nur die Veranstalter/innen können wertvolle Hilfestellungen und Informationen einbringen – auch Eltern können über eigene Erfahrungen sprechen und sich gegenseitig Tipps geben. Durch den Austausch geben sie sich gegenseitig neue Handlungsstrategien für schwierige Situationen. Für die Durchführung  werden ggf. ein Beamer und Anschauungsmaterialien benötigt. Der zeitliche Aufwand lässt sich niedrig halten, mehr als eine moderierende Person wird von Personalseiten aus nicht benötigt.

Elternabende des Maximilian-Kolbe Gymnasium Köln

Steckbrief

  • Institution: Maximilian-Kolbe Gymnasium Köln
  • Kurzbeschreibung: vor drei Jahren das erste Mal Elternabend von Schülern veranstaltet
  • Im Interview: Alexander Ittenbach, Lehrer am Gymnasium, seit 4 Jahren Beratungslehrer und Mitbegründer der Medienscouts an seiner Schule

Am Maximilian-Kolbe Gymnasium finden Elternveranstaltungen auf ungewöhnlichere Weise statt. Die dort ausgebildeten Medienscouts bereiten sich ausführlich vor, um dann Erwachsenen einen Einblick in ihre Mediennutzung und die damit verbundenen Herausforderungen zu geben. In der Informationsveranstaltung am Gymnasium halten die ausgebildeten Schüler/innen Vorträge vor kleinen Elterngruppen zu ihren meistgenutzten Apps. Anschließend gibt es einen ergänzenden Vortrag eines externen Referenten oder einer externen Referentin zum Thema. Im Anschluss stehen Medienscouts und Referent/in den Eltern für weitere Fragen zur Verfügung.

Projekt zum selber machen: Schüler/innen richten Elternabend aus

Wenn Schüler/innen selbst zu Lehrenden für Erwachsene werden sollen, braucht das viel Vorbereitungszeit. Eine Lehrkraft muss im Voraus die entsprechenden Themen mit ihnen erarbeiten und sich dafür selbst hinreichend informieren. Zudem sollten Schüler/innen im Vortragen geschult werden. Vor Ort ist kaum Personal von Nöten, sofern kein außenstehender Referent zusätzlich eingeladen werden soll. Es werden außer einem Beamer keine teuren Ressourcen benötigt.

Cheatsheet für den Elternabend

Tipps aus Dortmund und Köln

Erfahrungswerte:

  • Es passiert, dass qualifizierte Mitarbeiter nach und nach aus diversen Gründen nicht mehr zur Verfügung stehen. Daher ist es immer wichtig für Nachfolgende zu sorgen, zum Beispiel durch entsprechende Qualifikationsseminare.
  • Es macht Sinn, sich vor Ort zu einem Netzwerk zusammenzuschließen, um in der eigenen Arbeit auch auf andere Anlaufstellen verweisen zu können und sich im Austausch weiterzubilden.
  • Ist die Muttersprache nicht von allen Eltern Deutsch, kommt es zu kommunikativen Herausforderungen. Dann ist niedrigschwellige Arbeit mit vielen Bildern notwendig.

Tipp: Eltern unterschiedliche Möglichkeiten zur gemeinsamen, aktiven Mediennutzung in der Familie aufzeigen.

Zitate:

  • Jennifer Beck: „Eltern sind die erste Anlaufstelle, wo Medien überhaupt eine Rolle spielen – in der Familie! Die haben große Einflussmöglichkeiten.“
  • Alexander Ittenbach über die Wichtigkeit der Eltern in der Medienbildung: „Weil den Eltern gar nicht so bewusst ist, wie weitläufig Mediennutzung ist. Und weil die Schüler in sehr jungen Jahren nicht verantwortungsvoll genug damit umgehen. Dass sie da ein Auge drauf haben. Nicht komplett überwachen, dass klar ist, was alles passieren kann. Ein Auge drauf haben.“

Die Haltung muss stimmen!

Eine wichtige Komponente gelingender Elternarbeit ist die eigene Haltung als Veranstalter/in und Durchführende/r eines Elterntreffens. Wichtig für Frau Beck und Herrn Ittenbach ist es, die Eltern nicht zu belehren, sondern zu informieren. Durch den Austausch untereinander bekommen Eltern viele Ideen, wie sie Mediennutzung in der Familie gestalten können. Frau Beck betont, dass sie informiert und zwar ihre persönliche Haltung zur Sprache bringen kann, sie diese aber ganz klar als eine solche kennzeichnen möchte. „Ich denke, dass da jede Familie auch einen Weg für sich finden muss.“

Erzieherisch Tätig werden

Jennifer Beck hat die Erfahrung gemacht, dass Eltern zum Teil große Hemmschwellen haben, im Bereich der Medien erzieherisch einzugreifen. Hier ermutigt sie Eltern, ähnlich wie in anderen erzieherischen Themen, zum Schutz des Kindes durchzugreifen. Oft wissen sie, was sozial erwünscht ist – manchmal fehlt es aber auch an alternativen Lösungsstrategien: Zum Beispiel, wenn das Kind in der Grundschule bereits ein Handy bekommen soll, um den Schulweg zu sichern. Dann können Alternativen überlegt werden, wie der Schulweg anders – auch ohne Smartphone – sicher gestaltet werden kann.

Weitere erzieherische Herausforderungen sind z.B. die Unterscheidung des Medienkonsums von älteren Geschwistern. Auch wenn ein Medium häufig zur Ruhigstellung oder Unterhaltung genutzt wird, während Eltern anderen Tätigkeiten nachgehen, kann es zu Problemen kommen. Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass das Kind unruhig wird, statt wie erwartet zur Ruhe zu kommen. Auch hierfür können im Elternabend Lösungswege erarbeitet werden.

Positive Auswirkungen von denen Jennifer Beck und Alexander Ittenbach berichten:

  • Eltern können sich austauschen
  • Eltern bekommen ein Bewusstsein für die Weitläufigkeit der Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen
  • Eltern wissen, worauf sie ein Auge haben müssen, um ihre Kinder im Medienumgang zu begleiten
  • Eltern werden in ihrer Erziehung bestärkt
  • Eltern bekommen hilfreiche Tipps für eine gelingende Mediennutzung in der Familie
  • Eltern reflektieren ihre eigene Mediennutzung und können ihre Vorbildfunktion überprüfen