Smart Devices und Digitale Assistenten

Alles smart - außer mir?

Die Digitalisierung hält immer weiter Einzug in den Alltag. Selbst Lautsprecher, Puppen, Kühlschränke – ja sogar ganze Häuser werden nun „smart“. Besonders die Geräte mit digitalen Assistenten boomen aktuell. Was aber bedeutet dies für Aufsicht und Medienkompetenz und welche Herausforderungen erwachsen an Jugendschutz und IT-Sicherheit?

Man könnte den Eindruck erhalten, dass die digitalen Geräte schon heute smarter sind als ihre Nutzer/innen. Sie erhalten Tipps, wann sie losfahren sollen, um trotz der aktuellen Verkehrssituation rechtzeitig zu, nächsten Termin zu erscheinen. Beim Parken wird automatisch der Parkplatz erfasst, um das Wiederfinden des Fahrzeugs zu erleichtern. Oder die Nutzer/innen erhalten überraschend passende Produktempfehlungen – basierend auf den letzten Käufen. 

Diese Fähigkeiten der digitalen Begleiter fallen nicht vom Himmel, sondern sind vielmehr Ergebnis aufwändiger Berechnungen und komplizierter Algorithmen – teilweise sogar unterstütz durch künstliche Intelligenzen. Mit der neuen Generation von Geräten und Funktionen erwachsen auch neue Herausforderungen an Medienaufsicht, Medienkompetenz, Jugendschutz und IT-Sicherheit. 

Digitale Assistenten

Digitale Assistenten, in Kombination mit einem Lautsprecher auch als Smart Speaker bezeichnet, sind eine verhältnismäßig neue Geräte-Kategorie, die aktuell die Wohnungen erobert. Amazon, Google, Apple und andere Hersteller bringen entsprechende Geräte auf den Markt und statten sie mit ihren digitalen Assistenzsystemen Alexa, Google Assistant und Siri aus, die bereits schon auf vielen Smartphones verfügbar sind. 

Die Smart Speaker bestehen aus einer Elektronik-Einheit, die mehrere Mikrofone enthält, um Befehle unabhängig von der Raum-Beschaffenheit präzise erfassen zu können. Wird ein Aktivierungswort erkannt, z. B. „Ok, Google!“, „Hey Siri!“ oder „Alexa!“, beginnen die Geräte die darauffolgende Befehlskette zu verarbeiten. Hierbei kommt die Cloud – die Server-Zentren der Anbieter – zum Einsatz, die sowohl die Sprachverarbeitung als auch die inhaltliche Bearbeitung der Befehle übernimmt. Schlussendlich wird die Antwort per Sprachausgabe zurück an den Fragenden übermittelt. Digitale Assistenten gibt es in unterschiedlichen Ausführungen, die sich insbesondere in der Größe und damit Qualität der Lautsprecher unterscheiden – aber inzwischen auch mit Kamera und Displays, z. B. für Videotelefonie. 

Grundsätzlich ist das Mikrofon der Geräte rund um die Uhr aktiv und erfasst Geräusche und Gespräche im Raum. Doch erst bei Nennung des Aktivierungswortes beginnt das Gerät, die Daten weiter zu verarbeiten und auf die Server der Hersteller zu übermitteln. Ein Hardware-Schalter auf den Geräten ermöglicht eine Deaktivierung der Mikrofone. Vorsicht ist bei gebrauchten Geräten geboten: Es sind Fälle bekannt, in denen Kriminelle die Mikrofone manipuliert haben und die Assistenten zu dauerhaften Abhör-Wanzen umgebaut wurden.

Datenschutz bei digitalen Assistenten

Auch wenn digitale Assistenten nicht den ganzen Tag beobachten und zuhören, können sie aus den Fragen und Befehlen sehr viele Informationen über die Nutzer/innen ableiten: 

  • Erstelle Termin: Nächsten Mittwoch, 15 Uhr, Fitness-Studio

Der Assistent hat Zugriff auf den Kalender, kennt alle Termine und kann aus den Orten ein Bewegungsprofil ableiten. Er kann Muster ableiten und Prognosen für Termine in der Zukunft treffen 

  • Wie lange benötige ich heute zur Arbeit?

Der Assistent kennt Ort der Wohnung und der Arbeitsstätte und kann daraus ggf. Informationen über Wohnsituation und Arbeit/Bildungsabschluss und Einkommen ableiten

  • Stelle den Wecker auf 6:45 Uhr

Der Assistent kann wechselnde Schlaf- und Aufwachzeiten registrieren 

  • Spiele Musik von Metallica / Wann läuft James Bond im TV?

Auch über die Interessen weiß der Sprachassistent bestens Bescheid

  • Setze Kopfschmerztabletten auf die Einkaufsliste

Der Assistent erhält auch sensible Informationen z. B. zu Krankheiten. Werden die Informationen weiter kombiniert, kann der Assistent ggf. ableiten, dass die Kopfschmerzen aufgrund von Überstunden bei der Arbeit oder einem unregelmäßigen Schlafrhythmus entstehen.

Digitale Assistenten lernen die Nutzer/innen also sehr genau kennen und die Anbieter sind grundsätzlich in der Lage, Bewegungs- oder Persönlichkeitsprofile anzufertigen, um diese z. B. für personalisierte Einkaufsvorschläge oder Werbung zu nutzen. Das sollte jedem Nutzer bewusst sein und manche Funktionen ggf. auch nicht genutzt werden, um sich gegenüber dem Assistenten – und dem Anbieter – nicht zu gläsern zu machen.

Hinzu kommt, dass durch die Verknüpfung mit anderen Accounts wie z. B. dem Kalender oder dem Adressbuch weitere Datenquellen für die digitale Assistenten bereitstehen. Gerade auf Smartphones finden die Assistenten ein Datenparadies vor, das es durch gut gewählte Berechtigungen zu schützen gilt. Insbesondere gilt es, die Standortdaten zu schützen, da diese sehr viele Rückschlüsse auf den Tagesablauf, Wohnsituation, Arbeitsplatz und Freizeitaktivitäten ermöglichen.

Digitale Assistenten und Kinder

Auch Kinder interagieren mit den Sprachassistenten. So hat ein Mädchen in den USA beispielsweise eigenhändig ein neues Puppenhaus bestellt, welches einige Tage später auch geliefert wurde. Ein kleiner Junge hatte weniger Glück: Auf seine Frage spielte der digitale Assistent Porno-Klingeltöne, bis der erschrockene Vater einschritt. 

Mit der neuen Geräte-Kategorie erwachsen auch neue Herausforderungen an den Kinder- und Jugendschutz. Digitale Assistenten sollten unbedingt mit einem Kauf-PIN gesichert sein, damit nicht versehentlich Einkäufe getätigt werden können. Aber auch in der Kommunikation zwischen Kindern und den Geräten lassen sich Auffälligkeiten feststellen. Manche Kinder behandeln digitale Assistenten wie Geschwister oder gute Freunde und unterhalten sich mit ihnen über ihre Interessen, ihren Tagesablauf oder sensible Probleme. Andere Kinder behandeln die Assistenten wie Sklaven, inklusive passendem Befehlston und Beleidigungen, wenn eine Antwort einmal nicht so ausfällt, wie erwartet. Hier sollten auch Eltern ein professionelles Verhältnis zum Sprachassistenten vorleben – sie sind nun einmal keine digitalen Geschwister oder auch Geräte, die man nach Belieben beleidigen darf.

Digitalisierung vs. IT-Sicherheit

In vielen Bereichen lässt sich beobachten, dass Datenschutz und IT-Sicherheit mit dem hohen Innovationstempo, welches die Hersteller an den Tag legen, nicht Schritt halten kann. In immer mehr Geräten werden Mikrochips integriert und immer wieder werden dann unausgereifte Geräte mit teils schwerwiegenden Sicherheitslücken auf den Markt geworfen. In diesen Fällen haben Kriminelle leichtes Spiel und können dann u. a. IP-Kameras, Drucker, intelligente Toaster oder sogar ganze smarte Häuser kapern und für Hacker-Angriffe (Botnetze) oder zum Versand von Spam missbrauchen. 

Eindrucksvoll zeigt sich dies mit der Suchmaschine Shodan. Damit lassen sich keine Webseiten oder Informationen finden, sondern vernetzte Geräte wie die genannten IP-Kameras, Drucker oder Router – aber auch Industrie-Steuerungsanlagen oder Haussteuerungen. Diese „Suchergebnisse“ bilden damit eine ideale Grundlage für Hacker, um die Geräte anzugreifen und schlimmstenfalls sogar unter ihre Kontrolle zu bringen.

Fazit

Die wohl größten Risikofaktoren im Umgang mit digitalen Geräten sind Bequemlichkeit, Gleichgültigkeit und Gutgläubigkeit auf Seiten der Nutzer/innen. Sie müssen selbst aktiv werden und durch regelmäßige Sicherheits-Updates, sichere Passwörter, verschlüsselte Verbindungen (https, VPN) und eine bewusste Nutzung für mehr Sicherheit und Datenschutz sorgen und dürfen sich hier nicht auf die Hersteller verlassen. Trotzdem sollte man sich nicht die Offenheit und das Interesse an Innovationen verderben und sich hier abhängen lassen – denn wenn man selbst nicht an Innovationen und Veränderungen teilhaben möchte, werden es andere tun. Es wäre schade, wenn man sich dadurch selbst ausschließen würde.