06.12.2019

Best Practice NRW 006: Peer-to-Peer bei den Medienscouts

Wenn es um die Medienthemen von Jugendlichen geht, sind Erwachsene meist nicht auf dem aktuellsten Stand der Trends, die damit einhergehen. Dadurch bemerken Sie auch Schwierigkeiten oft erst, wenn diese zu größeren Problemen geworden sind. Warum also nicht Jugendliche als Lehrende einsetzen?

Grundsätzlich steckt hinter Peer-to-Peer-Education die Idee, dass eine Zielgruppe sich selbst weiterbildet. Das macht sowohl unter Pädagog/innen Sinn, die unterschiedliche Wissensstände und Erfahrungen miteinander teilen als auch, wenn es darum geht, dass Jugendliche sich gegenseitig Sachverhalte beibringen. Dabei können Medien unterstützend genutzt werden. Eine klassische Möglichkeit ist die Erstellung einer Präsentation, die anschließend einer Gruppe vorgetragen wird. Hilfreich kann jedoch auch der Einsatz eines selbst erstellen Erklärvideos sein, was Lernende dazu animiert, Wissensstände strukturiert darzustellen.

Projekt zum selber machen: Peer-to-Peer im Unterricht

Peer-to-Peer im Unterricht bedeutet, dass unterschiedliche Unterrichtsmaterialien zu Beginn vorbereitet sein müssen. Danach sollten die Schüler/innen jedoch eigenständig Inhalte erarbeiten und diese anschließend ihren Mitschüler/innen beibringen können. Natürlich ist auch hier die Betreuung und Unterstützung durch eine Lehrkraft notwendig, diese ist jedoch deutlich offener als in einem regulären Unterrichtssetting.

Die Medienscouts

Anders sieht die Idee bei den Medienscouts aus: Hier sollen nicht nur Medien unterstützend genutzt werden – sie sind Thema und Inhalt der Peer-Education. Seit dem Projektstart im Jahr 2011 qualifiziert die Landesanstalt für Medien NRW Jugendliche und ihre Betreuungslehrkräfte. Anschließend sind diese in den Schulen beratend tätig – als Sprechstunde, an die man sich mit Medienfragen wenden kann oder durch Projekte und Lehrende in Unterrichtsstunden.

Die einmalige Qualifizierung bedient inhaltlich die Themen Internet und Sicherheit, soziale Netzwerke, digitale Spiele und alles rund um das Smartphone. Darüber hinaus wird die Beratungskompetenz geschult, es findet ein Kommunikationstraining statt und das soziale Lernen wird thematisiert.

Im Anschluss an die Qualifizierung starten die ausgebildeten Medienscouts an ihren Schulen mit medienthematischen Aktionen. Ihre Aufgabe besteht jedoch auch darin nachfolgende Medienscouts zu schulen, damit die Gruppe über Jahre hinweg weiterbestehen kann. Unterstützt werden sie dabei von Beratungslehrkräften, mit denen sie auf Augenhöhe kommunizieren.

Medienscouts – Der Ablauf im Überblick

Steckbrief

  • Institution: Heinrich-Heine-Gesamtschule Duisburg
  • Kurzbeschreibung: Seit 2012 gibt es an der Schule Medienscouts, die in den jüngeren Klassen Unterrichtseinheiten zu Medienthemen durchführen.
  • Im Interview: Ulrike Huft, Abteilungsleiterin und eine von drei Betreuungslehrkräften der Medienscouts an ihrer Schule

Das besondere an den Medienscouts der Heinrich-Heine-Gesamtschule Duisburg ist: Alle nehmen freiwillig daran teil. Grundsätzlich ist das ein Merkmal, das sicher auf alle Medienscouts in NRW zutrifft. In Duisburg treffen sich die Medienscouts allerdings regelmäßig in ihrer Mittagspause mit jeweils einem ihrer drei Betreuungslehrkräfte. Es handelt sich nicht um eine AG im Nachmittagsbereich und auch die Lehrkräfte haben keine Unterrichtsstunde hierfür zur Verfügung. Die Schüler/innen schätzen die Gemeinschaft und dass sie als Lehrende ernstgenommen werden. Das Verhältnis ist persönlicher als das, was üblicherweise zwischen Lehrkräften und Schüler/innen herrscht. In diesem Projekt können Schüler/innen sich ernstgenommen fühlen.

Gemeinsam planen die sieben- bis Elftklässler Unterrichtsstunden in den fünften und sechsten Klassen zu verschiedenen Medienthemen, wie Cybermobbing oder Kettenbriefe. Manchmal stellen sie ihre Projekte bei Fachtagen vor.

Zitat von Ulrike Huft dazu, warum Medienscouts sinnvoll sind

„Die Begründung ist, dass es sicherlich gut ist, wenn Schüler andere Schuler informieren und beraten können. Dass also nicht immer diese hierarchische Person des Lehrers da etwas macht, sondern dass vielleicht bei ganz vielen Dingen, die diesen Bereich betreffen, die Schüler dann sagen: Oh das hat jemand gesagt der ist so alt wie ich oder etwas älter als ich. Dass das einen ganz anderen Stellenwert hat.“

Projekt zum selber machen: Medienscouts

Medienscouts sollen möglichst eigenständig agieren. Dabei benötigen Sie jedoch trotzdem Unterstützung durch mindestens eine Lehrkraft. Findet das Engagement außerhalb von AGs und Unterrichtszeit statt, macht es Sinn ein Betreuungsteam zu bilden, das sich die Arbeit teilt. Dieses Team sollte möglichst kompetent beraten können.